Mit wenig Geld um die Welt: Weltreisen mit nur 30 Euro am Tag [Buch]

Mit wenig Geld um die Welt Weltreisen mit nur 30 Euro am Tag - Florian Blümm

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

Florian Blümm

Titel:

  • Mit wenig Geld um die Welt Weltreisen mit nur 30 Euro am Tag (229 Seiten)

Gelesenes Format:

eBook

Rezension und Inhalt:

In acht Reisejahren, die ich zuerst allein unterwegs gewesen bin, dann zu zweit mit meiner Freundin, habe ich gerade mal 8212 Euro pro Jahr ausgegeben. Das sind 22,50 Euro pro Tag – darin enthalten alle Flüge, Unterkünfte, Mahlzeiten, Versicherungen und alles, was man sonst so im Alltag braucht.

Der Name ist Programm, in dem Buch geht es nicht um Unterhaltung oder Reiseberichte, sondern um alle Themen, die es bzgl. Reisen oder Weltreisen zu bedenken gibt.

Anfangs gibt es einige Allgemeinplätze zu hören: Senke die Kosten, erhöhe die Einnahmen. Wenig überraschend, dass das hilft schneller an Geld zu kommen, oder?

Anschließend wird das Thema Work & Travel abgehandelt. Das ist für Leser bis maximal 35 relevant.

Dann werden die Tipps aber spezieller: Was ist im Kontext Arbeitslosengeld zu beachten usw.

Stell dir vor, du wachst eines Morgens auf und kannst völlig frei entscheiden, was du heute machen willst. Und am nächsten Tag passiert das Gleiche wieder und danach wieder.

Nützliche Tipps und selbstverständliche Dinge – auf die jeder nach ein paar Sekunden nachdenken selber kommt, wechseln sich ab. Man muss wohl kaum einem Selbstständigen erzählen, dass er seinen Stamm(-kunden) kommunizieren sollte, dass er z.B. ein halbes Jahr weg ist und das die Stammkunden sich dann vielleicht umorientieren.

Weitere Aspekte sind Wohnung, Miete, Alleinreisen, Reisen mit Partner, Günstige Reiseländer, wie lange dauert eine Weltreise, einfache Reiseziele, Highlights, Flugstrategien und Flüge, wie man Kosten spart, Tipps zu Ländern und Regionen (unvollständig), Vorbereitung (Dokumente, Kreditkarten, Wohnsitz, Versicherung usw.).

Ein Flugzeug ist ein magisches Transportmittel, das dich in wenigen Stunden an weit entfernte Orte bringt. Der Service während dieser paar Stunden ist völlig egal. Nach der Landung bekommst du viel mehr Service für das gleiche Geld.

Den Flugteil fand ich nur bedingt hilfreich. Ja, man weiß danach was für Flugtypen es gibt aber wie genau es im Detail funktioniert eher nicht. Bei Roundtrips wird erwähnt, dass man zwischendurch mal nach hause kann . Das ist naheliegend, wenn man zwei mal vom selben Ort startet. Andererseits sind günstige Flüge oft an Fixdaten gebunden. Es wird aber auch erwähnt, dass man sich möglichst wenig binden soll bei einer Weltreise, um Termindruck zu vermeiden.

Wie das zusammen passen soll, ist mir zumindest nicht klar geworden. Zumal man dann sogar an den selben Ort zurück muss. Das heißt man startet in Frankfurt und fährt in ein Land in Asien. Dann bereist man Asien und muss am Ende zurück in das Land, um den Rückflug wahrnehmen zu können.

Deine Verantwortung auf Reisen ist groß, denn deine Kaufkraft ist viel höher als die der lokalen Bevölkerung. Du kommst aus einem der reichsten Länder der Welt. Mit jedem Euro, den du ausgibst, stimmst du ab.

Das dürfte kaum die Einsparungen aufwiegen, die man beim Flug ggf. gemacht hat. Ich habe ja schon einige Reisen gemacht. Aber derart günstige Langstreckenflüge sind mir bisher in den Suchmaschinen noch nicht begegnet. Einige Fluggesellschaften finden sich aber offenbar überhaupt nicht oder nur in speziellen Suchmaschinen.

Auf Dinge wie “du kannst Weiterflugtickets auch mieten” (die werden teilweise für Visa verlangt, muss man allerdings erst mal kommen). Ob man sich dann aber ein Eigentor schießt, sieht man wohl erst in der Praxis. Doof sind die Grenzbeamten sicher nicht. Die Anzahl der Anbieter ist scheinbar überschaubar und somit wäre es wohl ein Leichtes derartige Miettickets zu identifizieren, wenn man vom Ticket Rückschlüsse auf den Anbieter ziehen kann.

Aber eine Weltreise ist kein langer Urlaub. Ja, du siehst viele schöne Orte und hast meist schönes Wetter. Aber immer nur Sehenswürdigkeiten abzuhaken, das wird schnell langweilig. Selbst Cocktails am Strand zu schlürfen ist nur dann erfüllend, wenn danach der Alltag wartet.

Das Buch beschäftigt sich überhaupt nicht mit der Reiseart eigenes Fahrzeug. Das Fahrzeug kann auch als Unterbringung dienen.

Die 30€ sind eher ein Richtwert. Es wird jedem klar sein, dass man das in den USA z.B. vergessen kann, wenn man keine kostenlos Unterkunft hat (z.B. Couchsurfing). Da der Autor aber auch konkret mit Zahlen aus seinen Reisen beleg wie / wo er übernachtet hat, bekommt man ein Gefühl für das benötige Verhältnis.

Fazit:

Aus meiner Sicht ist das Buch hilfreich, wenn man sich mit dem Thema Weltreisen beschäftigt. Es vereinfacht die Suche, gibt einige Anlaufstellen und Tipps, sensibilisiert für Themen, die man nicht auf dem Schirm hatte oder bringt einen auf neue Ideen.

Fällt dir sofort jemand ein, mit dem man Pferde stehlen könnte? Wenn nicht, reise besser allein. Ein Reisepartner ist bei einer normalen Weltreise nicht nötig. … Aber auch Reisepartner haben Vorteile. … Du musst nicht jedes Mal all deine Sachen auf die Toilette mitnehmen, weil dein Partner auf euer Gepäck aufpasst.

