Nebelsphäre Kiel Serie

Nebelsphäre Kiel 1 Haltlos - Johanna Benden Nebelsphäre Kiel 2 Machtlos - Johanna Benden Nebelsphäre Kiel 3 Rastlos - Johanna Benden

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

Johanna Benden

Teile der Serie:

  • Nebelsphäre Kiel 1 – Haltlos (494 Seiten)
  • Nebelsphäre Kiel 2 – Machtlos (652 Seiten)
  • Nebelsphäre Kiel 3 – Rastlos (558 Seiten)

Gelesenes Format:

eBook

Rezension und Inhalt:

Plötzlich brach Narex in schallendes Gelächter aus. „Alter Schwede, Mando! Was war das denn? Das war ja ein Witz! Dein erster Witz seit Jahrhunderten!“

Eine Anmerkung vorab: Ich habe vor dieser Serie bereits die Nachfolgeserie (Nebelsphäre Lübeck) gelesen. Ich hatte mich vorher nicht gut informiert. Normalerweise passiert mir das nicht. Zu der Nachfolgeserie hatte ich auf der Homepage von Johanna Benden nachgefragt, ob es noch eine Fortsetzung zur Lübeck Serie geben wird. Daraus ist in der Folge eine rege Mailkonversation entstanden. Ich habe noch nie einen Autor erlebt, der so aufgeschlossen und Kontaktfreudig gegenüber seinen Lesern agiert. Supernett und definitiv erwähnenswert! 🙂

Die Goldene erwiderte ihren Blick und grinste ironisch. „Ach, was soll’s, Leute! Dann fällt der Unterricht für Täuschungen, Intrigen und Verleumdung eben erstmal aus.

Eigentlich hatte ich nicht vor die Kiel Serie direkt zu lesen, da mir das dritte Buch (im Gegensatz zu den ersten zwei Büchern) der Lübeck Serie nicht gut gefallen hat. Aber nachdem ich die interessante Konversation mit Johanna Benden hatte, habe ich mir die Bücher doch recht schnell vorgenommen.

Buch 1: Victoria ist Studentin und wohnt in einer WG mit Jan. In dem neuen Studiensemester hat sie Kurse bei einem neuen Professor, in den sie sich direkt verschießt – und wie! Offenbar geht es dem Professor ähnlich aber scheinbar hat er einige „Besonderheiten“. Während andere Studenten sich in  unwohl fühlen, wenn sie dem Professor zu nahe kommen fühlen sie sich unwohl. Victoria geht es genau andersrum.

Grimmarr seufzte. „Nein, Aer, ihr seid nicht «gar nicht so übel» – ihr seid überragend. Und das musst du endlich begreifen! Das kannst du aber nur, wenn ihr euch mit anderen vergleicht. Eine Leistung an sich ist weder gut noch schlecht, sie hat keinen Wert. Den bekommt sie erst, sobald man sie einer zweiten Leistung gegenüberstellt.“

Seltsamerweise können beide gegenseitig ihre Gedanken lesen und Victoria erfährt, dass Jaromir ein Drache ist! Als wäre das nicht genug, erfährt sie das Drachen und offenbar auch einige Menschen Magie wirken können.

Weiterhin erklärt Jaromir Victoria, dass Drachen und Menschen früher einvernehmlich zusammen gelebt haben es aber später zu einem Krieg zwischen den Drachen und den menschlichen Zauberern gekommen ist. Seitdem gibt es keine Partnerschaften mehr zwischen Drachen und Menschen und auch keine menschlichen Magier mehr.

Jaromir weiß, dass sie ihre Beziehung verheimlichen müssen. Wenn die Drachen von ihrer Beziehung erfahren, droht höchste Gefahr.

„Du bist heute Abend auch noch heiß, der Kaffee nicht und ich will beides“, konterte sie augenzwinkernd. Das Flimmern in Lenirs Aura war abgeflaut und er ließ sich schnaubend auf seinen Stuhl fallen. „Prima. Du weißt, was du willst. Ganz wie es sich für eine Führungskraft gehört.“

Die Liebesbeziehung (Partnerbindung) fühlt sich in dieser Serie zumindest anfangs deutlich normaler an als in der Lübeck Serie, was vermutlich daran liegt, dass sie nicht mit einer schon vorhandenen Liebesbeziehung konkuriert und auch nicht manipuliert wurde (sie fühlt sich hier also nicht falsch an wie in der Phönix Serie). In den ersten 2/3 des Buches geht es primär darum wie sich Jaromir und Victoria kennenlernen und wie sie langsam in die Welt der Drachen und der Magie eintaucht. Aufgrund des Schreibstils wird das aber nicht langweilig. Unterschwellig lässt sich auch schon die Bedrohung erahnen, die auf Jaromir und Victoria zukommt.

