Thru-Hiking will break your heart [Buch]

Thru-Hiking Will Break Your Heart - Carrot Quinn

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

Carrot Quinn

Titel:

  • Thru Hiking will break your Heart (370 Seiten)

Gelesenes Format:

eBook

Rezension und Inhalt:

I’ve never had a sports injury before. I’ve never even played sports. I’ve never done anything like this in my whole life. Is the pain I’m feeling a big deal, or not a big deal? Is my hike doomed now?

Das Buch beginnt mit diversen zusammenhanglosen kurzen Szenen, die aber doch eine Gemeinsamkeit haben. Die Autorin fühlt sich in ihrem aktuellen Leben nicht wohl. Da sie nicht viel besitzt, kann sie nicht viel verlieren und als die dann von dem Pacific Crest Trail liest (ein Hike von Mexiko nach Kanada, der ca. 5 Monate dauert), beschließt sie, dass die das auch machen will. Sie liest im Internet, schaut sich Ausrüstung an und liest dort von den Erlebnissen von anderen Hikern.

The first twenty miles of the Pacific Crest Trail are some of its most brutal. Start early or you won’t make it. I don’t start early.

Der Teil ist aber relativ schnell beendet und der Weg auf dem Trail beginnt.

Das Buch ist anders als die beiden Bücher, die ich bisher über den Trail gelesen habe. Cheryl Strayed beschreibt einzelne Szenen vom Trail. Damals war der Trail aber relativ wenig besucht. Insofern war ihr Erlebnis anders als heute.

In any given moment we have two options: to step forward into growth or to step back, into safety.

In diesem Buch wird durchgängig sehr detailliert beschrieben, wie es Carrot ergangen ist.

Es wird immer wieder auf die Hürden und Bürden des Trails eingegangen. Speziell n den ersten Wochen hat man quasi überall Schmerzen und muss aufpassen, dass man sich nicht total verausgabt oder verletzt.

I plod along the sandy path, my pack like a giant hand crushing me into the earth. What is even in this thing? Fear, probably. Fear that this or that will happen. My fear is crushing me into the earth.

Das Hiken in der Gruppe ist natürlich auch in diesem Buch Thema – wobei man eher Campen in der Gruppe sagen muss. Das Hiken erfolgt meist allein und jeder in seiner individuellen Geschwindigkeit. Die Gruppe gibt eine gewisse Sicherheit und ist in einigen Passagen des Trails sehr empfehlenswert. Anderseits ist es kaum möglich auf mehrere andere Hiker Rücksicht zu nehmen, wenn man in dem engen 5-Monatszeitfenster, dass einem die Jahreszeiten vorgeben, ankommen möchte.

A moment later I reach mile 200. I think about how hard that first hundred miles were, what an epic undertaking it seemed. These second hundred miles, I feel, have flown past by comparison. By god, I think. I am getting better at this.

Man hilft sich auf dem Trail zwar oft gegenseitig aber am Ende muss jeder seinen eigenen Hike laufen und die Leute die ankommen wollen innerhalb der 5 Monate, müssen auch einen Gewissen Egoismus haben. So gesehen ist es schade, dass man die Entscheidung auf einem Thru-Hike (also den Hike des kompletten PCT in einem Rutsch) offenbar leider öfter treffen muss: Will man ankommen oder bleibt man lose mit den Leuten zusammen, mit denen man sich anfreundet, die aber oft selber auch weiter ziehen würden, wenn es darauf ankommt.

I dip my bottles into this pool and then drag my things beneath a scratchy oak tree, into a sandy patch of shade just big enough for my body. I curl up on my side to nap, but I can’t. Small insects crawl over me, but they don’t bite. I’ve become part of the desert.

Wenn jemand kurz vorm Ende des Trails zum Arzt muss, kann die Zweckgemeinschaft ganz schnell auseinanderbrechen: „If I don’t see you again“. Der Trail ist also auch eine sehr künstliche Welt, die 5 oder 6 Monate den kompletten Lebensinhalt widerspiegelt aber danach holt einen die Realität wieder ein.

Auf einem Thru-Hike geht es sehr stark um die elementaren Dinge. Essen, Wasser, Schlafen und ab und alle paar Tage mal ein Auszeittag, ein Bett und eine Dusche. Auch das wird in diesem Buch deutlicher als in den Büchern, die ich bisher gelesen habe, wenn das dort auch schon in einzelnen Szenen angesprochen wurde.

“That climb was so steep,” I say again, before I drift off. “I can’t believe how much climbing we just did. Hours and hours and hours of it.” I have no idea what is to come.

Man besinnt sich unweigerlich auf das Wesentliche. Es ist Luxus zu duschen oder einen zusätzlichen Schokoriegel zu bekommen und das Glück kommt direkt. Man muss nicht darauf warten, wie auf eine Gehaltserhöhung. Mit den negativen Erfahrungen ist es allerdings genauso. Oft kommen sie unerwartet und plötzlich. Das können Feuer, Regen, Nasse Schlafklamotten, Kaputte Ausrüstung, Moskitos, Bären, Wespen usw. sein.

I won’t get any cheeseburgers at McDonald’s today, I decide as I walk. I’ll get, like, a salad. That’s what I really need. Vegetables. I try to visualize this salad, in order to make it more real. But the salad I visualize is the worst salad imaginable. I imagine eating this terrible salad while all my friends eat cheeseburgers. I want to cry.

