Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst [Buch]

Der große Trip Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst - Cheryl Strayed

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

Cheryl Strayed

Titel:

  • Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst (449 Seiten)

Gelesenes Format:

eBook

Rezension und Inhalt:

Ein Liter Wasser, so lernte ich später, wiegt ein Kilogramm. Ich weiß nicht, wie viel mein Rucksack an diesem ersten Tag wog, aber ich weiß, dass allein das Wasser zwölf Kilo ausmachte.

Die Geschichte ist vermutlich bereits hinreichend bekannt, da sie auch verfilmt wurde. Die Handlung basiert auf wahren Begebenheiten, ist also nicht erfunden.

Falls nicht, nur mal in kurz:

Cheryl Strayed hat ihre Mutter verloren mit 22 und ihr Vater ist schon verschwunden als sie 6 war bzw. ihre Mutter hat ihn verlassen (er hat ihre Mutter regelmäßig geschlagen und getrunken). Seit ihre Mutter gestorben ist versucht sie den Rest der Familie zusammen zu halten. Ihre Geschwister trauern auf ihre eigene Art.

Dass mir dazu die Kraft fehlen könnte, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Ich war wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass, wenn ich alles, was ich zum Wandern brauchte, zusammenpackte, ein Gewicht herauskam, das ich tragen konnte.

Cheryl hat eine sehr enge Beziehung zu ihrer Mutter gehabt und kommt mit dem Verlust nicht klar.

Cheryl nimmt Drogen hat Sex mit diversen Männern und Ihre Ehe geht den Bach runter und sie wird Schwanger. Sie ist zu dieser Zeit ein ziemlich leichtes Mädchen und setzt ihre Weiblichkeit sehr bewust ein.

Mit 26 ist sie am Ende und beschließt den Pacific Crest Trail zu wandern. 1000 Meilen Luftlinie (rund 4300km zu Fuß) von der mexikanischen Grenze bis zur kanadischen Grenze. Quer durch die Natur und teilweise weit abseits der Zivilisation (auch wenn sie nie vor hatte den ganzen Trail zu wandern).

Angst erwächst zu einem großen Teil aus einer Geschichte, die wir uns selbst erzählen

Die Geschichte springt zuerst zu einem Erlebnis im ersten Teil des Trails und fängt mit der Diagnose im Krankenhaus an, bei der ihre Mutter vom Arzt mitgeteilt bekommt, dass sie Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium hat.

Gut finde ich, dass im Gegensatz zum Jakobsweg der religiöse Ansatz bei den amerikanischen Trails nicht im Vordergrund steht.

»Ah!«, schrie ich, als wie aus dem Nichts plötzlich ein zottiges Tier auf dem Pfad stand, so dicht vor mir, dass ich es riechen konnte. Ein Bär, wie ich in der nächsten Sekunde begriff. Seine Augen streiften mich mit einem nichts sagenden Blick, bevor er schnaubend herumwirbelte und in Richtung Norden den Trail entlangtrabte. Wieso mussten sie immer in die Richtung rennen, in die ich wollte?

Cheryl schreibt sehr schonungslos ihre Emotionen und Gedanken nieder. Das macht sie nicht immer syphatisch aber absolut authentisch. Ob wirklich alles genau so passiert ist (die Erinnerungen sind teilweise extrem detailliert), weiß ich nicht.

Im Netz findet man teilweise heftige Kritik – ob das einfach Neid ist oder wirklich begründet, sei dahingestellt.

Einige kritisieren wie unvorbereitet sie war und das sie sich auf andere Verlassen hat. Die Kritik halte ich für nur für bedingt berechtigt – klar muss man zu einem gewissen Grad naiv sein um so eine Tour zu machen aber dass sie jemand rettet ist oder sie unterstützt ist nun wirklich nicht zu erwarten bei der geringen Anzahl von Leuten, denen sie damals begegnet ist. Das sie nicht besonders gut vorbereitet war stimmt natürlich – aber hey, es ist ihr Leben.

Niemand kann wissen, warum das eine geschieht und das andere nicht. Was zu was führt. Was was zerstört. Was der Grund dafür ist, dass etwas erblüht, etwas anderes zugrunde geht oder einen anderen Verlauf nimmt.

Andere kritisieren, dass sie nicht den kompletten Trail gelaufen ist (sie fängt in Mojave an, der Teil beginnt aber an der mexikanischen Grenze und hört auch deutlich früher auf als an der kanadischen Grenze und zwischendurch überspringt sie ein ziemlich großen Stück wegen Schnee – letztlich sind das alles nur willkürliche Landmarken). Ich glaube ehrlich gesagt darum geht es in ihrem Fall nicht. Es geht eher darum, dass sie sich selbst gefunden hat auch wenn sie weniger als die Hälfte des Trails zurückgelegt hat. Wobei mir das vor dem Lesen des Buches auch nicht bewusst war.

Zwei Wochen später rief Paul an. Er wollte mich sehen. Auf der Stelle. Lisa hatte ihm von Joe und meinem Heroinkonsum erzählt, darauf hatte er sich sofort ins Auto gesetzt und war die 2700 Kilometer von Minneapolis nonstop durchgefahren, um mit mir zu reden.

Wieder andere regen sich darüber auf, dass sie alleine gewandert ist. Mit Verlaub, dass ist der Sinn bei einer derartigen Wanderung. Klar trifft man auf Leute und wandert auch mal zusammen aber der Sinn ist es ja eben auch mal allein seinen Gedanken nachzuhängen und neue Leute kennen zu lernen und wenn man schon in einer Gruppe los läuft ist beides eher schwierig.

Natürlich war ihr Buch sehr erfolgreich und wurde dann später auch verfilmt. Das passiert anderen Wanderern nicht, obwohl sie den ganzen Trail gelaufen sind. Aber wie so oft im Leben ist eben nicht alles gerecht. Somit ist klar, dass es auch Neider gibt.

ich begriff, dass das, was ich mit meinem Geständnis in Gang gesetzt hatte, nicht nur zu meiner Scheidung geführt hatte, sondern auch dazu, dass ich jetzt allein in Old Station, Kalifornien, unter einem großartigen Himmel an einem Picknicktisch saß. Ich war weder traurig noch glücklich.

Mittlerweile hat die Anzahl der Wanderer, die den kompletten Trail begehen deutlich zugenommen. Von rund 20, die sich 1995 gemeldet haben zu über 700 im Jahr 2016. Da das freiwillige Meldungen sind, können die realen Zahlen deutlich höher sein. Und das sind nur die, die den kompletten Trail gelaufen sind und sich registriert haben. Jetzt denkt ihr vielleicht 700 Leute im Jahr ist doch nicht viel. Die laufen aber alle ziemlich genau zur gleichen Zeit los, weil das Zeitfenster für den Start aufgrund der Jahreszeiten und des Wetters recht begrenzt ist.

So abenteuerlich wie früher ist der Trail somit nicht mehr, weil man doch wohl recht regelmäßig Leuten begegnet, sofern man nicht vom Weg abweicht.

»Ein Vater hat die Aufgabe, seinen Kindern beizubringen, Krieger zu werden, ihnen das Selbstvertrauen zu geben, aufs Pferd zu steigen und in die Schlacht zu reiten, wenn es notwendig ist. Wenn Sie es von Ihrem Vater nicht gelernt haben, müssen Sie sich es selbst beibringen.«

Die Schreibweise des Buches empfand ich anfangs etwas anstrengend, was sich aber recht gegeben hat. Ab und an neigt Cheryl oder die Übersetzerin zu etwas komplexen Satzmonstern.

Die Geschichte handelt nur zu einem Teil von der eigentlichen Reise. Der andere Teil der Geschichte beschäftigt sich mit Cheryls Vergangenheit und ihrer Selbstfindung. Also ja es geht um eine Reise aber eben nur der Reise von einem Ort zu einem anderen. Wer hier also auf eine reine Beschreibung der Reise hofft, wird enttäuscht sein. Andererseits wäre die reine Reisebeschreibung bei über 400 Seiten vermutlich auch ziemlich schnell langweilig.

Keine Stunde später trat ich beinahe wieder auf eine Klapperschlange, obwohl auch sie mich höflich mit ihrer Rassel gewarnt hatte.

Dementsprechend ist man über weite Strecken des Buches in den Gedanken von Cheryl unterwegs. Ab und an trifft sie auf Leute und die Geschichte wechselt immer weider zwischen aktuell erlebten Dingen und Rückblicken.

Auch diese Reise lebt von Begegnungen mit anderen Menschen, wenn es auch viel weniger sind, als zum Beispiel bei einer Reise durch besiedelte Gebiete. Oft sind es Menschen, die man danach nie wieder sieht (bei Cheryl mag das durch Buch und Film etwas anders gelaufen sein als bei den meisten anderen PCT Wanderern). Der Trip besteht also auch aus einem Kennenlernen und verlassen von Leuten, die man liebgewonnen hat (damals vermutlich mehr als heute, weil man heute aufgrund der Menge der Leute um einen rum kaum noch intensive Beziehungen aufbauen wird).

