Norwegen Hurtigruten Frühling / Frühjahrserwachen 2014 [Reisebericht]

Die erste große Schiffstour

Bei dieser Tour hatte ich anfangs etwas Bedenken, nicht etwa weil ich nicht Seefest wäre. Ich bin sogar ziemlich Seefest.

Bzgl. der Seefestigkeit sollte man auch nicht zu sehr einen Kopf machen, es sei denn es ist einem schon übel, wenn man ein Schiff sieht. Die Schiffe auf der Hurtigrute fahren weitgehend ziemlich geschützt an der Küste lang. Es gibt nur relativ kurze Abschnitte auf denen man über offenes Meer fährt und ein wenig Geschaukel und Schränkeklappern hört halt auf einem Schiff auch mal dazu.

Ich war vorher nie mehrere Tage auf einem Schiff unterwegs und somit stellten sich mir einige Fragen:

Fällt mir die decke auf den Kopf? Ist mir zu langweilig? Ist mir der Bordalltag zu spleenig?

Dementsprechend habe ich mich vorher informiert und bei Hurtigruten hörte sich alles recht entspannt an (abseits des Preises, der ist eher Apotheke). Langeweile kommt nicht auf, wenn man gerne die Landschaft betrachtet, denn das kann man im Frühling bereits fast rund um die Uhr.

Man kann an jeder Anlegestelle runter vom Schiff, Bürokratie und Förmlichkeiten wie auf Kreuzfahrtschiffen gibt es nicht. Allerdings st der Komfort gemessen am Preis auch sehr überschaubar. Wer Kabinen auf Kreuzfahrtschiffen kennt, wird ein anderes Preisleistungsverhältnis gewohnt sein. Dafür ist die Menschenmenge der an Land strömenden Besucher allerdings auch überschaubarer.

Ein Kreuzfahrtschiff ist aber auf der Hurtigrute auch keine Alternative. Das hängt damit zusammen, dass die Hurtigrute sehr nah der Küste entlang fährt und viele Stellen von Kreuzfahrtschiffen auch nicht angefahren werden können oder dürfen.

Wir haben uns für die vollständige Tour entschieden Bergen – Kirkenes – Bergen. Da einige Anlegestellen jeweils nur in einer Richtung mit Anlegezeiten am Tag angefahren werden, muss man auch in beide Richtungen mitfahren, um wirklich alles zu sehen. Wenn ich mich für eine Richtung entscheiden müsste wäre das allerdings eindeutig die Nordvariante. Die Tour ist aber schon kurz genug, wenn man in beide Richtungen fährt und finanziell hält sich der Unterschied auch eher in Grenzen.

Ausflüge

Da die Ausflüge in der Regel auf die Durchschnittsmenge an Besuchern ausgelegt sind, die Hurtigruten anliefert, kann es auch schon mal zu Engpässen kommen.

Mittlerweile hat Hurtigruten aber das Konzept der Ausflüge komplett verändert. Insofern sind die evtl. nicht mehr direkt vergleichbar.

Wir haben bei den Touren einige Leute dabei gehabt, die keine organisierten Ausflüge gemacht haben. Stattdessen haben sie dann jeden Tag eine Flasche Wein getrunken (zur Erklärung Alkohol ist in Norwegen so teuer, dass man dafür auch diverse Ausflüge machen könnte). Viele Dinge lassen sich in den beschränkten Zeitfenstern aber anders nicht erledigen als mit den organisierten Ausflügen. Zumal man die Sicherheit hat, dass das Schiff nicht ohne einen abfährt, selbst wenn es 10 oder 15 Minuten länger dauert.

Da ich noch nicht wusste, das ich später noch mal auf der Hurtigrute bin, haben wir an Ausflügen alles mitgenommen was sich irgendwie interessant angehört hat. Das war allerdings 2014 schon teuer, später hat Hurtigruten dann dramatisch die Preise erhöht (fast verdoppelt – ich vermute um die eigenen Ausflüge / Expeditionspackete zu pushen).

2014 und auch bei meiner zweiten Tour mit Nordlicht 2018 wurden die Ausflüge nicht von Hurtigruten durchgeführt, sondern extern. Es gab auch keine Expeditionen / Expeditionsleiter oder inkludierte Ausflüge. Das Konzept wurde erst danach eingeführt.