„Ich fasse es nicht!“, brummte Abrexar perplex. „Ihr Gefährten braucht keine halbe Stunde, um die ganze Welt auf den Kopf zu stellen.“

Man fühlt sich ein bisschen wie bei einer Mischung von Biss, Harry Potter und Eragon (und das meine ich positiv).

Wer es hier schafft bei der Beschreibung von Alberts Kochkünsten und den aufgetischten Speisen nie Appetit zu bekommen, der ist vermutlich magersüchtig. 😉

„Ich brauche dich hier, Mando! Du musst dich gut um Jaro und Vici kümmern. Sie werden deinen Rat benötigen.“ „Ja, ja“, nörgelte Mandolan mit seiner näselnden Gedankenstimme. „Ich werde sie genauso gut beraten wie dich. Und die zwei werden genauso selten auf mich hören wie du.“

Buch 2: Victoria und Jaromir sind Gefährten. Das bedeutet, dass zwischen Ihnen eine Verbindung besteht, die mit Liebe vergleichbar ist aber darüber noch hinaus geht. Damit dies möglich wurde mussten sie hart kämpfen und da sie gezwungen waren sich dabei gegen die führende Drachenelite durchzusetzen, haben sie nun mächtige Feinde. Diesen Feinden geht es nicht um Recht und Gesetz, sondern um Intrigen und vor allem Macht und die Feinde haben jahrhunderte Erfahrung in diesem „Spiel“.

Scheinbar sind Victoria und Jaromir durch einen mächtigen Zauber geschützt. Aber die Frage ist, welche Lücken dieser Zauber hat und ist das nicht nur ein trügerischer Schutz?

„Ein Held zu sein fühlt sich nicht gerade heldenhaft an!“, schoss es ihm durch den Kopf und er grinste ironisch. Zu dieser Erkenntnis war er schon in früheren Jahren gekommen, doch wenn er ehrlich war, begriff er die Tragweite seiner seiner Worte erst jetzt so richtig.

Und Lenir und Kerstin fühlen sich zu allem Überfluss scheinbar auch noch zueinander hingezogen. Nachdem Lenir gesehen hat in welcher Gefahr eine Gefährtin schwebt, versucht er allerdings alles um Kerstin zu schützen aber das scheint keine gute Idee zu sein.

Und dann zieht der Feind?! auch noch ins eigene Haus ein.

Zusätzlich werden Lenir und Kerstin, sowie weitere Drachen in der Geschichte intensiver behandelt und die komplette Hintergrundgeschichte wird mehr im Detail behandelt (im ersten Teil wurden einige Teile nur am Rande angesprochen, auf die hier detaillierter eingegangen wird.

Mittlerweile erinnerte die Flurvertäfelung an einen Schweizer Käse.

In diesem Moment kam Victoria aus Kerstins Zimmer. Sie blickte beiläufig auf die zerstörte Wand und dann auf seine Hände. „Es ist sehr nett von dir, dass du schon mit der Renovierung des Hauses beginnst und die Vertäfelung herunter holst, aber Kerstin wird unruhig. Selbst im Schlaf scheint sie zu merken, dass hier etwas nicht stimmt.“

Das zweite Buch beginnt relativ verhalten (das erste Viertel), liest sich aber trotzdem recht gut. Es ist eine Mischung aus alltäglichen Dingen aus der Drachenwelt vermischt. Das Heiratsvorbereitungsthema finde ich nicht so spannend (das ist wohl mehr ein Mädelsthema) aber insgesamt liest sich das alles sehr unterhaltsam. Zusätzlich wird die Hintergrundgeschichte aus Intrigen, „Machtspielen“ und anderen Bedrohungen weiter gewoben und kommt zwischendurch immer wieder zum tragen. Bei etwa drei Vierteln dreht Johanna dann richtig auf. Großes Kino. Hier ist also alles drin: Liebe, Freundschaft, Verrat, Leid und große Gefühle.