Fazit:

Es war tatsächlich vorbei, dachte ich. Es gab kein Zurück, keine Möglichkeit, den Augenblick festzuhalten. Die gab es nie.

In dem Buch geht es zwar auch um den Pacific Crest Trail aber ganz wesentlich um die Verarbeitung des Todes von Cheryls Mutter. Zusätzlich erhält der Leser in den vielen Rückblicken einen Eindruck was für eine Person Cheryls Mutter war, wie Cheryls Kindheit verlaufen ist und ihr bisheriges Leben. Das Buch ist also eine Mischung von Reiselektüre und Selbstfindung. Ich finde das Buch sehr lesenswert.

Am späten Nachmittag gelangte ich an einen schattigen Platz, auf dem ein Picknicktisch stand – ein seltener Luxus auf dem Trail. Im Näherkommen sah ich, dass auf dem Tisch ein Pfirsich lag, unter dem ein Zettel klemmte.

Zu dem Buch gibt es auch einen Film “Wild – der große Trip”. Der Film greift diverse Ereignisse aus dem Buch auf und gibt diese recht Originalgetreu wieder. Einiges fehlt auch im Film. Wie üblich ist der Film also detaillierter aber der Kern der Erzählung ist sehr gut beibehalten worden. Dazu kommt noch, dass man im Film einige tolle Aufnahmen vom Trail zu sehen bekommt. Ich kann also sowohl den Film als auch das Buch empfehlen. Das Abenteuer wie es Cheryl 1995 erlebt hat gibt es aber in der Form heute so nicht mehr, weil der Trail nun zu bekannt ist. Das ist also ein Fall, wo sich das Buch und vor allem der Film nicht als vorteilhaft für die Region erwiesen hat.

Wenn ihr weitere Beiträge zum Thema Reisen (und auch zum PCT) sucht, findet ihr sie hier.

Bewertung:

4 out of 5 stars 4/5

Vergleichbare Bücher / Serien:

Verwandte Bücher / Serien:

Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

  • Ich war wirklich überrascht, dass Cheryl weniger als die Hälfte des Trails gelaufen ist (das wird sonst nicht so eindeutig erwähnt – da wird sie ja fast als Heldin dargestellt, obwohl viele auch den ganzen Trail laufen – wobei sich wohl auch zwei Fraktionen unterscheiden. Die Einen, die den Trail einfach abhaken wollen auf der Liste der Errungenschaften und die anderen, die ihn einfach wandern wollen.
  • Ich bin etwas erstaunt darüber, dass Cheryl so detailliert Tagebuch geführt hat, da sie nach dem Wandern lt. Buch sehr oft kaputt war und nicht mal mehr gegessen hat.
  • Ich hätte ja echt Lust mal so eine Wanderung zu machen. Alles hinter sich lassen und mal ein halbes Jahr weg von allem. Allerdings scheint der PCT jetzt leider auch überfüllt zu sein (der Appalachian Trail war es vorher schon).

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Mit 50 Euro um die Welt [Buch]

Mit 50 Euro um die Welt - Christopher Schacht

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

Christopher Schacht

Titel:

  • Mit 50 Euro um die Welt (304 Seiten)

Gelesenes Format:

gebundene Ausgabe

Rezension und Inhalt:

ich bin auf meiner Reise unzähligen Leuten begegnet, die in ihren Bambushütten glücklicher und zufriedener waren also so mancher Porsche-Fahrer in Deuschland

Das Buch handelt von den Erlebnissen von Christopher Schacht, der im Jahre 2013 – kurz nach dem Abi mit 50 Euro in der Tasche los zog um die Welt zu erkunden. Ohne Plan, ohne Pflichten und einfach ab ins Ungewisse.

Zusätzlich hatte er sich als Ziel gesetzt auf der ganzen Reise um die Welt kein Flugzeug zu benutzen.

In dem Buch gibt es eine ganze reihe Fotos die seine Erzählungen begleiten. Er hat eine ganze Menge erlebt:

  • 45 Länder
  • 1512 Tage (also knapp über 4 Jahre)
  • 5 Weltwunder
  • über 100.000km zu Wasser und zu Land
  • eine Frau gefunden
  • 5 Sprachen erlernt

Ob das Geld reicht, hängt gar nicht so sehr davon ab, wie viel man verdient. Es hängt davon ab, wie viel man ausgibt.

Beim Lesen des Buches wird einem schnell klar, dass für eine derartige Tour der nötige Mut, eine ganze Menge Naivität, Mut, Spontanität, Geduld, viel Vertrauen, Gelassenheit und eine ganze Menge Glück erforderlich ist.

Christopher hat große Teile der Strecke als Tramper zurückgelegt und dabei sehr unterschiedliche Menschen kennengelernt vom Drogenhändler über Prostituierte bis zum Arzt und Soldaten war wohl so ziemlich alles dabei.

Wenn du nicht zuerst das Herz des anderen gewinnst, wirst du ihn nie überzeugen. Wenn du weiterkommen willst, dann musst du Diskussionen nicht nur mit dem Verstand führen. Sondern auch von Herz zu Herz.

Er ist regelmäßig Probleme gestoßen und musste die lösen. Er demonstriert auch recht beeindruckend mit wie wenig Geld man zurechtkommen kann. Klar kann man dann nicht alles von innen besichtigen oder irgendwo essen gehen aber über die Runden kommt man trotzdem. Wenn ich mir überlege was ich teilweise für eine einzige Urlaubstour ausgebe…

Und es ist wirklich erfrischend von seinen Erlebnissen zu hören. Da trifft er ohne Spanischkenntnisse in Spanien auf eine Kolumbianerin, die ihn gleich eine kostenlose Unterkunft anbietet, zwei Söhne in seinem Alter hat, die ihm die Stadt zeigen und ihn auch noch mal eben eine Woche in spanisch unterrichtet, weil sie eh gerade Urlaub hat. Wahnsinn, oder?

Ich habe gelernt mit sehr wenig zufrieden zu sein

Solche Begegnungen hat er sehr oft. Der deutsche Auswanderer, den er bei einem Job in Spanien trifft und der einem Tipps gibt wie er zu einem Job auf einem Segelschiff kommt und so den Atlantik überqueren kann und ihm auch gleich seine Segelkleidung überlässt und früher mal Segellehrer war.

es muss gar nicht viel Aufwand und Zeit sein, die man in die Zukunft eines anderen Menschen investiert, und doch kann man mit solchen kleinen Steinen eine ganze Lawine ins Rollen bringen

Noch so ein Beispiel: Er soll bei einer einwöchigen Tour auf einem Schiff als Koch arbeiten, kann aber nicht gut kochen. Er will ablehnen. Der Eigner von dem Schiff auf dem er gerade schläft war mal Koch, verpasst ihm einen Schnellkurs und er nimmt den Job an.

Ich glaube zwei ganz wesentliche Faktoren waren sein sonniges Gemüt (er scheint quasi immer gut drauf zu sein und hat auch offenbar immer ein Lächeln im Gesicht) und er ist äußerst genügsam.

Derartige Erfahrungen findet man übrigens auch in anderen Weltreisebüchern oder Reportagen. Man kommt unglaublich weit, wenn man auf die Leute zugeht. Man muss sich aber auch keine Illusionen machen. Die Bücher schreiben die Leute, die das überstanden haben und denen nichts Schlimmes passiert ist. Die Leute bei denen es nicht so gelaufen ist, schreiben keine Bücher mehr.

Wenn man also Fremden gegenüber allzu ablehnend ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man eine tolle Begegnung mit einem netten Menschen verpasst, viel größer als die, an einen fiesen Typen zu geraten und einen Nachteil zu haben.

Daraus kann dann auch schnell ein Selbstläufer werden. Man lernt Leute kennen, die andere Leute kennen und einem Tipps geben. Sofern von einer Reise im Internet berichtet wird, gibt es Leute, die einen kennenlernen wollen und die irgendwann spontan zu einem Stoßen, so auch hier.

Er hat hat teilweise sehr nette Leute kennen gelernt die ihm geholfen haben, musste aber auch diverse kleinere und größere Enttäuschungen hinnehmen. Zum Beispiel wurden ihm öfter Sachen versprochen die dann später nicht eingehalten wurden.

Zu Hause ist da, wo die Menschen sind, die einen lieben

Ganz nebenbei hat er auf der Reise noch eine Frau kennengelernt, die er nun geheiratet hat. Auf das Buch sind diverse Medien aufmerksam geworden, was das Buch mal kurz auf Platz 1 in dem entsprechenden Genre verfachtet hat (bei dem großen online Buchhändler). Wenn man nicht wüsste, dass es wirklich passiert, ist könnte man es glatt für ein Märchen halten. Da darf man schon neidisch sein. 😉

Heute entscheiden wir, wer wir morgen sind

Aber hey, für alle die gerne kitschige Liebesromane lesen. Es besteht offenbar Hoffnung, wenn auch keine besonders große. Allerdings haben die beiden das nun auch alles sehr medienwirksam gemacht.