Da ich aktuell kurzfristig keine Weltreise plane, werde ich die Links jeweils bei Bedarf prüfen. Von allgemeinen Themen, die sich jedem selbst erschließen bis zu Tipps, die nur erfahrende Reisende kennen, ist alles dabei.

Das Buch basiert auf den Erfahrungen des Autors. Daher kann er nur zu den Ländern etwas schreiben, die er bereits bereist hat. Afrika gehört basierend auf den Karten nur sehr bedingt dazu. Selbst die USA bestehen als teures Reiseland nur aus dem “Südwesten”. D.h. in dem auf die Länder zugeschnittenen Teil schwächelt das Buch meiner Meinung nach deutlich.

Der Unterhaltungswert geht gegen 0, weil das Buch ein Ratgeber ist. Man muss sich für das Thema Reisen / die Welt bereisen interessieren. Das grenzt sich aber ganz klar vom klassischen Urlaub ab. Ein paar Tipps in dem Buch helfen auch bei einer kurzfristigen Reise aber bei einer Weltreise hat man in der Regel viel mehr Zeit aber dafür ein engeres Budget. Somit unterscheiden sich dei beiden Reisearten deutlich.

Umfassend informiert im Kontext Weltreisen habe ich mich nach der Lektüre nicht gefühlt. Man sollte das Buch wohl eher als Ideen und Impulsgeber ansehen.

Bewertung:

4 out of 5 stars 4/5

Vergleichbare Bücher / Serien:

Verwandte Bücher / Serien:

Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

  • Manche Tipps finde ich zweifelhaft. In einer Stadt sollte man “erst mal in den Gassen verloren gehen”. Ungeachtet des Landes gibt es in vielen Städten Bereiche, in denen man eher nicht verloren gehen möchte. Einfach unbedarft losziehen kann funktionieren, kann aber auch ins Auge gehen. Nach den Beschreibungen von anderen Weltreisenden sollte man gerade in Städten in manchen Regionen der Welt deutliche Vorsicht an den Tag legen.
  • Wieso soll in den USA nur die Region von Kalifornien bis New Mexiko eine Reise wert sein?!
  • Das man Krankenversicherung in Deutschland bezahlen muss, wenn man nicht mal in Deutschland ist, hätte ich auch nicht vermutet (der Wohnsitz reicht). Wieder was gelernt. Mal wieder sinnlose Bürokratie, die auch noch teuer ist.
  • Eine Haftpflichtversicherung hätte ich im Ausland nicht auf dem Schirm gehabt, aber macht schon Sinn, wenn man mal darüber nachdenkt.
  • Man könnte meinen, dass Weltreisende zwangsweise Alkoholiker sind. Zumindest wird in jedem beschriebenen Land explizit erwähnt wie teuer Alkohol ist bzw. ob er überhaupt zu bekommen ist.

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Die geilste Lücke im Lebenslauf: 6 Jahre Weltreisen [Buch]

Die geilste Lücke im Lebenslauf 6 Jahre Weltreisen - Nick Martin

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

Nick Martin

Titel:

  • Die Geilste Lücke im Lebenslauf: 6 Jahre Weltreisen (288 Seiten)

Gelesenes Format:

eBook

Rezension und Inhalt:

Vor einem Tag hatte mich noch der graue Himmel in Deutschland angegammelt, jetzt saß ich hier in kurzer Hose und Hoodie neben diesen krassen Menschen am anderen Ende der Welt.

Das Buch fängt an, wie einige andere Bücher aus dem Reisegenre auch. Scheinbar muss es anfangs immer dramatisch sein. Es müssen offenbar anfangs lebensbedrohliche Situationen geschildert werden. Insofern fühlte ich mich direkt an zwei nach Shanghai erinnert oder auch an Mit 50 Euro um die Welt.

Die Botschaft: Wenn man eine Reise macht, dann kann man was erleben und dramatisch muss es offenbar auch sein, damit das Buch sich auch absetzt.

Es war jedes Mal unglaublich schön, wenn wildfremde Menschen mir anboten, zu teilen. Nicht weil sie es mussten oder sich verpflichtet fühlten, sondern einfach, weil sie es wollten.

Die wenigsten Menschen ziehen dann aber wirklich los. Die meisten trauen sich nicht aus dem normalen Rahmen. Ein Lebenslauf ohne Lücken, eine reguläre Arbeit, vielleicht 30 Tage Urlaub im Jahr, wenn man in Deutschland lebt. Viele mögen nicht mal einen Urlaub, bei dem sie die Welt groß erkunden, sondern fahren an einen Ort, an einen Strand und in ein Hotel, wo sie einfach abschalten können. Sich über nichts Gedanken machen, keine Alltagstätigkeiten.

Das ist ok, jeder ist anders. Nick tickt aber nicht so.

Ich zog mein Handy aus der Tasche, schaltete es ein, und schon pingte Nachricht um Nachricht in meinen Posteingang. Fragen und Anweisungen von Arbeitskollegen, Termine … wie sehr hatte ich das vermisst. Nicht.

Oft setzt sich bei Leuten, die die Welt entdecken irgendwann die Erkenntnis durch, dass der 9-5 Job und 2 Tage frei in der Woche doch nicht alles sein kann. Manchmal kommen unbefriedigende Arbeitssituationen hinzu, die alles andere als motivierend sind. Bei Nick ist das schon ach viereinhalb Jahren im Arbeitsleben der Fall. Er hat sich knapp 10.000€ erspart und will damit die Welt erkunden.

Leider ist es so, dass man in dem Alter eigentlich am besten für derartige Reisen geeignet ist, weil man jung und belastbar ist und das Risikobewusstsein eher gering ist (das ist nicht immer gut aber hilft sicher, um die Welt auf diese Art zu erkunden), man ist offen für Neues und knüpft auch schnell Kontakt zu anderen, die das gleiche machen. In der Regel fehlt aber gerade in dem Alter das Geld.