Buch 3: Jalina ist endlich Tod, hat aber vor allem Victoria bleibende Schäden zugefügt. Aber selbst im tot streckt Jalina noch ihre Krallen nach den Gefährten aus. Da Victoria die einzige ist, die im Geist der Goldenen die Wahrheit erkennt, kann nur sie deren Machenschaften aufdecken. Dabei kommen Unmengen von Gräueltaten ans Licht und Victoria zerbricht fast daran.

Wenn man spielt, kann man auch verlieren. Wenn du nicht verlieren kannst, darfst du nicht spielen – ich hatte ein paar Jahrhunderte, um das zu lernen.

Aufgrund der Eifersucht von Lenir, die kurz vor Abschluss der Bindung enteht, können Lenir und Kerstin nicht mehr mit Victoria und Jaromir zusammen leben, weil Victorias Freunde zu stark gefährdet werden. Stattdessen reift der Plan eine Gefährtenakademie für neue Gefährtenpaare zu bilden.

Die Tore zur Dämonenwelt werden immer Schwächer. Werden die jungen Gefährten dem Angriff standhalten können, den die Dämonen vermutlich planen?

„Vielleicht entdecke ich ja noch Verbesserungspotenzial in seiner Vorlesung. Falls nicht, bringe ich ihn einfach mit ein paar unqualifizierten Zwischenrufen aus der Fassung.“ Dann hob er verschmitzt seinen Zeigefinger. „Aber verpetz mich nicht Victoria – wenn er was ahnt, macht es keinen Spaß mehr.“

In diesem Buch geht es anfangs primär um die Gefährten. Statt Victoria und Jaro stehen aber Kerstin und Leni im Mittelpunkt. Obwohl es sich um die gleiche Serie handelt, fühlt sich das schon wie eine deutliche Trennung an. Die Bindungsphase der Drachen kennt man schon (das ist also nicht mehr so spannend, da es sich hauptsächlich um Eifersucht und Wolllust dreht – beider ist absolutes Dauerthema und erschöpft sich dann doch irgendwann). Somit gefällt mir dieses Buch etwas weniger als die ersten beiden. Gegen Ende wird es aber trotzdem sehr spannend und auch sehr emotionsgeladen.

Fazit:

Auch bei der ersten Serie kann ich nur sagen, dass der Schreibstil super ist. Ich finde, dass man nicht merkt, dass das ihr erstes Buch ist. Mir ist der Einstieg sogar deutlich leichter gefallen als bei der Lübeck Serie, weil ich hier keine Widersprüche beim Verhalten der Charaktere gefühlt habe. Das war einfach stimmig und in einem Guss.

„Mann ey. Diese Drachen können einem vielleicht auf den Keks gehen! Besonders in der Bindungsphase. Eifersüchtig bis unter die Hutschnur und dann auch noch dauerrollig.

Das einzige was in dem Kontext auffällt ist, dass man zumindest beim ersten Band den Eindruck hat, dass es nicht direkt als Serie geplant war. Der erste Band schließt logisch ab und würde nicht zwingend eine Fortsetzung benötigen. Der Letzte Band dreht sich um neue Hauptprotagonisten, die vorher Nebenprotagonisten war. Der Serienbegriff ist hier also eher lose zu verwenden.

Mir haben die ersten beiden Teile etwas besser als der dritte Teil der Kiel Serie gefallen. Und da ich mich hier weniger über Victoria aufregen musste als in der Lübeck Serie, hat mir diese Serie insgesamt etwas besser gefallen.

Johanna Benden ist (noch) ein Geheimtipp und beide Serien – sowohl die Kiel als auch die Lübeck Serie sind toll. Mir hat die Kiel Serie sogar noch etwas besser gefallen. Da kann man nur auf baldigen Nachschub hoffen.