Hindernisse sind selten die Ursache fürs Scheitern. Meistens ist es mangelnder Glaube an sich selbst und das Machbare

Was die Frau und die Begegnung angeht, habe ich kürzlich in einer Fernsehdoku übrigens genau das gleiche gehört (siehe hier). Die beiden haben sich unter vergleichbaren Umständen mitten auf der Reise kennengelernt.

Da Christopher nebenbei die Bibel gelesen hat, bringt er auch immer wieder Weisheiten und neue Vorsätze ein – den Teil finde ich nicht so toll. Jeder kann ja glauben was er will. Bekehren muss man andere Menschen aber nicht. Mitglieder beliebiger Religionen haben aber offenbar den Eindruck, dass der Rest der Welt mit ihnen übereinstimmen muss. Missionieren war noch nie so mein Ding.

Oft wissen wir erst zu schätzen was wir haben, wenn es weg ist!

Christopher studiert nun – im Gegensatz zu seinem Ursprünglichen Plan Informatik zu studieren – Theologie.

Einige Tipps für Nachahmer und einige Lebensweisheiten und Erkenntnisse gibt es noch dazu.

Fazit:

Wir alle wünschen und Menschen, die auch dann noch zu uns stehen, wenn es sie etwas kostet. Aber sind sind auch wir bereit, zu anderen zu stehen, wenn es uns etwas kostet?

Das Buch liest sich weitgehend recht kurzweilig. Streckenweise hat es aber auch gewisse Längen aber das hält sich in Grenzen und ist letztlich auch eine Geschmacksfrage.

Einen detaillierten Reisebericht sollte man nicht erwarten. Christopher springt immer wieder zu bestimmten Szenen seiner Reise und gibt diese wieder. Dabei werden auch mal gerne ein paar Monate sehr kurz behandelt oder übersprungen und andere Passagen detailliert behandelt.

Buddha hat gesagt: Niemand rettet uns, außer wir selbst

Wer also das Fernweh in sich spürt, ist bei dem Buch gut aufgehoben, wenn auch die Art zu reisen nicht jedermanns Sache ist. Ich weiß auch nicht, ob das so für jeden funktionieren würde. Christopher war sehr jung, sieht aus wie ein Sonnyboy und hat auch noch ständig ein Lächeln im Gesicht. Das hilft sicher. 🙂

Aber eins steht fest: So lernt man wirklich Leute kennen. Ich finde das Buch sehr lesenswert.

Wenn ihr weitere Beiträge zum Thema Reisen sucht, findet ihr sie hier.

Bewertung:

4 out of 5 stars 4/5

Vergleichbare Bücher / Serien:

Verwandte Bücher / Serien:

Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

  • Einerseits bin ich ziemlich beeindruckt von Menschen die einfach so losziehen – andererseits hat auch diese Reise gezeigt, dass es auf dem Weg von Indien nach Deutschland doch reichlich gefährlich sein kann (und das ist ja nicht nur bei dieser Reise so, sondern die Regel)
  • Die Aktion mit dem Vulkan scheint mir auch reichlich waghalsig. Nachts und dann hoffen, dass man von nichts getroffen wird. Vielleicht muss man diese Naivität einfach besitzen um so eine Reise anzutreten. Es gibt ja genügend Menschen weltweit, die von der Hand in den Mund Leben und ständig größeren Gefahren ausgesetzt sind als wir aber trotzdem glücklicher sind.
  • Christophers Gedanken zu Ermöglichern / Enablern finde ich ziemlich interessant. Es ist oft so, dass man wirklich nur jemanden braucht, der einem ein wenig hilft oder den richtigen Anstoß gibt. Es wäre wirklich klasse, wenn es davon mehr Menschen gibt und den Ansatz sich das selbst als Vorsatz zu nehmen ist toll. Seine Geschichte zum Thema Kochen in dem Kontext ist da ein sehr gutes Beispiel.

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Percy Jackson [Serie]

Percy Jackson 1 Diebe im Olymp - Rick Riordan  Percy Jackson 2 Im Bann des Zyklopen - Rick Riordan  Percy Jackson 3 Der Fluch des Titanen - Rick Riordan  Percy Jackson 4 Die Schlacht um das Labyrinth - Rick Riordan  Percy Jackson 5 Die letzte Göttin - Rick Riordan

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

Rick Riordan

Teile der Serie:

  • Percy Jackson 1 – Diebe im Olymp – Rick Riordan (447 Seiten)
  • Percy Jackson 2 – Im Bann des Zyklopen – Rick Riordan (336 Seiten)
  • Percy Jackson 3 – Der Fluch des Titanen – Rick Riordan (368 Seiten)
  • Percy Jackson 4 – Die Schlacht um das Labyrinth – Rick Riordan (432 Seiten)
  • Percy Jackson 5 – Die letzte Göttin – Rick Riordan (512 Seiten)

Gelesenes Format:

eBook

Rezension und Inhalt:

Buch 1:

Vielleicht wussten sie auch, dass ich meinen Aufsatz über Tom Sawyer aus dem Internet abgeschrieben und das Buch nie gelesen hatte, und jetzt wollten sie mir eine schlechtere Note geben. Oder, schlimmer noch, mich zwingen es zu lesen.

Das ist mein zweiter Anlauf mit der Reihe anzufangen. Der erste Versuch ist irgendwann vor einigen Jahren bei Seite 130 verendet.

Da Percy Jackson ja schon fast Allgemeinbildung ist und es mittlerweile diverse Bücher von Riordan gibt, die durchweg gute Wertungen erhalten, habe ich mir noch mal einen Ruck gegeben und vorab – auch wenn ich mich damit vielleicht unbeliebt mache – so richtig begeistert bin ich nicht.

Percy Jackson ist ein Halbgott. Das weiß er am Anfang der Geschichte aber nur, weil er sie rückblickend erzählt. Er denkt zu dem Zeitpunkt des Geschehens, dass er Legastheniker ist und unter ADHD leidet und er deswegen immer wieder Aussetzer hat.

»Grover – das Fadendurchtrennen. Bedeutet das, dass jemand sterben muss?« Er starrte mich verzweifelt an, als überlegte er sich schon, welche Blumen ich am liebsten auf meinem Sarg hätte.

Er zweifelt aber mehr und mehr als sich die ungewöhnlichen Ereignisse um ihm häufen und er behält Recht. Percy hat eine tolle Mutter und einen miserablen Stiefvater – seinen echten Vater kennt er nicht.Seine Mutter wird bei einem Angriff ziemlich am Anfang des Buches getötet (oder doch nicht?) und nun bleibt ihm nur noch ins Sommercamp für Halbgötter zu gehen.

Percy wird wird mehr und mehr in das Intrigenspiel der Götter hineingezogen aber kann er sich behaupten?

Ich ging in den Kindergarten und eine Kindergärtnerin hatte mich zum Schlafen in ein Bett gelegt, in das eine Schlange geschlüpft war. Meine Mom schrie wie am Spieß, als sie mich holen kam und ich mit einem schlaffen, schuppigen Seil spielte, das ich auf irgendeine Weise mit meinen Patschhändchen erwürgt hatte.

Im ersten Anfang des Buches werden klassische Teenagerthemen durchlebt. Von Akne, irgendwelchen Kindereien bis zum ersten Bart ist alles dabei.

Mir sind der das Buch und die Kapitelüberschriften deutlich zu flapsig. Das ganze wirkt als wenn der Autor das Buch selbst nicht ernst nimmt und mutet an wie Comedy. Dazu kommt die amerikanische “wir sind das Zentrum der Welt Mentalität”. Griechenland wird halt einfach mal kurz in die USA verlegt und der Olymp ist in New York (wo sonst?!)

Was mir gefällt sind der trockene Humor und die Sprüche, die allerdings überhaupt nicht zu einem Zwölfjährigen passen.

Was ich auch mehr als seltsam finde ist, wie Percy mit seinem Verlust umgeht bzw. nicht mit ich umgeht. Er glaubt anfangs nicht an Götter und um alles was um ihn herum passiert aber geht fest davon aus, dass seine Mutter noch lebt.

Wo ich eben noch gestanden hatte, klaffte jetzt ein gezacktes Loch im Brückenbogen, an dessen Rändern schmelzendes Metall qualmte. Klasse, dachte ich. Wir haben soeben ein Nationaldenkmal abgefackelt.

Für mich ist die Geschichte irgendwie ein wenig wie Harry Potter auf Götter umgemünzt (Annabeth = Hermine, Percy = Harry und Grover = Ron) mit weniger Charme.