Ausflüge, an denen wir teilgenommen haben:

  • Jugendstil Rundgang – Sehenswert, kann man auch allein machen, dann verpasst man aber einige Hintergrundinfos. Kann man machen, muss man aber nicht machen.
  • Bootsafari zum Saltraumen – das ist eine Fahrt mit einem RIB Boot zu einer sehr starken Unterwasserströmung, die bei uns Achtung: An der Oberfläche nicht mal zu sehen war 😉 Aber die Fahrt lohnt sich trotzdem. Die alternative Bustour würde ich nicht machen, die Bootstour kann ich nur empfehlen. Die Fahrt kann aber schon recht rumpelig sein. Das ist keine seichte Bootsfahrt.
  • Winterabenteuer Husky – Für mich war das Erlebnis auf derart viele Huskies zu treffen spannender als die Schlittenhundefahrt. Ich hatte anfangs befürchtet, dass die Tiere unter eher schlechten Bedingungen gehalten werden, der Eindruck hat sich aber nicht bestätigt. Von den Hunden durch die Gegend gezogen zu werden war mal ganz interessant aber würde ich nicht nochmal machen. Wenn dann würde ich lieber hinten stehen und den Schlitten lenken und mitarbeiten (ja, die Hunde benötigen schon ein wenig Unterstützung).
  • Das Nordkap – Der Ausflug ist Pflichtprogramm und gehört zu jeder Hurtigrutentour dazu (bei der zweiten Tour im Winter sind wir allerdings wegen zu viel Schnee nur auf der Seeseite vorbeigefahren)
  • Schneehotel in Kirkenes – Ausgefallen mangels Hotel (war gerade am wegschmelzen)
  • Hammerfest Die nördlichste Stadt der Welt – Kann man machen, muss man aber nicht
  • Inselwelt der Vesterålen – Sollte man aus meiner Sicht mal mitgemacht haben. Gerade die etwas längeren Ausflüge zeigen einem auch ein wenig abseits der Küste und sind alleine schon deswegen interessant
  • Inselwelt der Lofoten – Siehe vorherige Ausflug – auch empfehlenswert
    Stadtrundgang durch Trondheim – Auch hier gilt, dass man sich die Stadt auch selber anschauen kann aber das dauert etwas länger, wenn man sich nicht auskennt
  • Malerische Atlantikstraße – Das ist DER must have Ausflug, der allerdings sehr am Wetter hängt. Im Winter gibt es den Ausflug nicht
  • Seadler Safari – Die Adler werden mit Fisch angelockt. Es lassen sich nebenher auch sehr viele Tauben anlocken. Je nach Standort (man wechselt auf ein kleines Schiff) sehr tolle Bilder aber das ist natürlich sehr künstlich. Gut für die Natur ist das sicher nicht.
  • Wir hatten vorab die Schneemobil tour gebucht in einem Bereich, wo mit Ziemlicher Sicherheit Schnee gelegen hätte. Da diese Tour einschließlich mutmaßlicher Nordlichtsichtung aber wegen Bauarbeiten ausgefallen ist, haben wir dann versucht vor Ort noch eine andere Tour in etwas südlicheren Gefilden zu buchen. Das hat aber mangels Schnee nicht geklappt.
  • Das  Ringve Museum in Trondheim ist eine absolute Empfehlung. Das ist nach meinem Wissen Weltweit relativ einzigartig und wir haben es besucht. Es sind dort eine ganze Reihe seltener und teilweise sehr spezieller Instrumente ausgestellt. Das ist an sich schon interessant aber noch viel spannender ist, dass während der Führung davon auch diverse zum Einsatz kommen und gespielt werden.

Ansonsten gibt es noch Magic Ice und das Museum als Ausflüge. Im Gegensatz zur Tour 2018 war das Museum 2014 noch inkludiert. Dafür war es allerdings extrem voll. Magic Ice haben wir bei dieser Tour verpasst, da wir beim Anlegen auf der Gegenüberliegenden Seite des Speisesaals gesessen haben. Unser Reiseleiter auf der Tour hat gefühlte 75% in die falsche Richtung geschickt. Das ist direkt neben der Anlegestelle und wenn man auf der Anlegeseite ist, kann man es auch nicht übersehen. Allerdings muss man dann durch das Gebäude durch und dann sieht man es nicht mehr, wenn man nicht weiß wo es ist oder dort ein Schild steht (bei uns stand kein Schild da).

RIB Boot Safari

Wintertour oder Frühjahrserwachen?

Wer an den Ausflügen Interesse hat, die wir bei diese Tour verpasst haben, sollte sich meinen zweiten Reisebericht zur Wintertour anschauen.