»Nick, es war schön, dich als den Menschen, der du bist, kennengelernt zu haben. Wenn wir uns wiedersehen, wirst du ein anderer sein.«

Zumal man danach dann auch Schwierigkeiten haben wird wieder einen normalen Job zu bekommen. Also verschieben viele ihre Träume, bis sie irgendwann älter sind und zwar Geld aber nicht mehr die Gesundheit oder die Lust haben.

Die Motivation vom Autor ist die gleiche wie bei vielen anderen, die Lust haben die Welt zu erkunden. Neugierde. Lust auf Neues: Menschen, Kulturen, Landschaften und eben raus aus dem Hamsterrad zu kommen, in dem die meisten 40 oder 45 Jahre ihres Lebens verbringen und anschließend zurück schauen und sich fragen wo ihre Lebenszeit geblieben ist.

Wenn wir uns im Alltag bewegen, gibt es immer diese allgegenwärtige Grundsicherheit. Wir wissen, dass wir das nächste Mittagessen bekommen werden, dass zu Hause das WiFi funktioniert und dass Wasser aus der Leitung kommt, wenn wir den Hahn aufdrehen. Wir haben allein durch unsere Umgebung ein Sicherheitsgefühl, das uns so gut wie nie bewusst ist.

Man muss für diese Art des Reisens eine gewisse Naivität, Menschenkenntnis und auch ein gewisses Vertrauen haben. Es muss sich aber auch klar darüber sein, dass die Bücher von Leuten geschrieben werden, die ihre Reisen überstanden haben. Nicht immer läuft es so und nicht alle sind so erfolgreich. Nicht jeder Weltreise kann erfolgreiche Bücher schreiben.

Die Weltreise von Nick beginnt in Neuseeland und war also solche anfangs nicht geplant. Er begegnet dort mehreren Backpackern und seine Sehnsucht erwacht (DAS kann ich zu 100% nachvollziehen). Selbst danach braucht es dann noch eine Weile, bis er handelt.

Weitere Stationen sind Mexiko, USA, Kanada, Fidschi Inseln, Australien, Thailand, Kambodscha, Vietnam, Kuba, Guatemala, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica, Panama, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Philippinen, Indonesien, Myanmar. Er besucht noch viel mehr Orte, aber das sind die im Buch behandelten. Jedes Land bekommt eine mehr oder weniger ausführliche Geschichte. Primär geht es um seine Erlebnisse, oft lustiges oder Kurioses.

Man sollte immer auf sein Herz hören und einfach machen, was es einem rät. Kats Vater hatte ein gutes Leben. … Ein Teil seines Herzens jedoch hatte immer hinaus auf den Ozean gewollt. Viele Jahre hatte er das innere Rufen und Drängen ignoriert – und gerade als er beschlossen hatte, seinem Herzen zu folgen, blieb es stehen.

Eine seiner ersten Stationen ist es Spanisch in Mexiko zu lernen. Reisen ist also nicht nur Erholung. In dem Fall kostest es Geld, es ist kein Urlaub, man lernt aber auch etwas.

Bei seinen Reisen lernt Nick englisch, spanisch, segeln, motorradfahren, tauchen und surfen und wird Rettungsschwimmer. Bei den Jobs ist alles mögliche Dabei. Barkeeper, Restaurantmanager, Koch, Fabrikarbeiter …

Nick ist offensichtlich ein Multitalent, dass auch ein geborener Entertainer ist. Durch seine positive Lebenseinstellung steckt er andere an.

Sehr gut gelöst ist, dass viele Fotos im Buch sind und auch an den Stellen, wo sie passen und nicht am Ende des Buches, wie das sonst schon mal der Fall ist.

Wie viel im Leben kann ich selbst beeinflussen, und wie viel ist einfach Schicksal? Wer entscheidet darüber, welche Menschen ihr bestes Leben leben dürfen und welche sich einfach fügen müssen, ohne je mitbestimmen zu können?

Wenn ich etwas am Buch kritisieren soll, dann am ehesten, dass es sich überwiegend auf besondere Ereignisse bezieht. Mit der Harpune beschossen, ausgeraubt, betrogen, Nahrungsmittelvergiftung usw. – dadurch ist es sehr unterhaltsam. Aber wenn man fast nur von solchen Erlebnissen liest, ist es irgendwann auch genug. Manchmal geht ein wenig unter was das besondere an einem Land ist. Anderseits stellt sich natürlich auch die Frage, ob man das in einem derartigen Buch überhaupt vermitteln kann.

Ich bin mir sicher, dass es aus mehreren Jahren Weltreise noch viel mehr zu erzählen gäbe.

Es hat sich überhaupt nichts geändert. Nur fühlte ich mich trotzdem völlig fremd. Ich erkannte, dass das Problem nicht außerhalb von mir lag, sondern tief in mir drinnen.

Die Botschaft im Buch ist eher, dass man von einer Idee zu einem Lebensmotto kommen kann und daraus sogar ein tragbares Geschäftsmodell werden kann. Nick hat es geschafft. Er hat seinen Traum verwirklicht und lebt jetzt seinen Traum. Auch bei ihm ist nicht alles toll. Nur reisen, wäre wohl Kaum genug. Aber er trifft auch jemanden, der seine Leidenschaft teilt.

Fazit:

Ich erinnerte mich wieder daran, dass sich im Leben nur etwas änderte, wenn man selbst die Verantwortung übernahm.

Neue Erkenntnisse gab es für mich anfangs wenig: Das Mantra, dass die armen Menschen oft die herzlichsten sind, findet man in fast jedem Buch dieser Art. Später kommt aber einiges dazu.

Der Autor lässt aber tief in seine Gefühlswelt blicken. Das ist wahrlich nicht bei jedem Reisebuch der Fall. Viele wollen möglichst tough rüber kommen, Nick hat überhaupt kein Problem damit auch peinliche Elemente zu beschreiben. Das wirkt absolut ungeschönt. Ich hatte zwar des Öfteren den Eindruck, dass er seine Erlebnisse ausschmückt aber oft gibt es auch das passende Foto dazu.

Er stand morgens in aller Frühe auf, fuhr zwei Stunden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Praxis, arbeitete dann für zwölf Stunden, um dann wieder zwei Stunden nach Hause zu fahren. Und das alles für gerade mal 300 Dollar im Monat. Als Zahnarzt.