Bewertung:

4,5/5

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Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

  • Als sich Victoria mit Jaromir zum zweiten Mal trifft, hätte ich mir an ihrer Stelle die Frage gestellt wovon Drachen leben. Rein aus Neugierde, auch wenn sie sich selbst nicht in Gefahr wähnt.
  • Was hilft es einem Menschen die Gedankenfenster zu schließen, wenn man sich dadurch bei den Drachen auch verdächtig macht? Dann hilft das ja nur in den Fällen, wo der Drache einen sonst wahrnehmen würde ohne sich explizit auf eine Person zu konzentrieren.
  • Das Victoria die „grünen Wogen“, die sie regelmäßig bemerkt, komplett verheimlicht halte ich für unglaubwürdig. Mit dem Wissen was sie um die Gefahr durch andere Drachen hat (allein das Wissen ihrer Freundin Kerstin, dass Victoria mit Jaromir zusammen ist, reicht als Ausgangsbedrohung aus, da diese ihre Gedanken nicht abschirmen kann).
  • Bei der Verhandlung der Drachen übersetzt Jaromir für Victoria – sie versteht aber auch Gedanken, die nicht gesprochen wurden (also vermutlich genauso Latein sind wie der Rest vom Satz). Das ist eigentlich nur zu erklären, wenn Victoria in die Gedanken von Lexia schauen kann ohne etwas zu verstehen und Jaro das übersetzen kann, weil er es über Victoria ungefiltert „hören“ kann
  • Kattesch ist so dämlich, dass es schon weh tut. Da schreibt ihm Jalina fast direkt, dass sie ihn auf dem Weg räumt und er kapiert nichts. Aber für einen roten ist das scheinbar nicht ungewöhnlich.
  • Wäre es nicht logisch, wenn es auch Gesetze bei den Drachen geben würde, dass Gefährten (der menschliche Teil) ihre Beziehung zu anderen Menschen abbrechen müssen? Wie soll es denn nicht auffallen, wenn man nicht mehr altert? Da es den Drachen so wichtig ist unerkannt zu bleiben, wäre das ein nachvollziehbares Gesetz.
  • Das Schreiben von Jalina macht keinen Sinn oder ich verstehe es nicht:

„Zentrales Element in den ehernen Gesetzen ist hier die zeitnahe, offizielle Bekanntgabe der endgültigen Verbindung zwischen den Gefährten. In der Drachenwelt ist dies bereits geschehen. Unter den Menschen ist eine solche Verbindung heute jedoch unbekannt und muss wegen der geschichtlichen Entwicklung seit den Torkriegen auch weiterhin verborgen bleiben. Der Große Rat hat einstimmig beschlossen, dass eine standesgemäße Hochzeit mit mindestens dreihundert Gästen vor Staat und Kirche als ausreichend anzusehen ist.“

Was denn nun? Verborgen bleiben oder Riesenhochzeit? Das Schreiben hätte doch eher lauten müssen: Der hohe Rat hat beschlossen, dass eine Bekanntgabe in der Menschenwelt mit einer Hochzeit mit mindestens 300 Gästen vor Staat und Kirche als ausreichend anzusehen ist. Oder soll das bedeuten, dass die Alternative zu einer „wie auch immer gearteten Bekanntgabe in der Menschenwelt“ die Hochzeit ist?

Jaro und Victoria auch einfach sonstwo heiraten können zum Beispiel in den USA und ihren Freunden / Eltern nichts davon erzählen. Es gibt lediglich die Anforderung 300 Gäste und standesgemäß (letzteres ist Auslegungssache, wenn es nicht irgendwo festgelegt ist). Das wäre zumindest meine Antwort darauf gewesen. Wenn andere (hier die goldenen Drachen) einen ärgern wollen, dann ärgert man halt zurück.