RIB Boot Safari

Im Gegensatz zur Tour 2018 (08.03-17.03), war die Tour 2014 nur etwa 1,5 Monate später (24.04-04.05) aber diese anderthalb Monate haben dramatische Auswirkungen auf Temperatur, Tageslicht und darauf, ob man das Nordlicht sieht oder eben nicht.

RIB Boot Safari

Wenn man (gute) Chancen auf das Nordlicht haben will, dann schließt das diverse Ausflüge und Erlebnisse aus, die es im Winter nicht gibt. Als Beispiel sei der Ausfug Malerische Atlantikstraße oder ein Besuch im Trollfjord genannt.

Unser Ziel bei der ersten Tour war das beste aus Winter und Frühling mitzunehmen und wir haben uns die Zeit so ausgesucht, dass wir einige Ausflüge aus dem Frühling und einige aus dem Winter dabei hatten (Schneehotel, Schneemobil, Schlittenhundefahrt).

Die Trollfjord im Trollfjord

Die Idee ist nur begrenzt aufgegangen, weil das Schneehotel kurz bevor wir dort waren für die Saison geschlossen wurde. Ab einem bestimmten Grad der Schneeschmelze macht es  keinen Sinn mehr, das Hotel offen zu halten bzw. ist dann auch zu gefährlich. Bei den Schlittenhunden hatten wir so gerade noch Glück und die Schneemobilfahrt hat auch nicht stattgefunden (bzw. die gebuchte ist ausgefallen und die alternative war zu weit im Süden und somit ohne genügend Schnee). Das Nordlicht war auch mangels Dunkelheit auf der ganzen Tour nicht zu sehen

Zu Besuch bei den Hukys

Dafür haben wir alle Frühlingsaktivitäten mitgenommen.

Und sonst?

Im Gegensatz zur zweiten Tour habe ich sehr viel mehr Zeit draußen verbracht (ich war fast immer vorne auf dem Schiff). Das hat mit Sicherheit zum Teil an den bereits deutlich angenehmeren Temperaturen gelegen. Zum Teil vielleicht auch daran, dass ich bei der zweiten Tour nicht mehr das Gefühl hatte, dass ich jede Minute aufsaugen muss, weil ich die Landschaft  schon gesehen hatte.

Unterwegs mit den Huskys

Selbst wenn man die Landschaft schon kennt, ändert sich das Wetter auf der Tour aber teilweise auch sehr schnell. Somit kann eine bereits bekannte Passage trotzdem einen ganz neuen Reiz entwickeln.

Es wird zwar immer seltener, dass Fracht mit der Hurtigrute verschickt wird aber die Hurtigrute ist eben kein Kreuzfahrtschiff

Zum Essen und zu den Essensabläufen habe ich mich in meinem zweiten Bericht schon ausgelassen, somit werde ich dazu hier nichts schreiben. Auch auf die organisatorischen Abläufe wie Einschiffung, an und Ablegen usw. war ich im ersten Bericht zur zweiten Tour bereits eingegangen.

Das Nordkapp

Unsere Kabine auf der Trollfjord lag auf der Ebene des Rundgangs. Das ist zwar insofern etwas lästig, da regelmäßig Leute vor der Kabine vorbei laufen (unsere Kabine war im Vorderen bereich des Schiffes aber zur Steuerbordseite. Somit Stand niemand vor unserem Fenster. Tagsüber kann man auch fast nicht von draußen rein schauen. Sobald man innen Licht anmacht, heißt es aber Vorhang zu oder Laufsteg. 😉

Der Vorteil ist aber, dass man sehr schnell draußen ist, wenn etwas zu sehen ist oder eine Durchsage kommt. Das ist bei Hurtigruten immer wichtig. Egal, ob man das Nordlicht sucht, im Frühjahr unterwegs ist, wie bei dieser Tour oder einen Ausflug in die Antarktis wagt.

Fliegen organisiert von Hurtigruten? Nein, danke.

Ein besonderes Negativevent auf dieser Tour hat die Abreise dargestellt. 2014 gab es German Wings (leider) noch. Die Gäste wurden alle relativ früh vom Schiff abgeholt (primär wohl, damit man das Schiff schnell für die nächsten Gäste fertigmachen kann). Am Flughafen standen dann mehrere hudert Gäste vor einem – mit einer Person – besetzen Check in Schalter.

An der russischen Grenze

Dann wurde gedrängelt was das Zeug hielt, egal wie alt, egal wie Gesund oder Klapprig. Sobald die Leute das Schiff verlassen hatten, wo sie sich ohne Probleme ohne Gehhilfen und Rollstuhl bewegen konnten, waren plötzlich alle behindert und konnten ihre eigenen Koffer nicht tragen. Das hat an Flughäfen den Vorteil, dass man sich gemütlich an den Schlangen vorbeischummeln kann.