Der Schreibstil ist sehr locker und authentisch. Das Buch liest sich wirklich gut. Das liegt auch daran, dass der Autor ein Talent zum Entertainer hat.

Interessant ist das Thema Travel Depression behandelt wird (übrigens auch das Gegenteil davon – die vollständige Übersättigung) und auch, dass sich die meisten Menschen für derartige Reiseerlebnisse wenig bis überhaupt nicht interessieren (das kann sich so bestätigen, siehe auch Spoiler).

Eine wichtigste Erkenntnis ist aus meiner Sicht: Lebe deine Träume heute, wer weiß, ob du es morgen noch kannst (ok, das ist nicht wirklich neu, sollte man sich aber immer wieder klar machen – die meisten Menschen realisieren das leider erst, wenn es zu spät ist).

Ich wusste, was mich zu Hause erwartete. Niemand würde Loopings schlagen, weil ich eineinhalb Jahre gereist war. Keiner meiner Freunde würde jedes Detail meiner Abenteuer erfahren wollen. Jeder lebte sein eigenes Leben, und das Reisen tat ich für mich.

Die zweite Erkenntnis ist: Nur du selbst kannst etwas ändern. Mach es, wenn du es willst. Beides nicht bahnbrechend aber man muss es eben auch machen. Nick hat es gemacht.

Eine kleine Randnotiz: Für die paar Seiten ist das Buch auch als Kindle Ausgabe mächtig teuer. Trotzdem ist es meiner Meinung nach den Preis wert. Aber das Buch ist kein Guide für “wie werde ich selbst zum Weltreisenden oder was muss ich beachten”. Das Buch ist ein reines Unterhaltungsbuch mit einigen Denkanstößen.

Bewertung:

4.5 out of 5 stars 4,5/5

Vergleichbare Bücher / Serien:

Verwandte Bücher / Serien:

Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

  • Was sich bei dieser Art Büchern und bei dieser Art zu Reisen immer wieder zeigt. Man braucht eine gewisse Grundgelassenheit. Vieles lässt sich nicht planen und man hat auch nicht die Zeit dafür. Wenn man alles planen und Berücksichtigen will, kann man so eine Aktion nicht durchziehen. Das beste Beispiel ist schon der Beginn: Ich habe mir ein Auto gemietet und hatte keine Ahnung von Neuseeland. Einfach ab dafür …
  • Der Autor hat vor seiner Reise immerhin einige tausend € gesammelt, auch wenn er recht naiv bzgl. seiner Ausgaben war schon deutlich besser als bei manch anderem, uns sich direkt darauf verlässt, sich irgendwie durch zu schnorren. Ich kann zwar verstehen, wenn man das Hamsterrad nicht mag aber nicht, wenn man sich von Leuten, die im Hamsterrad sind durchfüttern lässt. Der Couchsurfing Ansatz lebt ja eigentlich davon, dass man nimmt und gibt, insofern wundert mich, dass man das Jahre lang machen kann, ohne zu geben.
  • Die Aktion mit den Skorpionen ist der Hammer. 🙂
  • Einmal blau von der mexikanischen Grenze nach San Diego und wieder zurück. Ich glaube das würde ich in den USA auch eher lassen. Gibt’s dafür schon Knast, wenn man erwischt wird?
  • Die Betrugsmasche ist wirklich lahm, da hätte man schon viel eher drauf kommen können aber andersrum ist man dann auch vielleicht nicht naiv und offen genug andere Sachen zu probieren.
  • Das Desinteresse an der Reiselust bei anderen Menschen kommt mir bekannt vor. Es gab zwar einige Menschen, die an meinem Pacific Crest Trail Hike interessiert waren, aber die Anzahl war sehr überschaubar. Viele fragen einfach kurz nach, weil sich das ja so gehört, haben aber nicht das geringste Interesse. Das hätte ich so nie erwartet. Das ist aber offenbar vollkommen normal. Für alle anderen dreht sich die Welt weiter, sie haben ihre individuellen Probleme und nichts davon hat mit den eigenen Reiseerfahrungen zu tun. Selbst die Menschen, die sich dafür interessieren, haben nach maximal einer Stunde alles aufgenommen was sie wissen wollen (vermutlich schon mehr als sie wissen wollten). Abseits der Leute, die sich dafür interessieren, gibt es dann auch noch recht viele, bei denen hört sich “Sie waren doch ein halbes Jahr wandern, oder?” ungefähr so an, als wenn man beschlossen hätte neuerdings unter der Autobahnbrücke einzuziehen oder Teufelsanbetungen macht. Schon interessant wie sehr die meisten Menschen in ihrem Hamsterrad gefangen sind und nicht mal abseits davon denken können oder wollen.
  • Oh Mann: Auf dem Dach vom Bus mit 60 Sachen und einpennen? 😉 Mal davon ab stelle ich mir gerade das Gesicht eines deutschen Busfahrers vor, wenn man ihn fragt, ob man auf dem Dach mitfahren kann, weil einem zu warm ist. Ob da nun ein paar Halteseile drauf sind oder nicht. Geschenkt.
  • Die Erkenntnis, das nur Reisen nicht glücklich macht, habe ich nun auch schon mehrfach gelesen. Der Mensch ist wohl weder für nur Arbeiten, noch für nur Reisen gemacht.
  • Ich glaube das ist das erste Weltreisebuch, in dem ich nichts von Visa, Einreiseformalitäten usw. gelesen habe. Man könnte meinen die ganze Welt steht einem offen und es gibt keine Behörden. 😉
  • Der Epilog ist klasse. Ganz so simpel ist es wohl nicht, aber es hört sich wirklich gut an.
  • Tja, und auch beim Weltreisen kommt es offenbar fast nur auf das Netzwerk an. Ich hätte nicht gedacht, dass man es nach ein paar Jahren schafft sich ein Netzwerk aufzubauen, bei dem man sich sogar zufällig irgendwo über den Weg läuft. Aber wahrscheinlich ist die Anzahl der Leute, die über Jahre um die Welt reist doch sehr überschaubar. So trifft man sogar dieselben Leute öfter.
  • Einerseits ist das Buch unheimlich positiv und schreit aus jeder Pore – wage es, schmeiß dein bisheriges Leben hin, wenn du willst. Irgendwie geht es. Andererseits muss man auch sagen. Das ist genauso, als wenn man den Leuten zuruft: Werde Schauspieler, Musiker, Model. Nur sehr wenige sind so erfolgreich. Wenn ich mir Nicks Stationen anschaue, dann ist unter den Weltreisenden sicherlich herausragend erfolgreich. Es gibt mittlerweile einige Leute, die sowas machen und die wenigsten werden so erfolgreich, dass sie davon leben können. Das soll niemanden abhalten aber nur weil es für Nick derart erfolgreich ist, muss es für andere nicht ansatzweise so gut laufen. Klar, jetzt kann man sagen: Negative Sichtweise, no risk no fun.
    Der Autor hat eine wirklich positive Lebenseinstellung, wenn man aus dem Buch was mitnehmen kann, dann wohl das. Wenn er in Vegas auf dem Strip tanzt oder in Vegas im Hotelzimmer strippt. Egal was er macht. Er sieht alles als Erfolg, auch wenn es nur ein paar Dollar bringt.