Fantasievoll und chaotisch ist die Geschichte zwar aber stimmig finde ich sie nicht. Die Prophezeiungen sind möglichst mystisch gehalten, was dazu dient, dass sie Percy nicht helfen. Einen Grund dafür gibt es offenbar nicht, außer das dem Leser nicht zu viel verraten werden soll.

Es ist deutlich zu merken, dass die Geschichte für ein jüngeres Publikum gedacht ist. Bei Harry Potter habe ich das nicht so stark so empfunden, wenn auch da der erste Band noch Luft nach oben hatte.  Dementsprechend kommt auch über weite Teile keine große Spannung auf. Die letzen 100 Seiten vom ersten Buch werden aber etwas besser.

Buch 2:

Seid ihr jemals nach Hause gekommen und euer Zimmer war das pure Chaos? Als ob irgendeine hilfsbereite Person (huhu, Mom) versucht hätte »aufzuräumen«, und plötzlich könnt ihr nichts mehr finden?

Percy konnte den Zwist zwischen seinem Vater Poseidon und Zeus so gerade noch verhindern und damit nicht nur einen Krieg verhindern, sondern auch sein Leben retten.

Camp Half Blood wird angegriffen und der magische Baum, der das Camp bisher geschützt hat, wurde vergiftet.

Wieder sieht es aus als wenn Kronos Percy eine Falle stellt und wieder ist Percy natürlich ruck zuck knietief verstrickt und muss sich gegen Monster und andere Gegner erwehren. Zu allem Überfluss scheint die Campleitung mit Kronos unter einer Decke zu stecken.

»Äh«, sagte ich. »Ist hier zufällig von dieser supergefährlichen Weissagung die Rede, die von mir handelt, aber die Sie mir aufgrund der göttlichen Befehle nicht verraten dürfen?« Alle schwiegen. »Na gut«, murmelte ich. »Hat mich nur mal interessiert.«

Neben Annabeth ist diesem Buch ein Zyklop der Begleiter von Percy. Dieser ist zu auch noch verwandt mit Percy, was Percy nicht gerade beliebter macht. Kann Percy den Baum und somit das Camp retten?

Die Überschriften finde ich genauso beschauert wie im ersten Buch. Der Humor wirkt in diesem Band vor allem in der ersten Hälfte oft sehr angestrengt künstlich und eben nicht witzig. Die Handlung ist in der ersten Hälfte mäßig spannend. In der zweiten Hälfte wird es dann etwas besser.

Man merkt auch hier, dass das Buch eher für Kinder als für Jugendliche gedacht ist.

Auf unserer Backbordseite tauchte eine dornige grüne Rückenflosse von etwa drei Metern Länge aus dem Wasser auf und verschwand wieder. Ich registrierte das nur am Rande. Ich hatte dringlichere Probleme.

Was schräge Ideen angeht ist Rickordan wirklich einfallreich – die Situationen in die er seine Charaktere bringt sind wirklich abstrus.

Ich habe mich beim Lesen teilweise etwas gelangweilt.

Buch 3:

Nachdem Kronos dafür gesorgt hat, dass der Baum angegriffen wurde, der das Camp beschützt war Percy gezwungen das magische Fließ aufzutreiben, dass den Baum heilen kann. Das hat aber nicht nur dem Baum geheilt, sondern Thalia, die ursprünglich in den Baum verwandelt worden war und die Zeus um sie vor ihrem Tod zu bewahren in den Baum verwandelt hat, wieder in leben geholt.

»Die Kleine von Zeus, stimmt’s? Macht dich zu meiner Halbschwester. Zwischendurch Baum gewesen, was? Schön, dass du wieder da bist. Ich finde es schrecklich, wenn schöne Mädchen zu Bäumen werden.

Nun kann die Prophezeiung nicht mehr nur auf ihn, sondern auch auf Thalia zutreffen. Zu allem Überfluss wird Annabeth entführt. Kann Percy sie retten?

Die Geschichte fand ich deutlich spannender als die ersten zwei Teile. In diesem Buch ist es Rick zum ersten Mal gelungen mit abzuholen. Nach den ersten beiden Büchern hatte ich mich schon ernsthaft gefragt wie die Serie überhaupt so erfolgreich werden konnte.

Es gibt auch neue Charaktere, die neuen Schwung in die Geschichte bringen.

Grover sagte: »Ich kann unter Wasser nicht atmen. Wollte ich nur kurz erwähnen …« Blubb! Damit waren sie verschwunden und ich hoffte, mein Vater würde seinen Schutz auch auf Kleinigkeiten wie die Atmung ausdehnen.

Die Witze zünden häufiger als in Band 2, den ich diesbezüglich ziemlich flach fand.

Genial ist Rick Riordans Gespür für abstruse und fantasievolle Situationen. Das was er diesbezüglich abliefert ist einfach unglaublich. Im dritten Teil führt sich das auch mit den nach wie vor schwachsinnigen Überschriften zusammen und fügt sich irgendwie zu einem Gesamtkunstwerk.

Buch 4:

Nico und ich setzten uns nebeneinander. Er ließ sein Schwert neben meins fallen und holte zitternd Luft. »War wohl nix«, sagte er, und ich fand, dass er damit die Lage ziemlich gut zusammengefasst hatte.

Percy konnte mit Thalia und anderen Freunden den letzten Versuch von Kronos zurück an die Macht zu kommen vereiteln aber Kronos lässt sich nicht so leicht besiegen und hat diverse Pläne und Eisen im Feuer.

Es sieht ganz danach aus, dass Percy und seine Freunde in ein tödliches Labyrinth müssen um Kronos Pläne zu vereiteln oder ist das vielleicht der Plan von Kronos sie in das Labyrinth zu locken?

Welche Pläne hat Kronos um die Götter zu vernichten und wie wirkt sich das auf Percy und seine Freunde aus?

wenn der Weihnachtsmann wie ein total blöder Hinterwäldler aussähe, hätte er ausgesehen wie der Weihnachtsmann.

Der Einstieg ist bei diesem Buch sehr gelungen und auch die Wiederholung aus den Vorgängern ist gut gemacht.

Die Geschichte ist durchgängig spannend und genauso abstrus wie in den Vorgängern. Man gewöhnt sich aber dran. Ich finde mit dem dritten Band ist Percy Jackson deutlich erwachsener geworden und die Geschichte hat mehr Wendungen.

Ich fürchte, wir werden uns das noch ein wenig länger fragen müssen. Falls wir heute Abend überhaupt noch hier sind.« Und mit dieser fröhlichen Schlussbemerkung schulterte er seinen Bogen und galoppierte auf den Wald zu, und wir konnten zusehen, wie wir hinterherkamen.

Die neuen Charaktere sind eine Bereicherung. Rachel ist als ein interessanter Gegenpol und auch Nico ist deutlich interessanter als es anfangs scheint (auch Bianca hat ihren Anteil daran).

Insgesamt finde ich, dass die Charaktere etwas komplexer geworden sind. Wieder erwarten bin ich jetzt doch so langsam angekommen und Percy Jackson gefällt mir ganz gut. Den Hype um  die Serie kann ich allerdings nicht nachvollziehen.

Das Ende ist für Percy Jackson Verhältnisse ziemlich düster und stimmt auf den letzten Teil ein.

Buch 5:

Nico kam zu uns zurück. »Gute Arbeit, Percy. Wenn ich von der Spur aus Ziegenkötteln ausgehen darf, dann hast du ihn ganz schön fertiggemacht.«

Percy und seine Freunde konnten unter Opfern den ersten Angriff der Armee von Kronos stoppen. Kronos hat sich Lukes Körper als Hülle erwählt. Der nächste Angriff ist nur eine Frage der Zeit. Wie sollen Percy und seine Freunde den Angriff eines Titaten aufhalten?

Hinter der ganzen aufgesetzten Lockerheit und Flapsigkeit steckt bei näherer Betrachtung doch etwas mehr Tiefgang, als es auf den ersten Blick scheint. Durch diesen und auch durch die vorherigen Bände zieht sich das Thema Freundschaft und Loyalität, Verrat, verzeihen und die Charaktere werden mit den Bänden zuzuhemmend weniger schwarz weiß, sondern in Grautönen dargestellt.

»Wie Theseus«, schlug Paul vor. »Der sollte bei seiner Heimkehr nach Athen weiße Segel hissen.« »Nur hat er das vergessen«, murmelte Nico. »Und sein Vater stürzte sich vor Verzweiflung vom Dach seines Palastes. Aber davon abgesehen war es eine gute Idee.«

Wie nicht anders zu erwarten geht es in diesem Teil hoch her. Es werden sehr viele Schlachten ausgefochten und die Prophezeiung ergibt endlich einen Sinn, wenn auch vielleicht ganz anders als erwartet.