Zu Beginn standen wir jedenfalls irgendwo in der Mitte der Schlange. Gegen Ende waren wir dann so ziemlich die letzten die am Schalter angekommen sind. Ist schon erstaunlich wie schnell plötzliche Behinderungen um sich gegriffen haben.

Irgendwann hat Geman Wings dann noch realisiert, dass es wohl helfen könnte kurz vor Abflug noch jemand zweiten an den Schalter zu stellen.

Ein Higlight war dann noch eine Rentnergruppe, die erst meinte sich arg dreist vordrängeln zu müssen (dafür waren sie wohl fit genug) und dann nicht in der Lage war die Koffer aus Band zu stellen, weil der ja zu schwer ist. Am besten war dann nach der Vordrängelaktion der Kommentar: Stellen Sie mir den Koffer auf das Band, sonst dauert es noch länger, bis sie in den Flieger kommen.

Ganz schlechte Idee!

Seeadler Safari

Die konnte auf jeden Fall froh sein, dass mein Cousin ihr den Koffer auf das Band gestellt hat. Von mir hätte sie den eher woanders hin bekommen aber nicht aufs Band. 😉

Mit etwa 20 Minuten Verspätung hat der Flieger dann abgehoben. Ich bin niemals vorher und bisher auch niemals nachher so gestresst aus einem Urlaub abgereist.

Stockfisch

Auf den zwei Folgetouren mit Hurtigruten waren die Flüge übrigens nicht wesentlich besser. Ich kann also nur abraten von den inkludierten Flügen, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Gemessen am Preis ist das teilweise eine Zumutung was Hurtigruten sich leistet.

Fazit:

Abseits von einigen Ausflugsausfällen, die teilweise dem Wetter und teilweise anderen Umständen geschuldet waren war es eine tolle Tour. Die Tour hatte mehr vom Frühling als vom Winter und jede Jahreszeit hat auf der Hurtigrute ihre eigene Faszination.

Malerische Atlantikstraße

Die Preise sind bei Hurtigruten recht gesalzen aber das ist an anderen Orten auch nicht besser.

Ich bin ein Paar Jahre später erneut mit der Hurtigrute unterwegs gewesen auf einer Wintertour mit Polarlicht. Zusätzlich war ich mit Hurtigruten in der Antarktis.

Zu weiteren Reisebeiträgen geht es hier.

3. Lesequartal 2019

Auch etwas verspätet aber hey, weit schneller als das 2. Quartal.

Kurz zu meinen Wertungen:

>= 4 Sterne – sehr gute Bücher und auch mehrfach lesenswert

3 oder 3,5 Interessant zu lesen aber mir reicht es die Bücher einmal gelesen zu haben.

Meine Highlights in absteigender Reihenfolge:


Dark Elements Glühende Gefühle – Jennifer L. Armentrout

Vierter und meiner Meinung nach bisher bester Teil aus der Dark Elements Reihe. Mit diesem Buch bleibt Armentrout zwar in der Welt, die sie in den ersten drei Büchern eingeführt hat, führt aber neue Charaktere ein. Ich empfehle aber die drei vorherigen Bände vorher zu lesen, weil man in diesem Band “alte” Bekannte trifft und das Lesen gleich mehr Spaß macht.

4.5 out of 5 stars 4,5/5


 

Zwei nach Shanghai – Paul Hoepner, Hansen Hoepner

Zwei nach Shanghai - Paul Hoepner, Hansen Hoepner

Das Buch handelt von den Erlebnissen zweier Brüder, die mit dem Rad von Deutschland nach Shanghai fahren und dabei eine ganze menge Abenteuer erleben.

4 out of 5 stars 4/5


Throne of Glass – Sarah J. Maas

Throne of Glass Die Erwählte - Sarah J. Maas Throne of Glass Kriegerin im Schatten - Sarah J. Maas Throne of Glass Erbin des Feuers - Sarah J. Maas Throne of Glass Königin der Finsternis - Sarah J. Maas Throne of Glass Die Sturmbezwingerin - Sarah J. Maas Throne of Glass Der verwundete Krieger - Sarah J. Maas Throne of Glass Herrscherin über Asche und Zorn - Sarah J. Maas

Serie um eine Assassine, die aus der Hölle gerettet und anschließend in diverse Abenteuer verstrickt wird, die einen ganz wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Fantasywelt haben. Die Serie steigert sich über die Bücher. Teil 5 und 7 sind genial. Die anderen könnten manchmal etwas mehr Schwung vertragen.

