Neues zu Hause für den Blog und Technikkram

Lahmender Blog

Wie ihr vielleicht gemerkt hat, hat sich am Lesestatus bei mir nichts geändert seit grob einer Woche. Ich hatte ja in der Montagsfrage bereits angedeutet, dass ich mir aus Performanzgründen gerade neue Hostingvarianten für den Blog teste. Der Blog liegt – neben weiteren Webseiten von mir (primär privater Kram wie Urlaubsbilder / Backup / Spielerei) – auf einem VPS (Virtual Private Server). Das ist ein virtueller Server. Der Unterschied zu einem dedizierten Server ist, dass auf der Hardware mehrere virtuelle Server laufen, die sich aber gegenüber dem Anwender so darstellen, als wenn sie komplett separiert wären. Das ist für den Hostinganbieter flexibler und kostengünstiger. Ein VPS kann man quasi genauso frei benutzen wie seinen Rechner zu Hause. D.h. man kann auf dem Rechner sehr viel frei einstellen.

Der Vorteil gegenüber einem reinen Bloghosting ist, dass man damit sehr viel mehr machen kann. Man kann beliebige Inhalte installieren, von Webmailern, Mailservern, Cloud Speichern, Backuplösungen, Teamspeak Servern usw. ist so ziemlich alles möglich.

Der Nachteil ist, dass man das auch immer einrichten muss. Obwohl ich Informatiker bin (beruflich beschäftige ich mich aber nicht mit Webhosting, PHP, HTML, Linux und co), ist es immer eine Abwägungssache wie viel Flexibilität man möchte und welche Zeit bzw. welchen Aufwand man dafür investieren will. Ist einem der zusätzliche Arbeitsaufwand den zusätzlichen Nutzen wert. Bisher habe ich immer einen Windows Server mit Plesk als Basis genutzt. Das ist relativ intuitiv und die meisten arbeiten mit Windows ja auch zu Hause, insofern geht damit auch auf einem Server die Arbeit recht gut von der Hand. Der Nachteil sowohl von Plesk als auch von  Windows ist, dass beide Herstellerunternehmen Lizenzgebühren kassieren. Das treibt die Kosten eines VPS mit guter Leistung sehr schnell in die Höhe. Speziell bei besserer Hardware werden die Lizenzkosten für die Software sehr hoch.

Da mein Server, obwohl er eigentlich ansonsten noch recht schnell war, besonders in Bezug auf den Blog doch recht arg gelahmt hat, habe ich mir angeschaut welche Alternativen ich habe.

Neues zu Hause auf Windows Basis

Der alte Server (Hosteurope) hatte 2 Kerne, 4GB RAM, Windows Server 2008 + Plesk als Ausgangsbasis.

Zwecks Vergleiches habe ich zwei neue Varianten getestet:

  • Windows Server 2016 (Strato) – 4 Kerne, 4GB RAM – mit 500GB SSD/HDD Kombination und Plesk 20€ pro Monat (fehlende Komfortfunktionen, da bessere Hardware und somit aus Kostengründen schlechtere Plesk Lizenz)
  • Windows Server 2012 (Hosteurope) – 2 Kerne, 4GB RAM – mit 150GB SSD und Plesk für 15€ pro Monat (maximale Komfortfunktionen)

Testen heißt in dem Fall, dass man alle Inhalte vom alten Server auf den neuen verschieben muss. Das ist also nicht mal so eben gemacht, mit Plesk geht das aber recht einfach, weil es dafür Assistenten anbietet. Grob kann man sagen, dass man pro Server einen Tag dafür braucht je nachdem was man noch zusätzlich einstellen muss (einiges muss nach dem Umzug manuell nachgearbeitet werden, weil Plesk es entweder nicht oder mit falschen Einstellungen umzieht).

Im Ergebnis waren beide Server etwas schneller als der alte aber wirklich viel auch nicht. Je nach Tagesform mal mehr mal weniger. Die Geschwindigkeit hängt durch die diversen Addons bei Plesk eben nicht nur von dem eigenen Server ab, sondern auch von den diversen anderen auf die man mit den Addons Daten abholt (z.B. Lovelybooks, WordPress.com usw).

Da ich von dem Ergebnis nicht so richtig begeistert war habe ich mir gedacht, wenn du eh mal dabei bist, kannst du auch mal ins kalte Wasser springen. Die Idee: Versuch doch einfach mal ein VPS mit einem Linux Betriebssystem und ohne Plesk aufzusetzen. Das ist quasi der Sprung von maximalem Komfort beim Hosting zu 0,0 Komfort und dafür aber auch 0,0 Lizenzgebühren. Aus genau dem Grund bin ich bisher auch immer vor einem Linux Server zurückgeschreckt und wie sich gezeigt hat, nicht ohne Grund, doch dazu weiter unten mehr. 😉

Erste Gehversuche mit Linux

Zum Vergleich die Daten des Linux Servers:

  • 4 Kerne mit Linux (Contabo), 13GB RAM, 1TB SSD/HDD Kombination für 12€ pro Monat  (Webmin und Lamp)

Man sieht recht deutlich – es liegen Welten zwischen der Preisleistung.