Für eine 5 teilige Buchserie ist mir das Ende etwas zu schwach. Das habe ich schon deutlich besser erlebt aber es gibt ja mehrere Folgeserien. Insofern kann ich nicht beurteilen, ob das wirklich ein Ende war.

Aber selbst wenn nicht, hätte Rick Riordan das Ende anders gestalten können.

Fazit:

Meine Augen wanderten die Treppe entlang nach oben, während mein Gehirn einfach nicht aufnehmen konnte, was es da sah. Noch mal hinschauen, sagte mein Gehirn. Wir schauen, erklärten meine Augen. Es ist wirklich so, wie es aussieht.

Die Serie hat mir den Einstieg nicht so leicht gemacht. Bei dem Hype um die Serie und bei den Bewertungen / Rezensionen hatte ich das nicht erwartet. Rick Riordan hat eine sehr spezielle Schreibweise. Das fängt bei Kapitelüberschriften wie in der Bild Zeitung an, geht über einen leicht sarkastischen – manchmal auch recht Holzhammerartigen – Humor über eine flapsige Schreibweise (einige würden es wohl locker nennen und andere oberflächlich – ich tendiere eher zu letzterem).

Speziell die ersten beiden Bücher haben mir nicht wirklich abgeholt. Die Story war recht flach und die Handlung fand ich teilweise recht langweilig. Mit Buch 3 und in den folgenden Büchern wurde dies dann deutlich besser. Für mich sind die ersten zwei Bücher sehr eindeutig Kinderbücher. Das ist z.B. bei Harry Potter auch so aber spätestens ab dem zweiten Buch liest sich Harry Potter auch als Erwachsener sehr gut.

Manchmal können wir nicht mehr tun, als uns gegenseitig daran zu erinnern, dass wir miteinander verwandt sind, so oder so … und zu versuchen, Morde und Verstümmelungen auf ein Minimum zu reduzieren.« Das hörte sich nicht gerade an wie ein Rezept für perfekte Familienharmonie.

Schlussendlich bin ich aber in der Serie angekommen. Große Emotionen und Liebe spielen in der Serie keine Rolle aber Percy und seine Freunde stürzen von einem Abenteuer ins nächste.

Dazu kommt eine Fantasie und eine Gespür für abstruse Situationen das außergewöhnlich ist. Die Geschichte schwankt immer zwischen fantastisch und “nimmt sich selbst nicht ernst”. Man mag das oder man mag es nicht.

Bewertung:

3.5 out of 5 stars 3,5/5

Vergleichbare Bücher / Serien:

Verwandte Bücher / Serien:

  • Die Helden des Olymp
Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

  • Angeblich hat seine Familie kein Geld aber wer finanziert dann die Privatschule für Percy? Ist ja nicht so, als wenn in den USA „Problemkindern“ Geld nachgeschmissen wird.
  • Wieso soll es einen Unterschied machen, ob Percy um die Existenz von Fabelwesen weiß oder nicht? Das ändert faktisch überhaupt nichts.
  • Wieso kann Percy Mr. Dodds (die Furie) einfach so mit einem Schwert töten, obwohl sie Kampferfahrung hat und Percy noch nie ein Schwert in der Hand hatte? Auch beim nächsten Kampf besteht er gegen drei Furien, angeblich die schrecklichsten Wesen überhaupt mal so nebenbei. Auch Medusa hackt er quasi versehentlich den Kopf ab – alles sehr glaubwürdig.
  • Ein zwei Meter Vieh wirft ein Auto so, dass es ein paar hundert Meter weiterrutscht. Alles klar. Es dürfte schon mechanisch unmöglich sein ein Auto aus dem Stand so zu beschleunigen, dass es einige hundert meter rutscht, ohne das es komplett zerfetzt wird.
  • Erst tötet der Minotaurus Percys Mutter und dann tötet Percy mal eben den Minotaurus… Da fragt man sich wieso er das nicht vorher schon konnte.
  • Wieso kommt Percy so locker mit dem vermeintlichen Tod seiner Mutter klar?
  • Das die griechischen Götter in Amerika sein sollen ist mal wieder so oberflächlich US amerikanisch, dass es schon fast lächerlich ist – die USA das Zentrum der Welt
  • Wieso antwortet Chiron auf Sachen die Percy nur denkt? Seite 185 B1
  • Das man keine andere Sprache lesen kann, wenn man altgriechisch beherrscht halte ich für etwas weit hergeholt…
  • Das Brandopfer für die Gottheiten ist schlicht armselig. Wenn Götter so was brauchen, dann sollten sie keine Götter sein, sondern sind einfach nur traurige Gestalten
  • Wieso benutzt Chiron seine Rollstuhlattrappe auch im Sommercamp in dem eh keine Menschen sind?
  • Das Monster Mobiltelefone aufspüren können finde ich ziemlich einfallslos (klar, ist praktisch für den Autor, weil diese als Kommunikationsmittel ausscheiden)
  • Onkel Ferdinant scheint ja weit gekommen zu sein, wenn er es ein paar Meter bis vor New York geschafft hat…
  • Wie soll jemand der 12 Jahre (Percy) alt ist mit jemanden kämpfen der 19 Jahre alt ist (Luke)? Das wäre ein sehr kurzer Kampf.
  • Wieso ist „alles hat seinen Preis“ ein glücklicher Gedanke? S. 319 B1
  • Die Idee mit der Aufteilung Elysium, Asphodeliengrund, Felder der Bestrafung finde ich interessant. Das wäre zumindest logischer als der Ansatz Gut = Himmel und Schlecht gleich Hölle. Ich vermute, dass die meisten Menschen für beides nicht in Betracht kommen würden und eher dazwischen sind.
  • Nachdem die Schuhe mit Grover in den Abgrund wollten ist offensichtlich welchen Geschenken nicht getraut werden soll und auch das Luke der Freund ist der Percy verraten hat (das die Charaktere das nicht Blicken ist mal wieder typisch)
  • Die Geschichte mit der Finanzierung der Flugtickets ist einfallslos und dünn
  • Im Kernland der sozialen Marktwirtschaft hat man sicher noch seinen Job, wenn man einen Monat nicht zur Arbeit gegangen ist, wie Percys Mutter. Für sie scheint das aber kein Problem zu sein
  • Buch 2: Erst heißt es Argus wurde gefeuert und dann heißt es Chiron wurde gefeuert
  • Wieso hat Percy in Buch 2 plötzlich Probleme mit Süßwasser? Im ersten Teil hat ihn das nicht gestört, ganz im Gegenteil.
  • Wo kommt das Reh her? Wenn die Schafe alle anderen Lebewesen fressen, wären da schon lange keine Tiere mehr.
  • Die Zentauren hatten die Chance Luke aus dem Weg zu räumen aber den Bösewicht benötigt man ja für die Fortsetzung.
  • Wenn es stimmt, dass Halbblüter stärker riechen, wenn sie darum wissen, dass sie Halbblüter sind hätte Dr. Thorn Percy, Thalia und Annabeth sofort als Halbblüter erkannt…
  • Die Busfahrt (Thalia als Fahranfängerin) war übrigens super – für mich die  lustigste Szene in der Serie
  • Wie streicht man denn ein T-Shirt von innen mit Blut ein ohne dass es einem Halbgott auffällt? Der ganze Verschleierungskram / Nebel funktioniert da ja nicht.
  • Percy erlaubt sich öfter mal das Urteil, dass irgendwer nicht Intelligent ist und sagt dann „damals, als die Leute noch Schwarzweißfernseher hatten und Dinosaurier jagten.“ Witzig ist das auch nicht. Es ging bei dem Vergleich um den Zeitpunkt an dem das Automobil erfunden wurde.
  • Die 5 sitzen zusammen und mutmaßen wie Bianca ein Skelett besiegen konnte und dann sagt Zoë das kann warten. Ja, klar abends am Lagerfeuer und in aller Ruhe denkt man über sowas nicht nach. Mitten im nächsten Kampf ist es ja früh genug.
  • Die Aktion mit Bessie bei der Percy sind ohne Grund von den anderen trennt wirkt sehr künstlich herbeigeführt und prompt wird er angegriffen.
  • B4: Der Anfang mit der Sucherzulassung ist ziemlich Lächerlich, nach dem was Grover geleistet hat. Immerhin hat er überhaupt den Weg geebnet, dass nicht mehr alle Sucher spurlos verschwinden. Das ist ja deutlich mehr als alle anderen Sucher der letzten Generationen geschafft haben.
  • Wieso wird die Inspektion in Buch 4 zum ersten Mal erwähnt?!
  • Wieso kommt Chiron in Teil 4 auf die Idee, dass immer nur drei auf eine Mission gehen dürfen, während das im Vorgänger bei 5 auf einer Mission niemandem auffällt
  • Wieso überrascht es Percy, dass ihn im Traum jemand spürt. Das passiert doch wahrlich nicht zum ersten Mal.
  • Die Buchserie ist ja meist sehr seicht, leicht und lustig aber Kalypsos Schicksal kann einem echt leid tun (Ist der Platz noch frei, den Percy nicht frei gelassen hat?)
  • Irgendwie taucht Percys Schwert immer dann wieder auf, wenn der Autor es gerade gebrauchen kann und wenn es gerade nicht Gut in den Kram des Autors passt, dann bleibt es verschwunden
  • Die Idee das auch Götter sterben können (wenn auch anders als wir uns das vielleicht vorstellen), finde ich interessant
  • Warum sollte Luke seinen Körper Kronos anbieten? Dabei gewinnt er überhaupt nichts
  • Ich denke bei der Lage von Percys Wohnung müsste seine Mutter verdammt viel verdienen mit dem Verkaufen von Süßigkeiten
  • Wieso hat Poseidon es nicht auf die Reihe bekommen das Schiff mit den Monstern zu versenken?
  • Wieso will Percy auf dem Schiff den Alarm auslösen?! Wenn er alle Gegner umgemäht hat, macht das doch überhaupt keinen Sinn.
  • Blackjack landet auf dem Schiff von Luke / Kronos und wird nicht dabei gesehen und beim Ablug auch nicht, obwohl das Schiff voller Monster ist und er zwei Halbgötter dabei hat?
  • Die Idee mit einer Gottheit pro Fluss in New York ist ja ganz lustig, aber wenn es so viele Götter geben würde, dann währe die ganze Welt damit zugepflastert.
  • Das Silena die Spionin ist finde ich ziemlich unglaubwürdig – spätestens nach dem Tod ihres Freundes hätte sie den Feind wohl nicht mehr so bereitwillig informiert.
  • „aber dann riss sie den Abzug zurück und ihr Schuss schleuderte den Riesen an die sieben Meter rückwärts, voll in Nicos Schwert.“ Setzen, 6. Was für ein Schwachsinn. Percys Mutter feuert ein Geschoss aus einer Waffe ab, bleibt selbst locker stehen und ein Riese fliegt sieben Meter rückwärts. Wo liegt der Fehler?!
  • Wieso verteidigen die Götter den Olymp nicht, als Kronos dort ist? Höhere Priorität kann doch nichts haben, wenn die Macht an den Thron gebunden ist (was ich nebenbei für ziemlichen quatsch halte)
  • Die Herleitung warum Annabeths „Klinge“ verflucht sein soll ist etwas weit hergeholt