4 out of 5 stars 4/5


1001 Dark Knights The King – Jennifer L. Armentrout

1001 Dark Knights The King - Jennifer L. Armentrout

Ich fand den ersten Teil der Serie spannender. In diesem Teil passiert relativ wenig. Das Buch fühlt sich eher wie das Bindeglied zum Finale an. Insofern bin ich gespannt auf den letzten Teil.

3.5 out of 5 stars 3,5/5


 

Zwei nach Shanghai [Buch]

Zwei nach Shanghai - Paul Hoepner, Hansen Hoepner

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

Paul Hoepner, Hansen Hoepner

Titel:

  • Zwei nach Shanghai – 13600 Kilometer mit dem Fahrrad von Deutschland nach China (273 Seiten)

Gelesenes Format:

eBook

Rezension und Inhalt:

Hansen muss so gut wie überhaupt nicht geschlafen haben, stattdessen bekam ich nachmittags eine ziemlich ausführliche E-Mail, in der er eine etwa 13000 Kilometer lange Route in 150 Etappen eingeteilt hatte. Spätestens da wusste ich: Mein Bruder meinte es bitterernst.

Paul und Hansen sind Zwillingsbrüder und entschließen sich mit dem Fahrrad nach Shanghai zu fahren.

Das Buch beginnt direkt mit einer Gefahrensituation. Nachdem ich nun selbst auf dem Pacific Crest Trail unterwegs war, kann ich das etwas besser nachvollziehen.

Im stillen Kämmerlein liest (trocken, warm, sicher) sich die Situation weit witziger / angenehmer, als sie in der Realität war. Das lässt sich einem Leser oder Zuhörer nur schwer vermitteln. Solche Situationen ergeben sich aber zwangsläufig auf einer Derartigen Reise.

Als sie uns fragen, woher wir kommen und wohin wir wollen, und wir wahrheitsgemäß antworten, dass wir auf dem Weg nach China sind, schauen sie uns halb belustigt, halb fassungslos an. »Die sind doch bekloppt«, ruft der eine dem anderen zu, das kann ich verstehen, auch wenn ich kein Wort Lettisch spreche.

Die Zwillingsbrüder sind vom Typ her sehr verschieden (bisher, dachte ich immer, dass das Gegenteil der Fall ist), sind sich aber trotzdem sehr nah aber es fliegen auch oft genug die Fetzen. Das Buch ist abwechselnd von beiden Perspektiven geschrieben.

Das Buch pickt sich diverse Situationen aus der Vorbereitung und der Reise heraus und lässt aber auch größere Teile aus. Insgesamt hatte ich aber das Gefühl einen ganz guten Überblick zu bekommen. Das Buch gibt realistisch wieder, dass eine derartige Tour einerseits ein Traum aber eben auch oft beinhart ist.

Die Reise beginnt in Deutschland und geht über Polen, Litauen, Lettland, Russland, Kasachstan, Kirgisistan nach China.

Es gibt die Aussteiger, dazu würde ich auch Nils zählen, es gibt die Leute, die ganz besonders von ihrem Fahrzeug begeistert sind und es an seine Grenzen bringen möchten, wie André, es gibt die Sinnsuchenden, wie Gilles und Lucie, es gibt die Extremsportler, die Abenteurer, die Kulturinteressierten und diejenigen, die für eine Zeit den Kopf freibekommen möchten.

Wie heißt es so schön? Wenn einer eine reise tut, dann kann er was erzählen. Bei den beiden ist auch einiges an Glück dabei. Von versehentlichen fast Grenzübertritten bis zum Entkommen von gewaltbereiten und betrunkenen Verfolgern ist alles dabei.

Man sieht auch, dass so eine Reise – die auf Bildern und vor dem geistigen Auge ganz toll aussieht, eben nicht nur toll ist und man irgendwann einfach die Nase voll hat. Das kenne ich so auch von meiner PCT Tour.

Wie so oft in derartigen Reiseberichten menschelt es sehr. Manchmal hilft es einfach mit den Leuten zu reden und Probleme lassen sich aus der Welt schaffen. Ob es verlorene Pässe oder andere Dinge sind, auch wenn es eigentlich nicht gehen sollte.

Fazit:

Paul strampelt wütend neben mir her und senkt den Kopf wie ein angriffslustiger angriffslustiger Stier: »Verdammt, ich hab einfach die Schnauze voll von dem Ganzen. Fahren, essen, schlafen, fahren, schwitzen, und immer die gleichen doofen Fragen.