  • Das Victoria nicht sofort die Beziehung zwischen Rockergang und den Goldenen herstellt, finde ich seltsam (ok, zugegeben nach dem Angriff der Rocker und allem was sonst noch passiert ist, kann sie vermutlich auch nicht klar denken). Da sie durch den Zauber geschützt ist, war es doch sehr naheliegend, dass etwas Derartiges passiert, um den Schutz zu umgehen. Dann gibt es noch zusätzlich den Fahrstuhl der manipuliert wurde – das ist doch offensichtlich…
  • Wieso sind Kerstin und Victoria alleine in einem Tätorwirstudio, nachdem vorher immer so ein Theater um Geleitschutz gemacht wurde?
  • Wieso ist Lexia nie bei den Essen mit Abrexar dabei? Das ist zwar für die Geschichte sehr praktisch aber in der Realität kann ich mir nicht vorstellen, wie man sie immer ausladen kann ohne unhöflich zu sein. Zumal sie ja nicht gerade irgendwer ist (immerhin ist sie die offizielle Vertreterin der Goldenen).
  • Wie ist Linea bei so vielen Drachen drumherum unbemerkt in Victorias Zimmer gekommen kurz bevor sie versucht Victoria zu Heilen?
  • Lexia (vermutlich auch andere Drachen) findet es barbarisch und primitiv wie Menschen essen und meint Drachen seinen höher entwickelt aber die Drachen benutzen Menschen als Köder für Dämonen und lassen die Dämonen danach Besitz von den Menschen ergreifen bzw. sie töten. Alles klar, dass ist natürlich weniger barbarisch als etwas weniger vornehme Tischmanieren.
  • Wieso wird der mutmaßliche Verrat von Lexia unter den Gefährten nicht besprochen?
  • Das der Tee nicht gegen eine Krankheit hilft, sondern impotent macht hätte man schon deutlich eher vermuten können (das Abrexar nicht auf die Idee gekommen ist finde ich unwahrscheinlich, da er ja sonst sehr vorausschauen ist)
  • Das „das zweite Gesicht“ keine Visionen sind, sondern „fake“ war sehr offensichtlich. Eigentlich muss man sich eher fragen, wie die Idee mit den Visionen überhaupt entstanden

ist. Alleine der Name „zweites Gesicht“ für die Fähigkeit ist ja schon offensichtlich…

Aber die Grundidee, dass man seinen Geist öffnen kann und dann eindeutig beweisen könnte, dass man die Wahrheit sagt hat schon was. Das aber jedes „System“ ausgetrickst und manipuliert werden kann ist logisch. Die „Wahrheit“ liegt ja bekanntlich eh im Auge des Betrachters.

  • Sowohl in der Kiel als auch in der Lübeck Serie schwingt ständig mit, dass der Zweck die Mittel heiligt und es sollen immer einzelne für die Mehrheit geopfert werden (und zwar nie freiwillig, sondern weil es Leute entscheiden, die meinen das „große Ganze“ im Auge zu haben). Ich halte derartige Ideen für absolut unethisch und höchst bedenklich. Drei Beispiele dazu:
  1. Wenn man die Wahl hat entweder 10 Leute zu retten oder 100 (beides geht nicht – z.B. weil nicht genug Zeit bleibt), dann kann ich nachvollziehen, wenn man die 100 rettet.
  2. Wenn man ein Admiral im Krieg ist und befehligt Soldaten und man muss 10 Opfern um Mutmaßlich 50 zu retten, dann ist diese Entscheidung sicherlich sehr schwer (zumal man vor so einer Entscheidung nie Sicherheit hat – vielleicht sterben ja zusätzlich die 10 zusätzlich zu den 50). Trotzdem haben sich die Soldaten i.d.R. freiwillig zur Armee gemeldet und müssen darum gehorchen, weil diese Freiwillige Meldung zur Armee den Schwur auf das Befolgen von Befehlen einschließt.
  3. Wenn ein König oder eine Königin der Drachen (der rechtlich in Deutschland eh keinerlei Legitimation hat) meint vielleicht irgendwas erreichen zu können (also möglicherweise eine bessere Ausgangslage für einen Krieg zu schaffen) und dabei ohne Rücksicht auf Verluste Leute manipuliert, in deren Privatleben eingreift, sie belügt, betrügt und ohne Rücksicht auf einzelne Verluste handelt, dann ist das sehr verwerflich und sicherlich kein Fall von „der Zweck heiligt die Mittel“. Das betrifft in dieser Serie quasi alle herrschenden durch die Bank. Jalina spottet jeder Beschreibung und ist abgrundtief böse. Die bringt Leute schon um, weil sie von ihnen geärgert wurde. Grimmarr und Abrexar haben Victoria zwar geholfen und vermieden, dass sie stirbt aber nur um sie als Ressource zu verwenden (also aus rein rationalen Erwägungen). Beide sind Bereit sie für den „richtigen Zweck“ zu opfern. Victoria ist diesbezüglich kein Stück besser als sie selbst Königin ist.
  • Wieso macht Lenir sich nicht unsichtbar bei dem Kampf im Wolfslager? Dann hätte er die Tarnkuppel auch durchbrechen können.
  • Vielleicht habe ich was verpasst aber die Aussage beim Angriff auf das Schleimbeuteleiernest ist doch, dass ein Ei in 5 Sekunden von einem Drachen vernichtet werden kann. 100 Drachen sollen angreifen. Somit müsste für 10.000 Eier jeder Drache durchgehend feuern und das 8 Minuten lang (10000 Eier/100 Drachen * 5 Sekunden = 500 Sekunden). Da aber von 60% Verlusten ausgegangen wird und davon, dass die Drachen rollierend durch die Spähe springen müssten viel mehr Drachen im Einsatz sein. Zumal die Aussage ist, dass die Drachen nur 3 Sekunden über dem Nest sein sollen, also kürzer als die Dauer, die zum Vernichten eines Eis benötigt wird. Zeiten für Orientierung, Anvisieren und Reaktion mal ganz außen vor gelassen. Zusätzlich geht diese Variante von einer 100% Trefferquote und freiem Schussfeld für 100 Drachen aus.
  • Die Zitadelle der Schwarzen sollte doch geheim bleiben und sogar die Neugier von Drachen beeinflussen. Wieso wird dort eine Beerdigung mit tausenden von Drachen veranstaltet?
  • Alle neuen menschlichen Gefährten müssen sich ein Tatoo stechen lassen? Äh, geht’s noch?!