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Norwegen Hurtigruten mit Nordlicht 2018 [Reisebericht]

Die Tour

Ich bin normalerweise kein Kreuzfahrer, weil mir die Schiffe in der Regel viel zu groß sind. Ich mag es nicht, wenn ich mich nicht wie auf einem Schiff fühle. Die großen Schiffe sind fast wie Städte oder riesige sich bewegende Hotelanlagen. Das hat mit dem Reisen auf einem Schiff nicht mehr viel zu tun.

Wenn man Norwegen bereist kommt man an Hurtigruten aber nicht wirklich vorbei. Die Postschiffreise ist legendär und man gelangt dabei ein ganzes Stück über den Polarkreis. Man sollte es kaum glauben aber bei der Antarktistour bin ich nicht ansatzweise so weit nach Süden gekommen, wie man bei der klassischen Postschiffreise nach Norden kommt. Bei der Antarktistour berührt man den Polarkreis nicht mal, während man bei der Postschiffreise deutlich darüber hinaus kommt.

Dies war nicht meine erste Tour mit auf der klassischen Route Bergen / Kirkenes / Bergen (die Tour hatte ich schon gemacht – wobei diese Tour in Trondheim also einen Tag eher geendet hat). Die Tour dauert 11 Tage (die volle Tour dauert 12 Tage).

Auf der Tour Richtung Norden fahren die Schiffe primär tagsüber die Häfen an, die auf der Rücktour nachts angefahren werden und andersrum. Somit sieht man wenig doppelt, auch wenn man die Tour vollständig macht.

Auf der Tour fahren diverse Schiffe mit verschiedenen Größenordnungen und Technikstufen. Die größten Schiffe können maximal ca. 1000 Leute beherbergen (aber nicht so viele Übernachtungsgäste – somit wird diese Anzahl nie auch nur ansatzweise erreicht). Im Gegensatz zu einem richtigen Kreuzfahrtschiff ist das noch überschaubar, mir aber schon groß genug.

Die Jahreszeiten und Ausflüge

Die Angebote und Erlebnisse bei der Hurtigrutentour schwanken ganz stark je nach Jahreszeit. Im Winter bekommt man kaum Tageslicht zu sehen. Es wird nie richtig hell, sondern es ergibt sich eine diffuse Lichtstimmung. Dafür sind die kleinen Häfen und Häuser, die entlang der Route stehen toll beleuchtet und man hat die größten Chancen Nordlicht zu sehen, wenn der Himmel nicht zu bewölkt ist.

Der Frühling erlaubt einem im Norden teilweise noch Wintererlebnisse zu machen, während in Bergen schon die ersten Pflanzen blühen. Da es zu dieser Jahreszeit fast schon durchgehend hell ist, kann man das Nordlicht schon nicht mehr sehen.

Der Sommer bietet das Erlebnis der Mitternachtssonne. Es wird nie dunkel und im Extremfall streift die Sonne nur den Horizont, bevor sie wieder aufgeht. Das ist die beliebteste aber mit Abstand die teuerste Reisezeit (ca. doppelt so teuer wie die Tour im Winter).

Der Herbst dreht sich primär um das Einbringen der Ernte und die Möglichkeiten, die einem die Natur in dieser Region bietet.

Zu jeder Jahreszeit werden von Hurtigruten spezifische Erlebnisse und Ausflüge angeboten. Beispielweise ist es im Winter möglich das Schneehotel zu besichtigen, mit Hundeschlitten oder Schneemobilen zu fahren.

Im Frühling oder Sommer können Fjorde und Straßen befahren werden, die im Winter nicht zugänglich sind.

Daher greift das Werbeversprechen hier wirklich, dass die Tour zu jeder Jahreszeit ein einzigartiges Erlebnis ist.

Bei unserer ersten Tour (zu der ich einen separaten Reisebericht geschrieben habe), haben wir und auf die Übergangszeit zwischen Winter und Frühling konzentriert und versucht aus beiden Jahreszeiten die besten Ausflüge mitzunehmen. Das hat teilweise funktioniert (Huskys – Winter, Küstenstraße – Frühling) und teilweise auch nicht (Schneehotel – Winter, Schneemobil – Winter, Nordlicht – Winter).

Somit stand für mich fest, dass ich die Tour auf jeden Fall noch mal machen möchte, um diese Erlebnisse nachzuholen.

Dieses Jahr bot sich an, weil ich noch recht viel Urlaub aus dem Vorjahr übrig hatte und weil Hurtigruten ab diesem Sommer neue Preise für die Ausflüge angesetzt hat, die extrem hoch sind (die Ausflüge waren vorher schon teuer).

Die Planung

Wie man im vorgenannten Punkt bereits raus liest beschränkt sich die Planung primär darauf welche Ausflüge man machen möchte (bzw. wenn man keine organisierten Ausflüge macht, sollte man sich vorher ein Wenig mit den Orten beschäftigen in denen das Schiff anlegt und was man dort machen möchte).

Speziell die Übergangszeiten zwischen den Jahreszeiten bieten die Möglichkeit Ausflüge aus beiden Jahreszeiten zu nutzen. Das aber mit dem erhöhten Risiko, dass das Wetter verhindert, dass die Ausflüge stattfinden.

Teilweise werden auch Sondertouren angeboten. In unserem Fall eine Themenreise Nordlicht und Sterne. Dabei wurden zwei Reiseleiter flankiert von zwei Mitarbeitern einer Universität, die auf dem Schiff mehrere Vorträge zum Thema Nodlicht und Sterne gehalten haben. Weiterhin konnten sich Fotografen Tipps zum Thema “wie fotografiere ich Nordlicht” abholen.

Der Tourverlauf

Gen Norden

Die Tour beginnt in Bergen und von dort geht es Richtung norden bis Kirkenes (also weit über den Polarkreis) nahe der russischen Grenze. Da wir bei der ersten Tour schon sehr viele Ausflüge mitgenommen hatten, ging es dieses Mal primär darum die noch fehlenden, interessanten Ausflüge nachzuholen bzw. Ausflüge, die beim ersten Mal mangels genügend Schnee und zu warmer Temperaturen ausgefallen waren. Dazu gehörten der Besuch des Schneehotels und eine Schneemobiltour.

Nach unserer Ankunft in Bergen kam zuerst das obligatorische Einschiffungsprogramm bei dem es darum geht die Sicherheitsmaßnahmen zu vermitteln.