Sehr interessante Reiselektüre und absolut empfehlenswert auch wenn eine derartige Reise sicherlich nicht jedermanns Sache ist.

Bewertung:

4 out of 5 stars 4/5

Vergleichbare Bücher / Serien:

Verwandte Bücher / Serien:

  • Zwei um die Welt in 80 Tagen ohne Geld
Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

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4. Lesequartal 2018

Ja, ich weiß wir haben schon 2019. Aber so lang ist es ja noch nicht her, dass 2018 zu Ende gegangen ist.

Kurz zu meinen Wertungen:

>= 4 Sterne – sehr gute Bücher und auch mehrfach lesenswert

3 oder 3,5 Interessant zu lesen aber mir reicht es die Bücher einmal gelesen zu haben.

Meine Highlights in absteigender Reihenfolge:

Take a Thru-Hike : Dixie’s How-To Guide for Hiking the Appalachian Trail – Jessica Mills

Take a Thru Hike - Jessica Mills

Thru Hike Guide, der nicht nur für den Appalachian Trail gilt. Der Guide ist sehr detailliert und behandelt auch die nicht so populären Themen. Absolut empfehlenswert als Guide – ein Unterhaltungsbuch ist das eher nicht!

5 out of 5 stars 5/5


Wicked – Jennifer L. Armentrout

Wicked Eine Liebe zwischen Licht und Dunkelheit 1 Wicked - Jennifer Armentrout  Wicked Eine Liebe zwischen Licht und Dunkelheit 2 Thorn - Jennifer Armentrout  Wicked Eine Liebe zwischen Licht und Dunkelheit 3 Brave - Jennifer Armentrout

Ein typisches Armentrout-Werk um eine Welt, die neben unserer Welt existiert. Böse Fae aus der Anderwelt versuchen unsere Welt zu versklaven und der Orden stellt sich dagegen. Oder ist der Orden nicht so gut, wie er scheint? Starke Emotionen garantiert.

4.5 out of 5 stars 4,5/5


Secret Elements – Johanna Danninger

Scret Darkness Im Spiegek der Schatten - Johanna Danninger    Secret Elements 1 Im Dunkel der See - Johanna Danninger  Secret Elements 2 Im Bann der Erde - Johanna Danninger  Secret Elements 3 Im Auge des Orkans - Johanna Danninger  Secret Elements 4 Im Spiel der Flammen - Johanna Danninger

Die Serie ist mal “was anderes” trifft es ganz gut. Die Geschichte bewegt sich irgendwo zwischen Die Unglaublichen, Men in Black und James Bond. Das Genre ist irgendwo zwischen Science Fiction, Fantasy und Realwelt angesiedelt und die Charaktere sind frisch und Abwechslungsreich. Jay hat keine schöne Vergangenheit gehabt aber genau das hat sie zu dem gemacht was sie ist. Jay ist ein Dickkopf und wahrlich nicht auf den Mund gefallen. Wer sich auf ein absolut phantastisches Abenteuer mit Special Forces / Agenten einlassen will, ist hier genau richtig.

4.5 out of 5 stars 4,5/5


Dignity Rising – Hedy Loewe

Dignity Rising Gefesselte Seelen - Hedy Loewe  Dignity Rising Schwarze Prophezeiung - Hedy Loewe  Dignity Rising Geteilter Schmerz - Hedy Loewe  Dignity Rising Leuchtende Rache - Hedy Loewe 

Science Fiction Dystopie, die einen sofort in die Geschichte schmeißt und von Beginn an Spannend ist. Der Plot weicht positiv vom Einheitsbild ab. Tolle Serie um Telephaten, die Gedanken verändern und sogar töten können und ein diktatorisches Regime.

4.5 out of 5 stars 4,5/5


Revenge Sternensturm – Jennifer L. Armentrout

Revenge Sternenstunden - Jennifer L. Armentrout

Spinn off der Lux Serie, dass sich mit Lucs Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beschäftigt. Das Luc eine eigene Serie verdient, war schon in der Hauptserie klar. Ich hoffe es gibt noch Folgeteile und das dort auch Archer und Dee mehr in den Fokus rücken.