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Yukon: 3000 Kilometer im Kanu durch Kanada und Alaska [Buch]

Yukon 3000 Kilometer im Kanu durch Kanada und Alaska - Dirk Rohrbach

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

Dirk Rohrbach

Titel:

  • Yukon: 3000 Kilometer im Kanu durch Kanada und Alaska (291 Seiten)

Gelesenes Format:

eBook

Rezension und Inhalt:

»Lass dir Zeit und genieß es. Paddel, wenn du dich danach fühlst und wenn die Natur es dir erlaubt. Wenn’s ein zu großer Kampf wird, gib nach, aber nicht auf. Diese Tour machst du nur einmal. Man braucht sehr viel Durchhaltevermögen, Kraft und Willen, das Ganze durchzustehen. … Vergiss nicht, dass es auch schön sein soll, nicht nur geschafft werden muss.«

Obwohl das Buch eine Reiselektüre ist, geht es auch sehr stark um die Menschen, um die Begegnungen.

Es geht los mit Tom, der Dirk beim Kanu bau hilft. Dirk möchte in einem Baumrindenkanu reisen, dass heute nur noch sehr wenige Menschen bauen können.

Tom lebt in einer Blockhütte in einfachsten Verhältnissen. Im Winter bei bis zu -40°C Außentemperatur. Da kann die Temperatur selbst in der Hütte schon mal deutlich unter 0 fallen.

Diese Begegnung und die Bauphase nimmt etwas mehr als die ersten 10% des Buches ein.

Danach wird die Fahrt vom Kanubau zum Yukon beschrieben und der Autor kommt von einem zum anderen. Es werden diverse Erinnerungen, Gespräche usw. erwähnt. Das liest sich alles unterhaltsam aber nach einer Weile habe ich mich dann doch gefragt, ob die eigentliche Reise so wenig hergegeben hat.

Was hatte die Terrorangst nur aus diesem großartigen Land gemacht? Die einstige Keimzelle von Demokratie und Freiheit schien hier zu einer Gruft verzweifelter Attentatspanik verkommen.

Der Autor behält den klassischen Stil von vielen Reisereportagen bei, wo ich mich manchmal frage, was jetzt Schäfer x oder Bauer y mit dem Land zu tun haben, um das es in der Reportage eigentlich gehen sollte.

Der Titel erweckt in der Regel den Eindruck, dass es um das Land oder die Reise geht und nicht primär um einzelne Personen oder geschichtliche Ereignisse.

Am ehesten Vergleichbar ist der Stil mit Bill Bryson, wo ich mich gerade bei seinem Buch über den Appalachian Trail auch oft gefragt habe, ob die ganzen Hintergrundinfos eher Füllmaterial sind, weil es über seine Wanderung nicht so viel zu berichten gab.

»Die Antworten wirst du am Ende des Weges finden. Hier draußen zu sein ist etwas Besonderes, das dich berührt. Wie nichts sonst dich jemals berühren wird.«

Die Fahrt mit dem Boot beginnt erst nach einem viertel des Buches und dauert gerade mal ein paar Seiten, bevor es wieder an Land geht und schon ist das erste drittel des Buches vorbei und so richtig los geht es auf dem Yukon erst bei 40%.

Dann dreht es sich aber den Rest des Buches wirklich um den Yukon auch, wenn der Fokus weiterhin auf den Menschen entlang des Weges liegt. Die Begegnungen spielen sich somit primär an den Orten entlang des Yukon ab.

Das Buch dient primär der Unterhaltung. Man sollte also nicht viele Tipps erwarten wie eine derartige Reise zu gestalten ist. Das sind eher zufällige Randinfos.

Jagen und Fischen für den Lebensunterhalt, respektvoll und nachhaltig, nicht verwerflich wie Legebatterien für Hühner oder manche Aufzuchtfarmen für Pelztiere in der ach so zivilisierten Welt.

Es sind zwei Teile mit Fotos im Buch. Die Fotos passend an der jeweiligen Stelle wären noch besser gewesen, aber das treibt dann vermutlich die Kosten für die Printausgabe hoch.

Fazit:

Yukon – 3000km im Kanu durch Alaska und Kanada handelt primär von Menschen und Begegnungen. Der Titel hat bei mir also durchaus falsche Erwartungen geweckt. Im zweiten Teil geht es zwar etwas mehr um den Yukon und die Reise, aber selbst dort auch viele um Geschichte oder Begegnungen.

Das Buch liest sich aber ziemlich locker weg, auch wenn nicht jede Geschichte interessant ist.

Die Fernsehreportage hat mir persönlich etwas besser gefallen als das Buch. Die Reportage ist im Nachgang zum Buch entstanden. Der Autor ist Teile der Strecke mit einem Fernsehteam noch mal gefahren.