Mein erster Ansatz war nur den Server für Backups zu benutzen. Man denkt als Privatmensch nicht so darüber nach aber man hat heute recht viele Daten Urlaubsbilder, Videos, Kennwörter was auch immer, für die man maximal (wenn überhaupt) ein lokales Backup hat. Bei einem Brand oder Diebstahl ist man seine Daten im Zweifelsfall los und sie sind teilweise für immer verloren. Daher habe ich schon eine weile HiDrive von Strato im Einsatz um meine Daten dort abzulegen. Leider ist die Lösung aber nicht besonders schnell und flexibel was die Backupoptionen angeht (ohne Zusatzprotokollpaket geht es nur mit der HiDrive Software) oder ansonsten wieder teuer (mit Zusatzpaket).

Bedenken sollte man in dem Kontext auch wo man seine Daten ablegt. Für mich kommt es nicht in Frage meine Daten im Ausland zu parken. Dafür hat man über Edward Snowden einfach zu viel über die Machenschaften von NSA und amerikanischen Unternehmen bzw. deren Freunden (wie auch z.B. Großbritannien) erfahren. Wer garantiert mir denn, dass die Regierungen in den Ländern nicht mal wechseln und die Daten plötzlich zur Waffe werden?

Aller Anfang ist schwer, besonders mit Linux

Zuerst steht man dann auch als Informatiker ein weniger wie der “Ochs vorm Berg”. Das fängt schon damit an, dass man bestimmte Sachen lieber lassen sollte. Beispielsweise das PW von dem Root Nutzer ändern (vergleichbar mit dem Administrator Account bei Windows. Zwei Neuinstallationen später und einen Tag ärmer waren also schon mal die grundsätzlichen don’ts angekommen.

Danach habe ich dann schmerzlich gelernt, dass scheinbar simple Anforderungen (Remote Desktop Zugriff) bei Linux je nah Variante diverse Zusatztools benötigen, die aber teilweise nicht mit jeder Linux Version funktionieren. Auch das hat gut einen Tag gekostet – bei Windows wäre dafür überhaupt nichts erforderlich gewesen.

Natürlich habe ich schon mit Linux gearbeitet (hauptsächlich im Studium) aber einen Server aufsetzen, der zig verschiedene Bestandteile hat (Mailserver, WebDAV, Samba, RSYNC Backup Client, Teamspeak, FTP, SFTP, SSH Server, Remote Desktopzugriff, Wine, …) ist halt keine Sache die man so mal eben macht. Speziell dann nicht, wenn man weder flüssig “Linux spricht”, noch Webmin kennt und Apache bisher primär nur über Plesk bedient hat.

Dazu kommt, dass ich zu Linux immer schon eine Hassliebe gepflegt habe. Ich bin immer wieder erstaunt wie einfach manche Sachen mit ein paar Befehlen auf der Kommandozeile gehen. Als Windows Benutzer klappt einem da manchmal vor blankem Neid die Kinnlade runter. Andersrum sind aber oft simple Sachen auch dermaßen kompliziert gelöst, dass man Stunden benötigt um rauszubekommen wo es mal wieder klemmt.

Sie ist es mir in der letzten Woche gegangen. Erste Erfolge hatte ich relativ schnell aber im Detail hatte ich so viele Probleme, die immer Stunden gedauert haben, bis ich sie im Griff hatte. Das liegt natürlich an mangelnder Erfahrung mit der Umgebung aber oft sind die Fehlermeldungen, die man geliefert bekommt auch absolut nichtssagend oder es fehlen Einstellungen, die eigentlich schon im Auslieferungszustand gesetzt sein könnten (oft hat man das Gefühl, dass die Entwickler einen Einfach ärgern wollen).

“Wenn du mein Werkzeug benutzen willst, dann lies gefälligst ALLE Guides. Sonst könnte ja jeder kommen! Und die Konfiguration habe ich im Standard so verdreht eingestellt, dass überhaupt nichts funktioniert! So, und nun viel Spaß damit”

Dazu kommt dann halt, dass man genaue Beschreibungen zu irgendwelchen Fehlern erst nach der Suche in irgendwelchen Logs findet, sie aber nicht einheitlich zentral abgelegt sind, sondern mal hier mal da. Teilweise benötigt man auch Befehle auf Kommandozeile um das Problem zu analysieren. I.d.R. sind die automatisch sichtbaren Fehlermeldungen vollkommen unbrauchbar. Der vorteil ist aber das man sehr viele Informationen im Netz findet aber leider auch viele falsche.

Erste Fortschritte

Ohne zu sehr ins Detail zu gehen nur ein paar Beispiele für die diversen Probleme: Der Mailserver besteht bei Linux (zumindest in diesem Beispiel) nicht auf einer Komponente, sondern aus zwei. Allein das muss man erst mal verinnerlichen. Einem Auslieferungsteil (POP3 / IMAP Mailserver – in diesem Fall Dovecot) und einem Zustellteil, der die Mails verschickt (in diesem Fall Postfix).  Letzteren benötigt man in WordPress, um Mails verschicken zu können.