4.5 out of 5 stars 4,5/5


Good Bye Lehmann – Auf der Suche nach dem guten Leben – Stefan Fay

Good Bye Lehmann Auf der Suche nach dem guten Leben - Stefan Fay

Reisereportage übe reine 2 Jährige Weltreise, die auch reflektiert und in Frage stellt was glücklich macht. Es wird auch auf das Thema Arbeit eingegangen. Muss der Job glücklich machen oder ist die Erwartungshaltung falsch

4.5 out of 5 stars 4,5/5


The Last Englischman – A Thru-Hiking Adventure on the Pacific Crest Trail – Keith Foskett

The last Englishman - Keith Foskett

Recht unterhaltsamer Reisebericht über einen Thru-Hike des Pacific Crest Trail

4 out of 5 stars 4/5


Im Land der Kangaroos – Miriam Traut

Im Land der Kangaroos - Miriam Traut

Nachdem Miriam ihr Au-pair Jahr in den USA beendet hat, zieht es sie schon wieder in die Ferne. Dieses Mal soll es Australien sein. Wie auch schon der erste Teil sehr locker geschrieben und es gibt die Lebensfreude der Autorin wieder.

4 out of 5 stars 4/5


Constellation 1 – Gegen Alle Sterne – Claudia Gray

Constellation Gegen alle Sterne - Claudia Gray  Constellation In ferne Welten - Claudia Gray  

Serie um eine Dystopische Zukunft, in der die Erde mit anderen Planeten kämpft und die Ressourcen fast ausgebeutet sind. Die Erde ist ein sterbender Planet und knechtet andere Planeten. In diesem Kampf treffen zwei Feinde aufeinander (Mensch und Mech), die unterschiedlicher nicht sein könnten. Trotzdem folgen sie nicht den üblichen Mustern und erleben ein großartiges Abenteuer.

3.5 out of 5 stars 3,5/5 (Die Serie nicht beendet, somit stellt dies ein Zwischenfazit dar)


Nebelsphäre Lübeck – Der Zorn des Phönix – Johanna Benden

Nebelsphäre Kiel Der Zorn des Phönix - Johanna Benden

Furioses Finale der Nebelsphäre Lübeck Reihe, das mich aber leider nicht so richtig abgeholt hat. Mir hat die Nebelsphäre Kiel Reihe in Summe etwas besser gefallen und aus der Lübeck Reihe die ersten beiden Bücher.

3.5 out of 5 stars 3.5/5


Picknick mit Bären – Bill Bryson

Bill Bryson - Picknick mit Bären

Buch über eine Mischung von Roadtrip entlang und Wanderung von Teilen des Appalachian Trail

3 out of 5 stars 3/5

 

The Last Englishmen: A Thru-Hiking Adventure on the Pacific Crest Trail [Buch]

The last Englishman - Keith Foskett

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

Keith Foskett

Titel:

The Last Englischman – A Thru-Hiking Adventure on the Pacific Crest Trail (353 Seiten)

Gelesenes Format:

eBook

Rezension und Inhalt:

I have a recurring dream in which I am 85 years old, sitting in my living room, swaying back and forth in a rocking chair, and studying the newspaper. I pause, look up and think of the adventures I could have experienced and say, “Shit, I should have done that.” That scenario will not happen in real life.

Keith Foskett entschließt sich den Pacific Crest Trail (kurz PCT) zu wandern. Knappe 4300km quer durch die USA von der mexikanischen Grenze bis nach Kanada.

Er hat vorher bereits den Jakobsweg (oder auch Camino) gewandert.

Erinnert ihr euch noch an den unaussprechlichen Vulkan (Eyjafjallajökull), der 2010 weite Teile des Flugverkehrs lahmgelegt hat? Genau damit beginnt Keiths Reise. Er verpasst fast den Einstieg in den Trail, weil sein Flug storniert wird. Über Umwege quer durch Europa gelangt er in die USA.

It’s an old adage but one of my favourites: It’s better to have tried and failed than never to have tried at all. I admire everyone who commits to an adventure and those that don’t make it.

Wie bei allen Reiseberichten des PCT gibt es auch in diesem viele Höhen (Begegnungen auf dem Trail oder die Landschaft) und auch einige Tiefen (auch Begegnungen aber eher wenige und das Wetter, oder wenn einfach mal nicht klappt).

Ich habe nun bereits ein paar Bücher über Trailerfahrungen und Abenteuer gelesen. Dieses Buch stellt eine Mischung zwischen Tipps (die stehen nicht so stark im Vordergrund, es wird z.B. auf verschiedene Themen wie Bärenkanister, Essen usw. eingegangen) und einem Bericht über die Erlebnisse auf dem Trail dar.

You couldn’t reason with Upchuck; he did his own thing regardless. He could have arrived minus a leg, an eyeball hanging out, a branch through his chest and a case of diarrhoea but he’d still have drunk a can or two and turned in.