Bewertung:

4 out of 5 stars 4/5

Vergleichbare Bücher / Serien:

Verwandte Bücher / Serien:

  • Im Fluss: 6000 Kilometer auf Missouri und Mississippi durch Amerika
Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

  • Die erwähnten geplatzten Reifen im Ausland haben vielleicht ganz andere Gründe. Möglicherwiese die Art der Runderneuerung, die im Ausland teilweise anders gehandhabt wird als bei uns und vielleicht sogar der fehlende TÜV (oder irgend eine Art von Kontrolle)
  • Auch wenn die Szene mit dem Bärenspray sehr lustig beschrieben ist und mit Sicherheit alles andere als Lustig war, es gibt immer Sachen bei einer derartigen Tour, denen man nicht genug Aufmerksamkeit gewidmet hat. Das liegt einfach in der Natur der Sache.

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Leselaunen Stromausfall

Die Aktion „Leselaunen“ ist ein wöchentlicher Bericht und Austausch unter Buchbloggern über das aktuell gelesene Buch, die Lesemotivation und andere Kleinigkeiten im Leben eines Buchbloggers. Der Leselaunen Bericht erscheint wöchentlich am Sonntag um 20:00 und jeder darf jederzeit mitmachen und seinen Link dann bei Letterheart verlinken. Einfach einen Leselaunen-Beitrag schreiben, verlinken, andere Teilnehmer besuchen/kommentieren und genießen!

Da ich unten ggf. einige Markennamen erwähne, kennzeichne ich den Beitrag hiermit als Werbung.

Aktuelles Buch:

Irgendwie habe ich Sonntags aktuell immer was durch und noch nichts neues ausgesucht. 😉

Aktuelle Lesestimmung:

Stomlos Odyssee - A.J. Marini

The Trail Provides - A Boy's Memoir of Thru-Hiking the Pacific Crest Trail - David Smart

Ich habe die Stromlos Odyssee Teil 2 und The Trail Provides gelesen.

Zitat der Woche:

Vielleicht war das etwas Biologisches unter Zwillingen – genetische Friedfertigkeit, um einander nicht umzubringen. Lena Kiefer, Ophelia Scale

Und sonst so:

Mein Auto wurde mittlerweile repariert. Jetzt bin ich mal gespannt wie der weitere Ablauf ist, bzw. die Versicherung anstandslos zahlt oder das noch weiteres Theater nach sich zieht.

Die Erste Wochenhälfte habe ich Master of Orion gespielt (dazu gab es vor ein paar Jahren ein Remake) und nachdem ich ich die Galaxis erobert hatte, bin ich dann wieder zum Lesen gewechselt.

Meine erste Krankengymnastik aufgrund er Rückenprobleme hatte ich auch aber sie hat sich als Massage erwiesen. Das hatte ich vor 15 Jahren schon mal. Damals war es ganz nett, aber wenig nachhaltig.

Ansonsten habe ich mir Ruf der Wildnis angesehen, den ich ok fand. Etwas gewöhnungsbedürftig ist anfangs der arg künstlich wirkende Hund, an den man sich später gewöhnt. Allerdings hat er immer wieder viel zu menschliche Reaktionen / Gesichtsausdrücke oder Verhaltensweisen bzw. auch eher unmögliche Aktionen. Das kommt einem etwas vor wie eine Mischung von den Möglichkeiten einer Zeichentrickfigur in einem Realfilm.

Weitere Leselaunen

* Serien, Filme & Magic bei Andersleser * Melle getroffen & Shopping bei Taya’s crazy World * Selten so wenig gelesen bei Letterheart *

Journeys North – The Pacific Crest Trail [Buch]

Journeys North The Pacific Crest Trail - Barney Scout Mann

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

Barney Scout Mann

Titel:

  • Journeys North – The Pacific Crest Trail (320 Seiten)

Gelesenes Format:

Taschenbuch

Rezension und Inhalt:

Normalerweise kaufe ich ein Buch, weil mich die Beschreibung anspricht oder es im Durchschnitt gute Rezensionen hat. Bei diesem Buch liegt der Fall anders.

Shamus, the doctor, saw through her immediately. With a glance, Shamus delivered his professional diagnosis: “You look like shit”.

Ich habe bei dem Autor vor meinem PCT Hike übernachtet (wie vermutlich mehr als 75% der PCT Hiker). Er und seine Frau + viele freiwillige Helfer hosten Hiker schon seit vielen Jahren kostenlos. Nachdem er sein Buch geschrieben hat, hat er wohl alle Kontaktadressen von ehemaligen Übernachtungsgästen angeschrieben und um den Kauf gebeten (was würde wohl der deutsche Datenschutzbeauftrage dazu sagen? 😉 ).

Abseits davon, dass es um einen Pacific Crest Trail Hike geht, wusste ich nicht was mich erwartet, als ich mit dem Buch gekauft und anschließend mit dem Lesen begonnen habe. So viel sei vorab gesagt: Das Buch ist anders als ich es erwartet habe.

Der Autor beschreibt über weite Teile nicht primär seine Erlebnisse auf dem PCT Hike, sondern betrachtet den Hike auch aus den Augen verschiedener Mithiker. Dabei wird bei allen Personen auch deren Lebensgeschichte, Kindheit, Eltern usw. betrachtet. Auch die Gedanken in einzelnen Situationen, in denen der Autor nicht anwesend war. Gerade am Anfang ist das oft gewöhnungsbedürftig, weil der Autor selbst als Akteur kaum in Erscheinung trifft.

Wie weit das alles Fiktion oder Realität entspricht kann man als Leser nicht nachvollziehen. Die Art über den PCT Hike zu schreiben ist auf jeden Fall anders als alle bisherigen Bücher, die ich über den Trail gelesen habe. In der Regel findet man Bücher, die ausschließlich aus der Perspektive desjenigen geschrieben sind, der den Hike gemacht hat.

“You have to really want to” (hike the Pacific Crest Trail otherwise you will quit sooner or later)

Bei Journeys North ging es mir anfangs oft so, dass ich gedacht habe “hey, wen interessiert denn die komplette (traumatische) Lebensgeschichte von x y z”. Später wechselt das Buch immer wieder zwischen Vergangenheitserlebnissen und aktuellem PCT Geschehen hin und her und springt auch ab und an in der Zeit, während sich das Ende quasi primär auf die PCT Erlebnisse der Akteure konzentriert.