Auch kleinere Erkrankungen zeigen sich immer wieder in den 5 Monaten, von Magenverstimmungen, Verdaungsproblemen, Blasen und Entzündungen ist alles dabei. Wenn man mitten im nirgendwo ist, kann man aber nicht einfach pausieren, weil man dafür nicht genügend Nahrung hat. Davon abgesehen wird man dann auch aus seiner gewohnten “Hikerblase” gerissen, wenn man pausiert. Man muss sich also neue Leute suchen.

Gut finde ich an dem Buch, dass sich der PCT der Länge nach in etwa linear auf die Seiten verteilt. Es wird nichts ausgelassen und alles in etwa gleich detailliert behandelt. Somit kann man das Buch vielleicht am ehesten als Trailtagebuch bezeichnen. Man hat somit deutlich mehr das Gefühl dabei zu sein, als wenn man nur ein paar ausgewählte Szenen entlang des Trails serviert bekommt.

I explain to Instigate that I have no food and she generously shares her chickpea dinner and stale trail mix with me, saying that she has plenty. This officially bonds us for life, as sharing your food with another thru-hiker is one of the most symbolically generous things you can possibly do, ever, in the history of everything.

Was man auch in diesem Buch sehr schön erkennt. Jeder Hike ist absolut individuell. Nur weil man hier oder da einen Tag länger verbringt oder seinen Hike zwei Tage früher oder später startet triftt man ganz andere Leute. Jeder Hiker hat seine eigene Blase von Leuten, die man immer wieder trifft. Einige sieht man nur einmal, andere trifft man immer mal wieder und wenn man Glück hat findet man welche, die in der gleichen Geschwindigkeit unterwegs sind und die man mag. Wenn das dann noch auf Gegenseitigkeit beruht, kann das den Hike ganz wesentlich aufwerten. Genau davon kann es am Ende abhängen, ob man den Thru-Hike  durchsteht oder eben nicht. Nicht umsonst nennt sich diese Gemeinschaft Trail Family und Carrot hat ihre Trail Family gefunden.

In the morning it’s just eleven miles to Hiker Heaven, where we’ll pick up our resupply boxes. I have no idea what to expect there, but I’m sure it’ll be strange and wonderful, just like everything else so far.

Man lernt Leute kennen, die man gerne mag. Die aber etwas schneller oder langsamer sind. Nur weil jemand 4 Tage vor oder hinter einem ist, kann es sein, dass man ihn den ganzen Trail lang nicht (mehr) sieht.

Sex und eine aufkeimende Beziehung gibt es in dem Buch übrigens auch aber auch diese unterliegt den Regeln des Trails.

Das PCT Erlebnis in diesem Buch hört sich relativ ungefährlich an. Es gab so gut wie keinen Schnee in den Sierras und der komplette PCT war offen (oft sind Teile wegen Feuer geschlossen). Es werden auch keine gefährlichen Flussquerungen beschrieben (was aber nicht weiter erstaunlich ist, wenn wenig Schnee vorhanden war).

Fazit:

I think about how no place is how you expect it to be, and the best thing to do is to not want things in the first place. But it’s so hard to do that. So hard.

Das Buch versteht sich nicht als Ratgeber oder Unterhaltungsbuch. Es beschreibt aus der Perspektive der Autorin den Trail wie sie ihn erlebt hat. Die erste Hälfte des Buches hat eine gewisse Eintönigkeit. In der zweiten Hälfte menschelt es sehr. In der ersten Hälfte kam mir das Erlebnis teilweise eher wie Frodos Marsch nach Mordor vor und in der zweiten Hälfte ist zu großen Teilen das glatte Gegenteil der Fall.

I imagine the parasite in my guts, swimming around, living out its little dramas. Changing into this or that, fighting for control of various corners of my intestinal universe. Upheavals, regime changes, revolutions. The swelling of orchestral music. Hopes and dreams and fears.

Für alle die mal wissen wollen wie sich ein Thru-Hike anfühlt ist das Buch sicherlich sehr interessant. Davon abgesehen hält sich der Unterhaltungswert für nicht so Trail oder Thru-Hike interessierte aber in Grenzen. Was aber wirklich toll ist, dass es keine Zeitsprünge gibt. Man erlebt den Trail linear über die Strecke mit. Das verstärkt das mittendrin Gefühl ganz ungemein.

Ein Eindruck erhärtet sich nach nun einigen Büchern, die ich zu dem Thema gelesen habe: Wer den Trail bis zum Ende läuft, kann nicht genug davon bekommen. Carrot Quinn hat den PCT im nächsten Jahr erneut gelaufen und danach diverse andere Trails – unter anderem den anspruchsvollsten US-Trail – den Continental Divide Trail.

They say there’s a long, narrow ribbon of space-time that stretches from Mexico to Canada. I hear you can live there, for a little while, as long as you keep moving. But be careful, it will break your heart.

Als Warnung: Auch dieses Buch weckt die Lust zu Reisen!

Wenn ihr weitere Beiträge zum Thema Reisen (und auch zum PCT) sucht, findet ihr sie hier.

Bewertung:

3,5/5

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Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

  • Die vermeintlichen Krankheiten von Carrot, die ja leider während des Trails des öfteren aufgetreten sind, waren wohl chronisch und die Ursache lag anders als von ihr vermutet (siehe ihr Blog)

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