Stromlos Odyssee [Buch]

Stromlos Odyssee Band 2 - A.J. Marini

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

A.J. Marini

Teile der Serie:

  • Stromlos Cumulonimbus (428 Seiten)
  • Stromlos Odyssee – Band 2 (336 Seiten)

Gelesenes Format:

Taschenbuch

Rezension und Inhalt:

Soll ich springen? Ein kleiner Schritt, und er Irrsinn hätte ein Ende. Mein Blick gleitet hinab in die dunkle Tiefe Schwindel überfällt mich bei der Vorstellung ich könnte gleich inen Kilometer in das schwarze nichts hinunterstürzen.

Dies ist Band zwei aus der Stromlos Reihe und ich habe ihn als Rezensionsexemplar erhalten. Ich hatte der Rezension unter der Bedingung zugesagt, dass ich auch Band 1 bekomme. Der kam allerdings trotz mehrfacher Rückfrage nie. Somit gibt es glaube ich zum ersten Mal auf meinem Blog Band 2 aus einer Reihe zuerst.

Es handelt sich also um ein kostenloses Rezensionsexemplar, was meine Wertung allerdings nicht beeinflusst.

Das Buch beginnt damit, dass der Strom ausgefallen ist. Offenbar ist das in der Zukunft noch schlimmer als bei uns, denn Ben sieht im ersten Kapitel die Lage derart kritisch, dass er über Selbstmord nachdenkt und seinen Kummer in Alkohol ertränkt. Er ist also eher Antiheld als Held. Glücklicherweise hat er eine tatkräftige Frau an der Seite, die seine Haushälterin ist (mit Dr. Titel) und die erst kürzlich von der CIA als Terroristin verhaftet wurde, in deren Comouter sich unser Antihelt mal Kurz mit Software aus der IT Abteilung seines Unternehmens eingehackt hat.

Ihr merkt schon. Es geht sehr abstrus los. Zum Glück erfolgt relativ kurz danach auch etwas Erklärung, die aber viele Fragen offen lässt. Die “Haushälterin” ist eigentlich Forscherin und versucht ein Stück Regenwald zu retten, dass ein Unternehmen vernichten will um das Geländer anderweitig zu nutzen. Der Mann, für den Sie als Haushälterin arbeitet ist für das entsprechende Projekt zuständig. Welche Intentionen Sie genau hat bleibt unklar.

Ich versuche Harveys Blick möglichst neutral zu begegnen, um mich nicht noch schlechter zu fühlen, obwohl ich es gleichzeitig kaum erwarten kann, den Schwachkopf in die Tiefe springen zu sehen.

Bevor Emi ihr Forschungsprojekt abbrechen musste, hat sie auf die Ausrüstung von des Unternehmens einen Anschlag verübt, um die Rodung temporär zu stoppen.

Emis Vater arbeitet bei der Nasa und ist dort für Geheimprojekte zuständig. Er hat Emi vor dem bevorstehenden dauerhaften Stromausfall gewarnt. Es handelt sich aber nicht um einen simplen Stromausfall, jegliche elektronischen Geräte auch batteriebetrieben funktionieren nicht mehr.

Ben labt sich am Leid anderer, ist ein Kotzbrocken, Alkoholiker, arrogant, oberflächlich und narzisstisch. Emi ist eher das Gegenteil und setzt sich für andere ein.

Ben wandelt sich aber in der Geschichte relativ schnell (was ich für unglaubwürdig halte).

Schaffen Sie das? Was glaubt der Schwachkopf, wer ich bin! Ich zeige mich nachsichtig. “Das bekomme ich hin, Harvey!”, und kann mir ein abfälliges Grinsen dann doch nicht verkneifen.

Im Buch wird anfangs die Situation im Hochhaus (feststeckende Fahrstühle) und anschließend die aufkommende Anarchie. Relativ schnell ist das Buch mit einer Schilderung aus einem Survival Spiel. Von Kannibalen bis Banden ist alles dabei und die Zustände werden immer desaströser.

Ich vermute der Autor möchte mit dem Buch einerseits unterhalten und andererseits zum Nachdenken anregen. Das die Menschen in Katastrophensituationen derart reagieren ist nichts Neues. Gerade aus den USA (viele Schusswaffen) sieht man das bei jeder größeren Katastrophe wie z.B. Wirbelstürmen oder aktuell Waldbränden. Das Umweltthema was im Hintergrund mitschwingt wirkt im Vergleich zur Survival Situation geradezu banal. Will der Autor warnen was wir Menschen mit der Welt anstellen? Ich glaub das ist zu spät. Die Klimaerwärmung und die daraus entstehenden Folgen führen zu keinerlei Umdenken, da wird ein Buch auch nicht helfen.

Hinterfragt wird wie wir mir der Umwelt umgehen und ob das moderne Leben, dass wir führen oder das Spielen in Onlinewelten der richtige Weg ist. Andersrum ist aber auch das Lesen von Büchern nichts anderes als Zeit in Onlinewelten verbringen. In beiden Fällen eine temporäre Flucht aus der Realität.

Es wird auch schnell deutlich wie abhängig wir von den Lieferketten sind (man hat es ja selbst bei Korona gesehen). Heute kann sich faktisch fast niemand mehr selbst versorgen. Wir haben kaum etwas essbares im Garten und ohne die Lebensmittel im Supermarkt wären wir in kurzer Zeit verhungert, mangels Alternativen.

Fazit:

Doch ich weiß, dass Glück eine Schlampe ist, die einem nicht ewig zulächelt.

An diversen Stellen fand ich die beschriebene Welt im Buch nicht stimmig oder gut recherchiert.

Die Geschichte ist durchaus mal was anderes und abseits des Einheitsbreis. Die Öko- und Umweltaspekte wirken vor dem plötzlich entstehenden Survial Szenario ziemlich unbedeutend.