Die Hauptlesemotivation waren für mich die Situationen und Anekdoten entlang des Trails, die man aber vermutlich erst nachvollziehen kann, wenn man diesen oder einen anderen Langstreckenwanderweg selbst gelaufen ist. Oft finden sich die handelnden Akteure in Situationen wieder, die man selbst nur zu gut kennt, wenn man mal auf dem PCT war.

Sei es die extrem unzugängliche Wasserquelle, für sich man sich selbst komplett zerkratzt oder gar verletzt um sie erreichen zu können und ein paar hundert Meter weiter wäre es ganz leicht gewesen an den Trail zu kommen, sei es die Entscheidung, ob man im Schneeregen bleibt oder im stinkenden Toilettenhaus sein Essen zu sich nimmt. Der Autor beschreibt derartige Situationen immer mit einer Prise Humor. Auf dem Hike sind derartige Entscheidungen Alltag, für Außenstehende mag einiges davon schwer nachvollziehbar oder befremdlich sein.

Auch einige Ortsbeschreibungen wecken lebhafte Erinnerungen.

Als Leser bekommt man auch ein wenig Einblick in das Leben in den USA, wenn man keine reichen Eltern hat. Einige der Mitwanderer von Scout (Trailname des Autors) hatten keine reichen Eltern oder ein behütetes Leben. Es hilft es nichts, wenn einen die Unis wie Havard oder Princeton akzeptieren, wenn man nicht das Geld dafür hat. Am Falle von Scout und seiner Frau, die eher die Oberklasse darstellen wird wieder deutlich wie groß die Unterschiede in den USA sind.

“You folks don’t give up. You’re all crazy, but if there is ever a World War III, I want you on my side”

Auch Sex und Drogen in der Vergangenheit von einer Hikerin spielen eine Rolle. Diesbezüglich fühlt man sich sehr stark an das Buch Wild von Cheryl Strayed. Was dieses Buch unterscheidet ist, dass der Autor ein erfolgreicher Tripple Crowner ist, er halt also den PCT und auch die beiden anderen großen Trails beendet. Cheryl ist absolut planlos in ihren Hike gestartet. Allerdings liegen zwischen Cheryls Hike und dem Hike von Scout diverse Jahre und das macht besonders bei Ausrüstung und Informationsquellen einen riesigen Unterschied.

Es geht um verschollene Hiker, Liebesbeziehungen und andere Erlebnisse auf dem Trail. Nach meiner Erfahrung kann das alles passieren aber das macht sich primär gut in Büchern (Drama) und die Wahrscheinlichkeit ist eher gering. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich nicht weiß wie viele von den zig Pärchen die ich entlang des Trails getroffen habe schon vorher zusammen waren. Vielleicht ist also spontan doch mehr gegangen als ich mitbekommen habe.

Die Trailfreundschaften, die besonders am Ende beschrieben werden sind heute eher außergewöhnlich. Die wenigsten Hiker laufen für andere zurück oder warten längere Zeit und von denen die das machen kommen die meisten nicht in Kanada an. Trotzdem lösen sich nach dem Trail viele Freundschaften so schnell wieder auf wie sie auf dem Trail entstanden sind und andere überdauern die Jahre.

Was ich selbst erlebt habe ist die außergewöhnliche Hilfsbereitschaft mancher Amerikaner. Sei es um Trail Angel zu sein, einem Hiker von A nach B zu bringen oder bei irgendwelchen Problemen zu unterstützen.

Es wird sehr deutlich wird wie klein die Unterschiede zwischen “jemand bricht den Trail ab” und “man läuft bis zu Ende” sein können. Ein falsches paar Schuhe, die richtigen Worte zur richtigen Zeit oder ob man die Blasen gleich öffnen oder erst am Abend. Jede Entscheidung beeinflusst das Endergebnis. Das sollte man besonders auf dem ersten Trailstück beachten. Einige (wie ich) sind dort übermotiviert (nein mann kann nicht alle Schmerzen weghiken und am Anfang vom Trail von eine 2000er Tagesdosis Schmerzmittel ist überhaupt nicht gut) und einige bereits zu relaxt.

On the PCT, we all lived on such a slender thread. Sometimes it could be a pay phone in the State of Jefferson.

Ein noch deutlicheres Beispiel: Quert man den Fluss direkt oder sucht sich einen Baumstamm? Je nach Fluss ist beides gefährlich. Im günstigen Fall bekommt man bei der Flussdurchquerung nur nasse und kalte Füße. Wenn man direkt weiter Läuft ggf. auch Blasen- Im ungünstigen Fall kann man ins Wasser fallen oder mitgerissen werden. Eine Querung über einen Baum ist auch nicht ungefährlich (je nach Höhe) kann das leicht zu einem gebrochenen Körperteil führen, wenn man abstürzt. Solche Situationen findet man auch im Buch und auch auf dem PCT. Wenn ich durch 20 Flüsse laufe kann das genauso den Trail deutlich verzögern oder beenden, wie vom Baumstamm abrutschen.

Selbst ein paar Tage früher oder später zu starten kann in Washington zu riesigen Unterschieden führen.

Ohne mehr zu Verraten gerade am Ende des Buches wird es wirklich spannend und das Buch entwickelt sich zum unterhaltsamsten PCT Buch.

Fazit:

Das Buch liest sich recht locker weg und ist mehr ein Unterhaltungsbuch als eines, dass man primär zur Vorbereitung des Trails nutzt. Das Buch ist interessant, wenn man seine Vorbereitung weitgehend abgeschlossen hat und noch ein wenig mehr Trailluft schnuppern will, bevor es los geht oder andersrum, wenn man einfach wissen will wie es ist einen Langstreckentrail zu wandern (also noch überlegt selber zu wandern oder einfach nur mal in die Welt eines Thru-Hikers eintauchen will).

“It’s my mouth that hurts. It doesn’t affect my ability to hike” After falling with one splintered and one heavly damaged tooth.