Lux Serie

A Lux Prequel Shadows - Jennifer L. Armentrout    Obsidian Schattendunkel - Jennifer L. Armentrout  Onyx Shattenschimmer - Jennifer L. Armentrout  Opal Schattenglanz - Jennifer L. Armentrout  Origin Schattenfunke - Jennifer L. Armentrout  Opposition Schattenblitz - Jennifer L. Armentrout    Oblivion Lichtflüstern - Jennifer L. Armentrout  Oblivion Lichtflimmern - Jennifer L. Armentrout  Oblivion Lichtflackern - Jennifer L. Armentrout

Mehrfach gelesen:

Ja

Autor(in):

Jennifer L. Armentrout

Teile der Serie:

  • Vorgeschichte: Lux 0.5 – Shadows (192 Seiten keine deutsche Übersetzung – Englisch) – Muss man nicht gelesen haben und wird auch in den anderen Büchern in verkürzter Form erzählt. Ich hade die Vorgeschichte von Beth und Dawson nicht gelesen
  • Obsidian (1) – Schattendunkel (432 Seiten)
  • Onyx (2) – Schattenschimmer (480 Seiten)
  • Opal (3) – Schattenglanz (480 Seiten)
  • Origin (4) – Schattenfunke (448 Seiten)
  • Opposition (5) – Schattenblitz (414 Seiten)

Buch 1-3 gibt es auch alternativ aus Daemon’s Sicht (die Originalserie ist aus Katy’s Sicht geschrieben):

  • Oblivion (1) – Lichtflüstern (384 Seiten)
  • Oblivion (2) – Lichtflimmern (370 Seiten)
  • Oblivion (3) – Lichtflackern (274 Seiten)

Man kann sowohl Daemon’s Sicht als auch Katy’s Sicht eigenständig lesen. Mir hat Katy’s Sicht besser gefallen.

Weiterhin gibt es noch ein paar Zusätzliche Szenen, die je nach Version in den Romanen vorkommen (in dem Fall ist dann ein Vermerk mit  Bonusgeschichten vorhanden).

Gelesenes Format:

eBook

Rezension und Inhalt:

Vor dieser Serie habe ich Twilight (Biss Serie) gelesen (ja ich weiß, etwas spät, aber ich bin männlich und altersmäßig deutlich über der geplanten Zielgruppe – das Buch stand bei mir jahrelang im Schrank, weil ich die Filme nur mittelmäßig fand – die Bücher fand ich danach aber deutlich besser und ich habe sie verschlungen).

»Ich war schon immer der Meinung, dass die schönsten Menschen – und ich meine wahrhaft schön von innen und außen – diejenigen seien, die sich dessen gar nicht bewusst sind. Wer mit seiner Schönheit hausieren geht, verschwendet, was er hat. Dessen Schönheit ist vergänglich. Nicht mehr als eine Hülle, die dunkle Leere überdeckt.«

Somit habe ich etwas vergleichbares gesucht, was aber trotzdem eine neue Story bietet und nicht nur ein Abklatsch ist. Auf die Lux Serie bin ich dann primär über Cross Promotion und die guten Wertungen gestoßen.

