Windows 11 erste Erfahrungen [Kommentar]

Da ich Urlaub hatte und nach dem ganzen Pressebohei (Mindestanforderungen Windows TPM 2.0 und nur wenige neue Prozessoren) etwas neugierig war, habe ich direkt am Dienstag auf meinem Notebook Windows 11 installiert. Aus der Vergangenheit habe ich gelernt, dass es in der Regel die bessere Wahl ist die Installation über das Media Creation Tool vorzunehmen.

Download und Installation

Download und Installation waren am Dienstag Morgen Problemlos. Nach dem Rummel vorher hätte ich zumindest beim Download Probleme erwartet.

Auch die Installation lief durch. Es wurde lediglich bemängelt, dass Start 10 nicht kompatibel ist und somit deinstalliert werden muss (das Inhaltlich nicht so ganz stimmt, denn es gibt ein Update auf Start 11, was aber nicht wie ich vermutet habe eine eigene Software, sondern aktuell wirklich nur ein Beta Update ist).

Da ich aber eh das neue Startmenü mal im Original sehen wollte, hat mich die Deinstallation nicht weiter gestört.

Nach der Installation

Entgegen der überwiegend positiven Presseberichte, hatte ich mit diversen Problemen zu kämpfen.

  • Das Startmenü geht öfter mal nicht auf (Lösung: Explorer.exe im Task Manager neu Starten). – Update 17.10.2021 Seit dem ersten Windows Patch in KW41/2021 läuft funktioniert es öfter auf Anhieb, immer aber noch nicht
  • Der Explorer schmiert ab, wenn man das neue “Kontextmenü” (zu den Anführungszeichen später mehr) benutzt. Das lässt sich in meinem Fall beheben über das Programm shexview. Damit kann man Kontextmenüerweiterungen aktivieren deaktivieren. Lustig in dem Kontext: Anfangs vermutete ich ein Programm als Schuldigen für das Problem. Es ist aber egal was ich aktiviere oder deaktiviere. Allein der Prozess behebt das Problem, aber nur bis zum nächsten Neustart. – Update 17.10.2021 Nach dem ersten Patch in KW41/2021 klappt es etwas besser, aber stabil ist das Menü noch nicht. Mal geht es direkt nach dem Start, mal nicht. Ich erkenne noch kein konkretes System.
  • Bisher hatte ich einen Absturz beim Runterfahren
  • Ab und an verschwindet die Internetverbindung (Zufallsbedingt), der Neustart behebt das Problem
  • Bei zwei Netzwerkadaptern lässt sich der zweite nicht von Öffentlich auf Privat umstellen oder andersrum. Windows bleibt bei mir in einer reproduzierbaren Dauerwechselschleife hängen und schaltet von selbst hin und her. Lediglich das verlassen des Dialogs bringt Abhilfe.

Somit ist mein Fazit: Trotz der recht überschaubaren Änderungen abseits der Optik, gibt es erstaunlich viele Probleme. Für mich hat die neue Windows Final eher Beta oder Alphastatus.

Usability

Der größte Kritikpunkt ist die Usability. Microsoft hat ohne Not viele Optionen entfernt, die die Usability verbessern. An vielen stellen hat man den Eindruck, als wenn nur 08/15 Benutzer im Fokus stehen und professionelle Anwender bewusst vergrault werden. Dafür einige Beispiele:

Das neue Kontextmenü ist sehr gewöhnungsbedürftig. Kopieren, Einfügen gibt es z.B. nur noch über Symbole (mal oben, mal unten und mal überhaupt nicht – siehe z.B. unten), viele Einträge fehlen komplett. Da Microsoft wohl eigesehen hat, dass da einiges fehlt, hat man das alte Menü eine Etage Tiefer eingebunden (weitere Optionen anzeigen). Super, immer ein Click mehr. Danke. Das Menü ist übrigens auch das was für den Explorerabsturz sorgt, auch wenn dort keine programmspezifischen Einträge vorhanden sind. Das Alte Kontextmenü (Shift + F10) geht nach meiner Erfahrung immer.