Ich finde das Buch recht unterhaltsam. Während sich einige Bücher eher nur für Leute eignen, die den Trail wirklich selbst wandern wollen oder das zumindest erwägen, finde ich bei diesem Buch ist der Kompromiss zwischen interessiertem Leser und Thru-Hike Anwärtern recht gut gelungen.

Auch dieser Hike – wie schon einige andere von denen ich gelesen habe – ist kein durchgängiger Thru-Hike, weil Keith anfangs nicht so schnell unterwegs ist, wie es erforderlich ist, um dem Winter im Norden zu entkommen muss er also Flip-Floppen. Flip-Flop bedeutet im Kontext PCT Hike, dass man den Trail nicht an einem Stück Süd Nord (NOBO für north bound) oder andersrum (SOBO) läuft, sondern Sektionen überspringt, um sie dann später nachzuholen. Aufgrund der Wetterlage läuft er auch knapp 10% des Trails auf einer Straße.

I found things in the woods that I didn’t know I was looking for, and now I’ll never be the same. Jennifer Pharr Davis, 2011 record holder for the fastest ever thru-hike of the Appalachian Trail

Aufgrund von Sperrungen wegen Feuern gibt es aber praktisch nie die Möglichkeit den Trail komplett zu wandern. Die Wegführung ändert sich auch immer wieder etwas. Insofern kann man auch wegen der unterschiedlichen Voraussetzungen (Wetter, Feuer) zwei Hikes nur sehr begrenzt miteinander vergleichen.

Ohne zu viel zu verraten wird Keith zum Verhängnis, dass er weite Teile des Trails recht relaxed angegangen ist und das rächt sich später. Das Ende hat also durchaus etwas Dramatik.

Though material pleasures provide a sense of achievement, the feeling is only temporary. Two weeks after buying a car, it is just a car. That bright, shiny new cell phone is exciting for a few days until the next model is released.

Im Nachgang zum PCT hat er auch den Appalachian Trail gewandert. Dazu hat er auch ein Buch geschrieben.

Das Buch beinhaltet einige interessante Post-Trail Überlegungen und Erlebnisse nicht nur vom Autor, sondern auch von seinen Weggefährten entlang des Trails. Ein Thru-Hike ändert die Sicht auf die Welt. Auch man selbst ändert sich mehr oder weniger etwas.

Die meisten Thru-Hiker kommen am Ende zum Ergebnis, dass sie die Zeit nicht missen wollen. Anderseits sagen aber auch viele, dass der Thru-Hike im positiven Sinn ihr Leben zerstört hat.

Fazit:

We seem to be brainwashed into thinking there’s an acceptable way of living, and anyone who moves off that path or makes their own choices against the grain is not normal. Few like straying from convention.

Ein gute Mischung aus Reisebericht und einigen Tipps rund um das Thru-Hiken. Die Inhalte lassen sich weitgehend auch auf andere Trails übertragen. Das Buch ist also nur bedingt PCT spezifisch.

Wenn jemand in das Thru-Hiken reinschnuppern möchte, ohne selbst ein derartiges Abenteuer in Erwägung zu ziehen (das wird wohl für die meisten zutreffen), ist er oder sie bei diesem Buch gut aufgehoben. Selbst von den Leuten, die den Schritt den Versuch Thru-Hike starten, kommen nur 20% an.

It’s more than just hiking. There’s a whole culture that goes along with the people. You know how you want the world to be? It’s like that on the Pacific Crest Trail. Everyone helps each other. Monty ‘Warner Springs Monty’ Tam

Für die Abbrüche gibt es diverse Gründe von zu wenig Geld, über Verletzungen, familiären Notfällen bis zu falschen Erwartungen ist alles dabei.

Bewertung:

4 out of 5 stars 4/5

Vergleichbare Bücher / Serien:

Verwandte Bücher / Serien:

  • Balancing on Blue
  • The Journey in between
Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

  • Wenn man sich so die Post Trail Erfahrungen und die Post Trail Depression anschaut, dann kommt man sich in ein wenig vor wie im Film Matrix? Willst du die Pille nehmen? Nichts wird danach mehr so sein wie es war. Oder um es präzise zu zitieren: “Das ist deine letzte Chance. Danach gibt es kein zurück. Nimm die blaue Pille — die Geschichte endet, du wachst in deinem Bett auf und glaubst was du auch immer glauben willst. Nimm die rote Pille — du bleibst hier im Wunderland und ich werde dir zeigen wie tief das Kaninchenloch reicht.”

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