Danach haben wir das Schiff möglichst schnell verlassen um noch ein bisschen durch Bergen zu Laufen. In Bergen ist primär der Bereich Bryggen interessant, der einem auch sofort auf Bildern begegnet, wenn man nach Bergen googelt. Etwas versteckt dahinter liegt eine Bergbahn, die einen recht hoch auf einen Stadtberg bringt. Aufgrund des Diesigen Wetters war die Kopfstation nicht zu sehen, weshalb wir uns entschlossen haben den Berg nur zum Teil und zu Fuß zu erklimmen. Ganz generell sind die Norweger ein Naturvolk. Alles was mit Aktivitäten in der Natur zu tun hat (wander, Skifahren usw.) steht also hoch im Kurs.

Nach unserer kleinen Erkundungstour sind wir dann zum Schiff zurückgekehrt und dann ging es auch schon los.

Schiffsbegegnung mit Schnee und den Decksstrahlern

Am nächsten Tag haben wir Ålesund erreicht, was durch seine sehr schöne Innenstadt mit Jugendstilhäusern glänzt. Wie fast an allen Orten mit längerem Aufenthalt des Schiffes kann man auch Ausflüge Buchen aber Ålesund kann man genauso alleine erkunden. Bei dem Rundgang in Ålesund bekommt man etwas mehr über die Geschichte von Ålesund erzählt was man sich ansonsten selbst erarbeiten müsste (ich habe beide Varianten gesehen und beide Varianten haben Vor- und Nachteile). Besser oder schlechter gibt es in dem Fall also nicht. Es kommt darauf an wie die eigenen Prioritäten liegen. Wenn man etwas mehr über die Geschichte wissen will oder bestimmte Gebäude auch von innen sehen, dann ist der Ausflug gut. Wenn man einfach selber die Stadt erkunden möchte, dann kann man auch allein los ziehen.

Auf der Tour begegnet man zweimal am Tag (entweder im Hafen oder Unterweg) anderen Hurtigrouten Schiffen. Die Begegnungen sind je nach Laune der Brückencrew und des Verhältnisses zwischen den Schiffscrews teilweise spektakulär. Von Konkurenzkämpfen der Crew / Passagiere über Dauerschiffshorn + Flutlicht, Hubschrauberlandung auf dem Nachbarschiff, biss stilles Passieren kann alles passieren.

Auch in Trondheim gibt es viel zu sehen. Neben dem Nidaros Dom und den umlegenden Museen (die teilweise so bescheidene Öffnungszeiten haben, dass man sie nicht besuchen kann) gibt es mit Rockheim ein Rockmusik Museum, die Brücke, den einzigartigen Fahrradlift dahinter und das überragende Ringve Museum was in der Form glaube ich Weltweit seines gleichen sucht (dazu mehr im anderen Bericht).

Wie man auf den Bildern sieht ist bei der Postschiffreise aber auch die Schiffstour an sich spektakulär, weil man sich fast immer in Landnähe bewegt und es somit sehr viel zu sehen gibt.

Und Ruck zuck überquert man auch schon den Polarkreis, was die Polarkreistaufe nach sich zieht.

In Bodø haben wir an der “Arktischen Küstenwanderung” teilgenommen. Kurz vor dem Ausflug hat es noch so stark geschneit, dass man fast nichts sehen konnte. Selbst am Anfang des Ausfluges war das noch so. Nachdem wir nun Spikes unter den Schuhen hatten (die auch dringend erforderlich waren), sind wir zum Strand gelaufen und innerhalb von Minuten hat sich das Schneegestöber in traumhaften Sonnenschein verwandelt, der die Landschaft wirklich in ein tolles Licht gerückt und eine mystische Stimmung erzeugt hat.

In Svolvær haben wir Magic Ice besucht, was sich direkt am Hafen befindet und wirklich sehenswert ist. Das hatten wir leider bei der ersten Tour verpasst, weil der Reiseleiter es miserabel beschrieben hat und wir bei der Hafeneinfahrt genau auf der anderen Seite vom Schiff im Restaurant saßen, von wo aus es nicht zu sehen war. Eigentlich kann man das nicht übersehen aber wenn das Schiff davor steht und man durch das Gebäude durchgeht und der Reiseleiter einen dann nach rechts, statt nach links schickt, dann wird man keinen Erfolg haben. Abends ist es – wie man sieht – auch stark beleuchtet. Wenn es also draußen dunkel ist, dann fällt es sehr stark auf.

 

Der berühmte Trolljford wurde bei dieser Tour nicht befahren. Dabei handelt es sich um einen sehr engen Fjord in dem das Schiff hinten in einem kleinen Bereich auf der Stelle dreht. Das ist also eines der Erlebnisse, die man auf der Wintertour leider verpasst (dazu mehr im anderen Bericht).

Trollfjord

Trollfjord (Einfahrt)

Desto weiter wir Richtung norden fuhren, desto mehr Schnee gab es. Allerdings wurde das Wetter auch immer schöner. Dieses mal hatten wir das beste Wetter im Nördlichen Tourbereich. Die Temperaturen sind aufgrund des Golfstroms nicht so gering, wie man das vielleicht erwarten wurde. Knapp unter 0 Grad war das kälteste was wir hatten aber in Kombination mit starkem Wind kann das gefühlt verdammt kalt sein.

In Tromsø haben wir zu Fuß die Eismeerkathedrale besichtigt und anschließend eine neu erbaute Bergbahn genutzt um einen Traumhaften Blick auf die Region zu bekommen. Oben sollte man außerhalb der Station gutes Schuhwerk tragen, weil es dort keine befestigten Wege gibt und man über Schnee und Eis läuft.

In der Nacht gab es dann die ersten kurzen Nordlichteindrücke. Das Nordlicht kann 30 Sekunden sehr stark erscheinen und dann war es das, es kann auch ein mehrstündiges Vorspiel geben, dass sehr verheißungsvoll ist und dann passiert nichts weiter, es kann Stundenlang ein regelrechtes Feuerwerk am Himmel geben oder es kommt Phasenweise mal stark mal schwach. Es ist nicht vorhersagbar.

In der ersten Nacht war das Nordlichtvernügen kurz und intensiv. In den Folgetagen hatten wir teilweise Nordlicht und Wolken aber es hat sich auch eine Nacht geboten, in denen wir ein mehrstündiges Feuerwerk geboten bekommen haben.

Das Beobachten des Nordlichtes ist ein wenig wie scheue Tiere beobachten. Man benötigt sehr viel Geduld (Stunden) und die richtige Kleidung. Es ist arschkalt nachts im Wind. Offiziell sagt Hurtigruten zwar Nordlichtsichtungen durch aber bis man nachts aus dem Bett raus ist, kann das Nordlicht schon dreimal wieder weg sein. Hier gilt also ohne Fleiß kein Preis.

Wenn man das Nordlicht fotografieren möchte, dann benötigt man zwingend ein Stativ und im eine Camera mit sehr guten Nachteigenschaften (großer Sensor) und im Optimalfall der Funktion automatisch Bilder in bestimmten Abständen aufzunehmen.

Interessant ist übrigens, dass das Nordlicht auf Fotos oft schöner aussieht als in der Realität. Das liegt daran, dass unser Auge bei wenig Licht zuerst grau sieht und dann später erst Farben. Die Kamera kann das durch etwas längere Belichtungszeiten ausgleichen, was auf einem Schiff aber immer problematisch ist, weil man Seegang hat und somit verwischte Fotos.

Man benötigt also ruhige See, keine Wolken und den entsprechenden Teilchenstrom von der Sonne, der auch lokal dort auf die Atmosphäre treffen muss, wo man sich gerade befindet. Mit anderen Worten man benötigt sehr viel Glück.

Das Nordkapp wird normalerweise an Land besucht (mehr dazu im zweiten Bericht). Dieses mal waren aber alle Straßen zugeschneit und der Kapitän hat spontan entschlossen uns die Besichtigung von Seeseite zu ermöglichen.

Danach stand die Schneemobilsafari an, die einwirklich tolles Erlebnis war. Vorab ich habe nun Lust auf mehr und kann mir durchaus vorstellen mal einen Kurzurlaub nur auf dem Schneemobil zu machen, bei dem eine größere Strecke zurückgelegt wird. Der Ausflug war so angelegt, dass man an einer etwas größeren Landzunge vom Schiff auf einer Seite im Hafen abgesetzt wurde. Während das Schiff die Landzunge umrundet fährt man mit dem Schneemobil die gerade Strecke auf die andere Seite, wo man vom Schiff wieder eingesammelt wird.

Der Ausflug dauert rund 2,5 Stunden und jeder hat sein eigenes Schneemobil bekommen (was übrigens sehr cool war – da man mit dem Gerät keine Erfahrung hat und man auf evtl. Mitfahrer Rücksicht nehmen müsste, wollte ich das genau so haben – es gibt auch einen anderen Ausflug bei dem man zu zweit fährt und sich nach der Hälfte der Zeit abwechselt).