Es geht auch hier um eine Liebesgeschichte, bei der die Charaktere am Anfang zwar eine gewisse Zuneigung zueinander spüren, diese aber aus diversen Gründen nicht ausleben oder zeigen können. Neben der Liebesgeschichte gibt es sehr viel Action und hier geht es nicht um Vampire, sondern um Aliens (wobei mich das im ersten Moment abgeschreckt hat, aber die Darstellung der Aliens ist so angelegt, dass ich sie ziemlich gut finde und das Ganze im Prinzip auch genauso gut im Bereich der Fantasy spielen könnte).

O Mann, es war so still, dass man hätte hören können, wie ein Grashüpfer eine Fliege mit einem Karateschlag erledigt.

Die ersten drei Bücher sind – vermutlich basierend auf der Idee von der Biss Serie – aus beiden Perspektiven beschrieben. Das heißt man kann sie sowohl aus Daemon’s Perspektive (Oblivion) oder aus Katy’s Perspektive lesen. Daemon’s Perspektive bietet einige neue Szenen – zum Teil auch mit Katy – die aus ihrer Sicht nicht erzählt werden. Insgesamt hält sich der Erkenntnisgewinn aber in Grenzen. Ich habe alle 8 Bücher gelesen (das 3. aus Daemon’s Sicht gibt es stand heute nur in englisch). Zusätzlich gibt es auf der Homepage der Autorin und in den Büchern noch einigen Versionen der Bücher noch zusätzliche Szenen. Mir haben die Bücher aus Katy’s Sicht besser gefallen (das mag aber auch daran liegen, dass ich männlich bin, ich glaube den Mädels gefällt es andersrum besser). Aus Katy’s Sicht kommt etwas mehr Gefühl rüber und da sie (wie das bei dieser Art Bücher üblich ist) seine Emotionen oft sehr genau in seinem Gesicht lesen kann, bekommt man oft ein gutes Bild von seinen Gedanken. Wenn einem das nicht reicht, hilft seine Perspektive auch noch die restlichen Stellen zu verstehen. Ein paar Stellen werden ohne seine Sicht der Dinge nicht klar bzw. man kann nicht nachvollziehen was er denkt.

Die letzten beiden Bücher sind aus wechselnden Perspektiven geschrieben.

Ich stand einfach da und versuchte mir einzureden, dass meine Hitzewallungen auf ein Verdauungsproblem zurückzuführen waren und nicht darauf, dass ich eifersüchtig war.

Die Autorin greift hier aus meiner Sicht deutlich überzeugender eine halbwegs realistische Jugendsprache auf (die ändert sich natürlich ständig, somit kann ein Buch das eh nur begrenzt), als das in anderen Büchern der Fall ist (in Harry Potter reden Kids ja alle wie Erwachsende). Weiterhin werden ständig bekannte Marken oder Filme und Serien eingebunden. Es wirkt dadurch etwas moderner, wird dafür aber in einigen Jahren deutlich schwerer zugänglich sein.

Fazit:

Die Geschichte ist sehr spannend und in den ersten zwei Büchern war ich noch nicht hundertprozentig überzeugt. Das lag primär daran, dass man bis dahin nicht genügend Infos hat und alles etwas naiv und unrealistisch wirkt, weil einem die Ausmaße erst später klar werden. Spätestens ab dem Ende von Buch zwei nimmt die Geschichte aber richtig Fahrt auf und wird im letzten Band sogar episch.

Ich blickte zu dem Militärtypen. »Wer ist dieser Idiot?« Kat sah mich vorwurfsvoll an und Luc drehte sich ruckartig auf seinem Stuhl um und klang, als hätte er sich an seinem eigenen Lachen verschluckt. »O Mann, jetzt weiß ich wieder, warum ich dich mag.« »Juchei«, murmelte ich.