Ungrouping in der Taskleiste gibt es nicht mehr. Auch nicht per Registry hack (ok, mit der alten Taskleiste schon aber dann mit anderen Problemen, weil diese Variante in Windows 11 eigentlich nicht vorgesehen ist – dann kann man besser gleich bei Windows 10 bleiben). Es gibt also pro Programm nur ein Minisymbol und dahinter verbergen sich alle Fenster (ich hoffe also ihr kennt alle Symbole auswendig? Nein, dann schnell Lernen, Texte gibt es keine mehr). Der einzige Vorteil der sich daraus ergibt ist, dass ihr selbst mit einer Auflösung von 800×600 noch echt viel in der Taskleiste unterbringen könnt. Ansonsten dauert es mal wieder länger bis ihr das gewünschte gefunden habt. Wenn ihr z.B. mehrere Explorerfenster offen habt, drüber hoovern und versuchen mit den Briefmarkengroßen Darstellungen herauszufinden welches Fenster das richtige ist.

Scrollbalken – wow das nenne ich mal usability. Den gleichen Platz brauchen um die Information deutlich unübersichtlicher darzustellen (viel dünner wäre es nicht gegangen). Das muss man erst mal hinbekommen.

Neue Powershell – Tja, wieder so ein Fall von überragender Usability. Wenn man die alte Powershell nutzen will kommt folgendes:

Der Witz ist: Die neue Powershell ist bereits installiert, findet sich aber an anderer Stelle. Das muss man halt wissen. Windows 11 weiß es offenbar nicht.

Startmenüposition – das Startmenü ist im Standard nun mittig. Wow, das gibt es ja noch keine Ewigkeit bei Apple. Was für ein Designeinfall Microsoft. Ich bin überwältigt. gnädigerweise darf man das Startmenü aber noch links unterbringen.

Neues Design: Das ist wohl eine Geschmacksfrage. Nachdem mit Windows 10 Kacheln der letzte Schrei waren und man gefühlt jede Anwendung ohne Kacheldesign als veraltet galt, werden Kacheln nun wieder abgeschafft. Die waren wohl doch nicht so toll. Aber die Gadgets hat es ja auch schon getroffen (8Gadgets Pack funktioniert übrigens auch mit Windows 11 noch, falls jemand noch Gadgets nutzen mag, so wie ich).

Das nun die Fenster wieder rund statt eckig sind. Hatten wir alles schon ist weder neu noch modern.

Somit bleibt für mich nur das – für mich – bessere Design vom Startmenü übrig. Ziemlich wenig um eine neue Version für ein Betriebssystem zu rechtfertigen.

Taskleistenposition

Wenn ihr die Taskleiste links oder woanders hattet. Vergesst es. Nicht mit Windows 11

Windows 11 ist doch viel sicherer als Windows 10, oder nicht?

Das wird sich erst noch erweisen müssen. Aktuell ist nach der Windows 11 Installation erst mal nicht sicherer. Dafür muss neben der Erfüllung der Voraussetzungen Secure Boot im UEFI aktiv sein und die “Virtualisation based Security” aktiv sein.

Selbst auf PCs, die die Voraussetzungen erfüllen ist das aber in der Regel nicht aktiv, wenn man es nicht explizit aktiviert. Aktuell bringen die neuen Funktionen also bei vermutlich 95% der Anwender eher nichts, weil die nicht wissen, dass Secure Boot und obiges Feature erst aktiviert werden muss damit die neuen Features greifen. Wenn man die Funktionen aktiviert, verliert man aber deutlich Perfomanz (das ist wiederum ein Grund die Security Features nicht zu aktivieren).

Somit drängt sich für mich eher der Eindruck auf, dass Microsoft mit neuer Hardware mehr Windows Lizenzen verkaufen will, die Security ist offenbar nur ein vorgeschobenes Argument, dass Microsoft nicht so wichtig ist.

Fazit:

Ich kann aktuell nur abraten von Windows 11. Ich sehe keinerlei Vorteile aber viele Nachteile. Da sich inhaltlich kaum was geändert hat, finde ich die diversen Probleme schon ziemlich erstaunlich. Von den Performanzthemen in Bezug auf AMD Prozessoren und den neuen Security Features will ich jetzt nicht mal anfangen.

Lustig finde ich die teilweise schon religiös anmutenden Diskussionen in Foren (ich habe keine Probleme, also könnt ihr auch keine haben) oder wer Windows 11 noch nicht nutzt, gehört zu den ewig gestrigen (ja, klar).

Bis 2025 gibt es noch Support für Windows 10. Bis dahin hat Microsoft hoffentlich nachgebessert. Es gibt genug zu tun. An vielen Stellen hat Microsoft ohne Not verschlimmbessert in dem Alternativoptionen nicht mehr vorhanden sind. Besonders bei der Taskleiste.

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