Jetzt könnte man mal als erste Fragen wieso die Komponenten nicht beide vorinstalliert sind bei einem VPS-Server. Dem ist nicht so. Wenn man sie dann installiert hat, dann drängen sich nach diversen Tests und Recherche im Internet einige Erkenntnisse auf. In der Grundeinstellung funktioniert so ziemlich nichts (kein SSL – klar das kann nicht voreingestellt sein, keine Benutzeranmeldung über SMTP, die beiden kommunizieren nicht miteinander usw.)

Allein das Thema der Einstellungen der beiden Mailserver hat mich locker einen Tag gekostet, eher mehr bis es komplett so lief wie ich mir das vorgestellt habe. Es gibt halt für jedes Tools zig Einstellmöglichkeiten und man muss auch erst mal drauf kommen, dass ein SMTP Server im Standard keine Benutzeranmeldung unterstützt.

So ging es dann quasi bei jeder Komponente auf dem Server. Das einzige was auf Anhieb lief war SSH und SFTP (da war ich schon erschrocken und dachte “Das kann doch überhaupt nicht sein, du hast doch noch nichts eingestellt und das geht einfach so?!”). Ein paar Beispiele die mich auch längere Zeit gekostet haben (der FTP Server im Standard so konfiguriert, dass er überhaupt nicht gestartet ist – falsche Konfiguration, der Apache war so falsch einstellt, dass er überhaupt keine Indexdatei also index.php und index.html geöffnet hat). Auch das falsche SSL Zertifikat hat er zuerst ausgeliefert (ich habe aktuell zwei Homepages auf dem Linux Server).

Neues (vorübergehendes oder dauerhaftes?) zu Hause für den Buchblog

Mit dem Apachen stand ich also längere Zeit auf Kriegsfuß und so richtig gute Freunde sind wir nach wie vor nicht. Moment? Zwei Homepages? Das war doch überhaupt nicht geplant?! Richtig aber nachdem ich das ganze Backupthema soweit am Laufen hatte dachte ich mir probier doch einfach mal aus wie sich der Buchblog auf dem Linux Server so macht.

Gestern Abend habe ich dann den ersten Versuch der Umstellung gewagt und bin an zwei Themen gescheitert (falsche Permalinks von WordPress und falsches SSL Zertifikat. Da lief die Seite also 2 Stunden nicht rund und irgendwann kurz nach 2 nachts habe ich dann zwar ein Problem gelöst aber das zweite nicht. Da habe ich dann erst mal aufgegeben und heute Morgen weiter gemacht.

Auch der Umzug des Blogs war im Detail also schwieriger als gedacht aber einige Tage später läuft nun scheinbar alles. Bis auf ein paar Kleinigkeiten bin ich mit dem Server nun zufrieden. Aber auf einem Linux Server hat man aufgrund der Unmenge an Möglichkeiten immer was zu tun.

Vorerst werde ich den Windows Server noch als Backup bzw. Ersatzlösung behalten. Das neue zu Hause befindet sich also quasi im Betastadium. 🙂

Ich weiß auch nicht so genau wie sich die Performanz des Blogs verhält, wenn ich größere Backups auf der Linux Maschiene mache aber eigentlich sollten genügend Reserven vorhanden sein.

Und was bringt’s so?

Der Blog ist nun deutlich schneller. als vorher. Das ist sowohl beim Seitenaufbau als auch bei der Bedienung von WordPress beim schreiben von Blogs oder beim Konfigurieren und Installieren von Plugins spürbar. Weiterhin ist der Server auch noch günstiger als die vorherige Variante.

Die Bedienung ist aber viel komplexer als vorher. Manche Sachen, die vorher ein Klick waren sind jetzt mit stundenlangem Suchen und Probieren verbunden. Das Optimum stellt also wohl ein Linux Server mit Plesk dar. Beim nächsten Mal dann. 😉

Fazit:

Ist bin jetzt einige gefühlte graue Haare reicher, total übernächtigt und habe eine Woche Lebenszeit verbrannt. Dafür habe ich jetzt aber einen Backupserver mit diversen Funktionen, der sich mit viel teureren Alternativen messen kann + ein neues ziemlich performantes zu Hause für den Blog und ich habe eine Menge gelernt. Bei Linux ist es oft die eine Zeile, der eine Befehl die den Unterschied ausmachen. Dummerweise weiß man das immer erst, nachdem man x Stunden auf die Suche danach verschwendet hat. Wobei das im Leben natürlich oft so ist, nachher ist man immer schlauer. 😉

Morgen hoffe ich dann mal wieder zum Lesen zu kommen, wenn sich nicht wieder neue Themen abzeichnen. Wie war das so schon? Mal eben einen Server aufsetzen. Mal eben ist eben nie mal eben.

 

 

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