Das Buch ist unterhaltsam aber auch oft auch etwas schräg und regt zum Nachdenken an.

Bens kompletten Wandel in kürzester Zeit finde ich nicht sonderlich glaubwürdig.

Bewertung:

3.5 out of 5 stars 3,5/5

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Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

  • Der Hauptcharakter ist seltsam. Der Strom ist ausgefallen und er denkt über Selbstmord nach (auch einem fast 1km Hochhaus runter springen), hat aber Angst über das Dach das Gebäude zu verlassen (wie auch immer das gehen soll) von einer Wonung aus. Offenbar hat er direkten Zugang zur “Aussichtsplattform” auf dem Dach. Gewöhnlich haben derartige Gebäude keine Balkone oder zu öffnenden Fenster allein aufgrund des Windverhältnisse in großen Höhen und der Tatsache, dass der Gefahr von Gegenständen, die runterfallen / geworfen werden. Wohnungstüren, die sich nur mit Strom öffnen lassen, sollte es auch nicht geben (Fluchtweg?)
  • Offenbar ist die Zukunft anders als unsere Welt. Auf hohen Gebäuden (1km hohe Gebäude gibt es noch nicht) aber auf den Gebäuden, die annähernd so hoch sind gibt es oben keine ungeschützte Aussichtsplattform.
  • Wenn ihr Vater überwacht worden wäre, dann wäre sicherlich nicht nur die Kommunikation zu Emi überwacht worden, sondern jegliche Kommunikation.
  • Wie soll man denn Brandrodung (in Rauch aufgehen) von Urwald durch einen Brandanschlag auf Ausrüstung verhindern? Das ergibt keinen Sinn. Viel Ausrüstung braucht es nicht, um Urwald abzufackeln (siehe Brasilien)
  • Ein gern gemachter Fehler bei Dystopien. Es wird ein Vermerk in seine RFID erwähnt. Wenn wir von einer dystopischen Zukunft reden, dann braucht es keine Einträge an der Person, sondern jede Person hat eine ID. Der Eintrag braucht nur in einer zentralen Datenbank der Regierung vorgenommen werden. Wenn jede Person den Eintrag in sich tragen würde, wäre das viel leichter zu ändern / fälschen.
  • Bei einem derart mächtigen Konzernchef wird einfach eine Haushälterin eingestellt ohne Hintergrundprüfung?
  • Warum sollte Emi 300 Stockwerke nach unten laufen um dann anschließend 300 Stockwerke nach oben zu laufen und Bates zu “retten”. Vielleicht sollte er einfach selbst laufen? Gerettet werden muss er nicht.
  • Das Treppenhaus hat kleine Fenster nach außen? Ich bin kein Spezialist für Wolkenkratzer aber meines Wissens nach sind Treppenhäuser / Lifte bei besonders hohen Gebäuden eher im Mittelbereich. Mag aber sein, dass das nicht zwingend so sein muss.
  • Was hat die Hausverwaltung mit der Haushälterin zu tun? Die ist doch eher ein Privatvergnügen und dürfte kaum zum Apartment dazu zu gehören.
  • Ric wurde selbst aus einem Aufzug befreit, sieht aber keinen Sinn darin andere zu befreien. Davon abgesehen: Wo sind denn die Techniker, wenn in zwei Tagen niemand aus den Aufzügen befreit wurde? Gut zugegeben, nach einer relativ kurzen Zeit würde vermutlich jeder an sich selbst denken und keiner mehr seiner Arbeit nachgehen aber vermutlich würde es auch noch einige Menschen geben, die anderen helfen wollen.
  • Das Hochhaus hat 300 Stockwerke und ein Treppenhaus bei dem man in der Mitte von oben bis unten runter springen kann? Ich wüsste nicht ein modernes Gebäude, bei dem das Treppenhaus überhaupt in der Mitte offen ist. Davon abgesehen würde das einen immensen Kamineffekt verursachen.
  • Wie soll in einem Onlinespiel mit vielen Teilnehmern eine Pausefunktion funktionieren? Sobald einer Pause drückt bleibt die Welt für alle stehen?
  • In einer Zukunft in der alles von Elektrizität abhängt sollen nicht klimatisierte Gebäude (zum Teil ohne zu öffnende Fenster) von der Temperatur angenehmer sein als sich draußen aufzuhalten?
  • Spätestens bei die Szene mit den Kannibalen mit den abgefeilten Zähnen ist sehr abstrus. Wo sollen die Kannibalen mit abgeschliffenen Zähnen innerhalb weniger Tage plötzlich herkommen? Die wirken ja nicht gerade, als wenn sie gerade erst damit begonnen hätten Menschen zu verspeisen. Genauso wie die Jäger mit Flammenwerfern und Pferden. Es mag ja sein, dass sich irgendwer als Wächter des Anstandes aufspielt aber die Flammenwerfer fallen auch nicht vom Himmel und irgendwelche Reiche Schnösel würden in einem derartigen Szenario eher anderes im Sinn haben als Hilfspolizei zu spielen.
  • Dass Ben sich so leicht übervorteilen lässt ist unglaublich. Ich habe mir vorher schon gedacht, der wird kein Waschpulver holen, sondern eine Knarre oder andere Waffe.
  • Auf einem Segelschiff auf offenem Meer schläft man nicht lange. Im Gegenteil müsste rund um die Uhr jemand darauf achten, dass man auf Kurs bleibt (Autopiloten gibt es mangels Elektrizität nicht mehr), das Wetter nicht umschlägt und man nichts rammt, außer wenn man in Küstennähe ankern kann. Und auch das wäre nicht ungefährlich, weil man jederzeit geentert werden könnte.

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