Es wird mal mehr mal weniger deutlich erwähnt was einem auf einem Langstreckentrail erwartet. Als jemand der noch nicht auf dem Trail war überliest man derartige Sätze aber oft. Stürmisches Wetter und eisige Temperaturen? Das liest sich zu Hause bei angenehmer Temperatur im Sessel oder Bett ganz anders, als wenn man es gerade mehrere Tage erlebt mit nassen Klamotten und nassem Zelt. Dann können solche Erlebnisse sogar dazu führen, dass man das Unternehmen PCT Hike in Frage stellt oder abbricht. Genauso wie Sätze wie “heute hatten wir ein paar Moskitos” aus dem Buch in der Realität eher 30-50 Stichen pro Tag entsprechen können.

Die ansonsten beschriebenen Beziehungen auf dem Trail und das gegenseitige Miteinander hat es früher in der Form wohl stärker gegeben (oder ich habe es 2019 einfach nicht so stark erlebt). Das wird zum Teil an der sehr stark gestiegenen Anzahl der Hiker liegen. Früher kannte man noch alle auf dem Trail. Heute ist das quasi unmöglich, bei 50 Startern täglich, die alle in unterschiedlichen Geschwindigkeiten laufen.

Heute befinden sich die Hiker teilweise im Wettkampf um Zimmer, Wasser, Campspots. Klar sorgen sich Hiker immer noch umeinander, aber aufgrund der schieren Masse und der ständig wechselnden Bekanntschaften ist das – gefühlt – wesentlich weniger als früher der Fall. Es fällt heute wesentlich später oder überhaupt nicht auf, wenn jemand fehlt, wenn man nicht gerade in einer Gruppe wie z.B. in den Sierras unterwegs ist.

Die aktuell sehr positiven Rezensionen bzw. auch die Kommentare stammen vermutlich zum Großteil von Freunden / Bekannten des Autors, trotzdem sind sie berechtigt. Ich bin dankbar dafür, dass ich bei Scout und Frodo in San Diego übernachten durfte und auch in diesem Buch wird deutlich, dass der Autor (Scout) und seine Frau außergewöhnliche Menschen sind.

Eine andere Erkenntnis aus dem Buch ist. Vielleicht braucht es für viele wirklich eine Gruppe um den Trail bis zum Ende zu laufen. Ich habe an vielen Stellen die Freiheit bevorzugt, dass ich Zeros machen kann wann und wie ich mag, dass ich laufen kann wie weit ich möchte, dass ich morgens niemanden störe egal wann ich aufstehe und dass ich Pause machen kann wann und wie ich will ohne das jemand anderes davon betroffen ist. Andersrum sind in diesem Buch aber auch genügend Beispiele von Leuten, die alleine den Trail viel eher beendet hätten, als sie es Leuten um sich rum getan haben.

Für die 7000 Hiker, die bei Scout und Frodo übernachtet haben, sollte allein die Motivation etwas von dem zurück zu geben, was sie selbst vor Ort erhalten haben genügend Grund sein das Buch zu kaufen.

“When does it stop hurting? Three months. … Three months after you get off the trail”

Das einzige Problem an dem Buch ist: Danach hat man wieder Lust auf den PCT zu gehen. Jetzt, sofort und mit Covid weiß man aktuell nicht mal, ob das nächstes Jahr wieder möglich ist. Also Vorsicht als PCT Hiker wird man rückfällig. 😉 Das Buch ist etwas wie der Alkohol für einen Alkoholiker.

Bewertung:

4.5 out of 5 stars 4,5/5

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Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

  • Wer waren wohl die Sponsoren, die den Mario Brüdern für die Vollendung des Trails 4000$ zur Verfügung gestellt haben? Kommt ihr zum gleichen Schluss wie ich? Schade, dass man nachher nichts mehr von denen hört. Sind sie angekommen? Hat das Geld geholfen?
  • Das Ende ist wie so oft bei PCT Büchern sehr abrupt aber ich vermute so ist es für die meisten PCT Hiker. Irgendwann ist man vor Ort und zack ist die gemeinsame Zeit vorbei. Die Ausländer haben nur ein limitierte Visum und das Leben geht weiter. Man verliert sich sehr schnell aus den Augen. Der PCT ist eine temporäre Zeitblase in der man ein paar Monate in einer anderen Welt leben kann. Die Standardsorgen sind weggeblasen, dafür hat man ganz andere viel elementarere Probleme.
  • Entweder sind 2007 fast nur US Bürger auf dem Trail gewesen oder die Blase von Scout und Frodo bestand nur aus US-Bürgern. Es wird nicht ein Ausländer erwähnt. 2019 war die Zusammensetzung natürlich immer noch so, dass primär US-Bürger unterwegs waren aber auch Niederländer, Deutsche, Australier, Kanadier, Franzosen und von Leute von diversen anderen Ländern.
  • Ich finde es erstaunlich wie wichtig vielen PCT Hikern das Ziel Kanada ist (ich hatte das nie so sehr im Fokus) und wie sehr sie sich über das Ziel definieren / motivieren. Jeder der ein paar hundert Meilen auf dem PCT war hat bewiesen, dass er / sie hart ist. Der Rest (ob man wirklich in Kanada ankommt) ist auch viel Glück (wie man auch im Buch immer wieder erkennt). Als ich noch auf dem Zielstrahl Kanada war war mir zwar jede Meile wichtig (ich habe im Gegensatz zu vielen anderen Hikern kein Stück übersprungen, wenn sich die Gelegenheit bot) aber wie kann es einem so wichtig sein in Kanada anzukommen, wenn man vorher schon Teile des Trails ausgelassen hat? Dazu kommt, dass es primär für die Hiking Community und einen selbst relevant ist, ob man in Kanada angekommen ist. Der Rest der Welt interessiert sich nicht die Bohne dafür (so ist zumindest meine Erfahrung hier in Deutschland – die wenigsten Menschen haben derartige Träume oder sind daran interessiert).
  • Den Kommentar “Treffe weise Entscheidungen” sollte man eigentlich einrahmen und am South Terminus aufhängen. Nichts ist wichtiger für einen PCT Hiker als dieser Hinweis. Die Kunst ist zwischen weise, übervorsichtig und unverantwortlich zu unterscheiden. Jeden Tag und bei jeder Meile.

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