Die Liebesgeschichte ist toll beschrieben, wobei es gerade bei den Kuss / “Sexszenen” am Anfang interessant ist die Entwicklung zu verfolgen (diesbezüglich wird in dieser Serie deutlich mehr beschrieben als in Twilight) – im Mittelteil passiert dann aber nicht all zu viel neues was diese Szenen angeht und die Szenen wiederholen sich etwas und bremsen den Erzählfluss aus (ab dem 4. Buch Mitte bis Mitte 5. Buch). Am Ende (Buch 5) wird dann teilweise nur noch angedeutet was passiert und der Rest der Fantasie des Lesers überlassen.

Man kann sehr gut mit den Akteuren mitfühlen. der Schreibstil von Jennifer L. Armentrout ist super (frisch, locker und jung).

Bewertung:

4,5/5

Vergleichbare Serien:

Verwandte Serien:

Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

Einige kleinere Logikschwächen gibt es in dieser Buchserie aber die kann man aufgrund der Gesamtqualität aus meiner Sicht als vernachlässigbar betrachten (das ist auch der Grund warum ich 4,5 statt 5 Punkte vergeben habe).

Was mir in den neueren Jugendbüchern zunehmend nicht gefällt ist die Darstellung von Folter. Das ist auch hier der Fall. Es werden Leute grundlos so sehr gefoltert, dass sie stundenlang schreien bis sie ohnmächtig werden und es werden auch ohne Zögern dauerhafte Schäden oder der Tod als Folgen akzeptiert. Teilweise muss man sadistische Züge unterstellen.
Ich will jetzt nicht ins Detail gehen aber so ist unsere Welt (vor allem wenn staatliche Organisationen involviert sind) und das ist sicher nicht unrealistisch. Ob man das so wie in der Lux Serie in einem Jugendbuch darstellen muss, sei dahingestellt. Ich konnte mich zwischenzeitlich zumindest sehr gut in die Charaktere versetzen und man kann nur mit ihnen Leiden und Wut empfinden und würde ihnen am liebsten helfen.

Generell hat die Geschichte hier ein deutlich größeres Ausmaß als in Twilight (wo es ja nur um sehr lokale Auswirkungen und einen sehr begrenzten Personenkreis geht). Es geht zwar an einer Schule los, später geht es aber um die ganze Welt.

Am Anfang ging es mir dann etwas wie den Charakteren im Buch (Beziehung Katy zu Daemon). Ich hatte eine gewisse Hassliebe zu Daemon. Im Vergleich zu Edward aus Twilight wirkt er anfangs fast asozial (ich sag nur mit nacktem Oberkörper die neue Nachbarin an der Tür begrüßen und die Sprüche, die er ablässt), wenn man nur Katy’s Sicht der Dinge liest. Weiterhin wirkt die Geschichte am Anfang sehr naiv. Der Staat ist verwickelt.aber angeblich komplett ahnungslos. Im 3. Buch wird aber klar, dass die Geschichte deutlich größer ist, als es am Anfang scheint. Auch die Beziehung zwischen den Hauptakteuren wird deutlich interessanter. Spätestens Buch 5 nimmt dann epische Züge an, bei denen eine Invasion auf die Erde gestartet wird und sich jeder für eine Seite entscheiden muss…

Glaubhaft ist in dem Kontext auch, dass die Charaktere oft mehr oder weniger Spielball der Ereignisse sind. Die Pläne, die sie schmieden sind oft aus der Not heraus geboren und meistens mehr oder weniger Himmelfahrtskommandos. Am Ende ist es Glück, dass einige überleben – trotz der vielen Verluste. Ich finde das – aus meiner Sicht weitgehend positive Ende – aber toll.

Interessant ist, dass auch aktuelle Themen wie z.B. Gentechnik aufgegriffen werden. Es wird z.B. indirekt hinterfragt was ethisch vertretbar ist und was nicht. Ist es z.B. ok ins Erbgut einzugreifen, wenn wir Krankheiten damit heilen könnten? Wo hört das Heilen von Krankheiten auf und wo beginnt die Verbesserung? Wie schnell kommen wir dahin das damit “bessere” oder “besser kontrollierbare” Menschen “gezüchtet” werden und / oder als Armee im Krieg eingesetzt werden? Und wo werden dann die verbesserten Menschen bevorzugt, oder verschaffen sich selber Vorteile weil sie sich für besser als den Rest halten oder werden sie sogar ausgegrenzt?