Leider sind wir im Konvoi gefahren (das ist immer so bei den Hurtigruten Ausflügen mit dem Schneemobil) und die erste Person war dermaßen langsam unterwegs, dass wir ich nie über 40 km/h gekommen bin. Und das ging auch nur, weil ich mich zwischendurch immer etwas habe zurückfallen lassen um dann wieder Gas zu geben. Sonst hätte es keinen Spaß gemacht, weil ich dann nur mit 20 rumgetuckert wäre. Die Schneemobile schaffen aber rund 130 km/h – wohl eher was für gute Pisten und / oder geübte Fahrer.

Ein Schneemobil fahren ist relativ einfach. Mit dem Daumen gibt man Gas (bei unseren Mobilen war die Reaktion darauf relativ gutmütig). Wenn man vom Gas geht, hat man eine spürbare Automatikbremse. Zusätzlich gibt es eine Handbremse, die man sehr vorsichtig betätigen sollte, sonst geht’s ab über den Lenker. Die Schneemobile fahren auch in Schneeverhältnissen, in denen Laufen kaum möglich ist und es macht tierisch Spaß mit den Dingern durch die Gegend zu heizen!

Eine gewisse Mindestgeschwindigkeit ist aber Pflicht, sonst funktioniert die Griffheizung nicht und es wird verdammt kalt an den Händen (trotz der Handschuhe).

Die komplette Ausrüstung bekommt man übrigens gestellt und sie war trocken (bei den Huskys habe ich das auch schon anders erlebt).

In Kirkenes haben wir diese Mal das Schneehotel besucht, was jedes Jahr ein eigenes Thema hat und knappe 30 Räume. Das Hotel wird jedes Jahr neu gestaltet und die unheimlich stürmischen und lebensfrohen Huskys sieht man dort auch (die Huskys sehen übrigens ganz anders aus als die Kanadischen Huskys, die wir i.d.R. als Bild im Kopf haben).

Gen Süden

Die Südtour ist nicht ganz so interessant wie die Nordtour aber auch auf dem Rückweg gibt es noch einiges zu sehen.

In Vardø haben wir bei der alten Festung einen Eindruck davon bekommen wie viel Schnee in Norwegen aussehen kann. Das war ein Gebäude innerhalb der Festungsmauern. Die Mauern kann man in dem Schneechaos auf dem Bild nicht gut ausmachen. Es ist der hohe Wall außen rum, der komplett im Schnee versunken ist.

Im weiteren Verlauf haben wir eine recht spektakuläre Übung zu einer Rettungsaktion zu sehen bekommen, die auch nicht alltäglich ist. Bei dieser Übung wurde ein Arzt und zwei Sanis abgeseilt um dann mit einem Verletzten vom Hubschrauber wieder aufgenommen zu werden.

Auch Hammerfest hat sich von einer sehr schönen, sonnigen aber auch sehr verschneiten Seite gezeigt.

Nach Hammerfest hatten wir das stärkste Nordlichterlebnis, obwohl wir schon keine ganz große Hoffnung mehr hatten.

Auf einem weiteren Überlandausflug mit einem Bus haben wir uns die Gegend um Trondenes angesehen.

In Stokmarknes betet sich die Gelegenheit das Hurtigrutenmuseum zu besichtigen, was man auf jeden Fall machen sollte. Bei der ersten Tour war das Museum noch kostenfrei aber dafür auch sehr voll. Dieses mal wurde Eintritt genommen – dafür war es ein wenig leerer.

Mit einem längeren Aufenthalt in Trondheim ging die Tour dann zu Ende. Bei den mal wieder sehr langen Flughafenaufenthalten habe ich die Gelegenheit zum Lesen genutzt.

Und sonst so

Die An- / Abreise war dieses mal wahrlich kein Highlight. Die erste Tour war diesbezüglich schon schlecht, weil der Germanwings Schalter damals total unterbesetzt war (dazu mehr bei dem separaten Reisebericht, wenn ich den schreibe) aber wenigstens war es ein Direktflug.

Dieses Mal hatten wir Flüge mit Zwischenlandung und mehrstündigem Aufenthalt in Koppenhagen, Dänemark. Dummerweise dann aber auch nicht so lange, dass es sich gelohnt hätte außerhalb des Flughafens groß was zu unternehmen. Der Flughafen in Koppenhagen war nach meinem empfinden einfach nur unangenehm. Der Flughafen war total überfüllt, laut und das Essen schlecht und teuer. Da gibt es viel bessere Flughäfen.

Der einzige Vorteil war dieses Mal, dass wir eine organisierte Themenreise hatten und somit zwei eigene Busse, die vor allen anderen abgefertigt wurden.

Ich hatte oben erwähnt, dass wir eine Themenreise zum Thema Nordlicht hatten. Dummerweise waren auf dem Schiff 7 Gruppen mit gleichartigen Themenreisen in deutsch, englisch und französisch. Somit war das Schiff komplett ausgebucht. Trotzdem war das aber ok und nicht so schlimm wie befürchtet. Draußen wurde es immer nur kurz voll, wenn es was besonderes zu sehen gab (weil es einfach arschkalt war im Wind) und auch das Nordlicht wurde von der Masse nur kurz begrüßt (aus gleichen Gründen).

In Trondheim wollten wir eigentlich noch Rockheim besichtigen. Leider sind wir unsere Koffer weder im Zugbahnhof, noch im Busbahnhof los geworden. Im Busbahnhof hätten wir viel Hartgeld benötigt und im Zugbahnhof wurden nur nationale Karten zum Bezahlen genommen.

Das Essen ist bei Hurtigruten übrigens ziemlich gut. Das Frühstück haben wir immer relativ früh wahrgenommen. Erstens hat man dann mehr vom Tag und zweitens ist es noch nicht so überfüllt. Ich es morgens überhaupt nicht, wenn ich mich schon beim Frühstück stressen muss.

Mittags sollte man schauen, dass man die Hauptzeit etwas meidet. Sowohl beim Frühstück als auch beim Mittagessen gibt es freie Platzwahl und Buffet.

Beim Abendessen gibt es fest zugeteilte Tische (i.d.R. Zweier oder Vierertische). Dieses Mal hatten wir einen Zweiertisch. Bei der ersten Tour hatten wir einen Vierertisch. Beides hat für und wider. Wenn man den ganzen Tag zu zweit unterwegs war gibt es nicht mehr ganz so viel zu erzählen. Andererseits stört es aber auch niemanden, wenn man nach dem Essen schnell verschwindet, weil man sich noch etwas anschauen will. Am Vierertisch kann man Glück und Pech haben. Man hat während der ganzen Tour dieselben Tischnachbarn. Wir konnten uns bei der ersten Tour aber nicht darüber beschweren.

Abends gibt es je nach Schiffsbelegung zwei Essenssitzungen. Eine um ca. 18:00 und die andere um ca. 20:30 – je nach Schiff unterschiedlich. Die erste ist i.d.R. die bessere.

Der Nachtisch beim Mittagessen ist auf der Trollfjord (so hieß unser Schiff) sowohl auf der ersten als auch auf der zweiten Tour göttlich gewesen. Kalorien +++ aber superlecker. Meist gab es mehr als 5 Sorten Nachtisch und jeden Tag mehrere Eisbomben. Wer auf der Tour nicht zunimmt ist selber schuld. Es gibt aber wie überall auch genügend Leute die das Essen nicht gut finden.

Im Gegensatz zu Kreuzfahrtschiffen ist das ein und Aussteigen ruck zuck erledigt, wenn nicht gerade alle vorm Ausgang stehen und raus wollen. Selbst für einen 5 Minuten Stopp kann man raus, auch wenn die Crew das dann nicht ganz so gerne sieht. 🙂

Etwas seefest sollte man sein aber die Schiffe haben sogar Stabilisatoren, obwohl man fast nur in Landnähe fährt. Wir hatten auf der Tour eine Nacht echten Seegang. Den Rest der Zeit konnte man das nicht wirklich als Seegang bezeichnen, auch wenn einigen dabei schon schlecht wird und die dann schon jammern wie stark sich das Schiff bewegt.

Fazit:

Tolle Tour, bei der wir genau die Sachen erlebt haben, die bei der ersten Tour aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich waren.

Nordlicht ist definitiv ein Erlebnis aber man ist sehr stark geprägt durch die Marketingbilder und hat i.d.R. eine falsche Erwartungshaltung.

Aufgrund der Kürze der Tour und des recht hohen Preises ersetzt das aber nur bedingt einen klassischen Urlaub und man muss sich überlegen, ob es einem das wirklich wert ist.

Den Reisebericht zur Frühjahrserwachen Tour findet ihr hier. Einen Reisebericht zur Antarktistour mit Hurtigruten hier.

Zu weiteren Reisebeiträgen geht es hier.

Die Geschichte von Sin und Miriam [Serie]

Die Geschichte von Sin und Miriam Die Erwachte - Sabine Schulter  Die Geschichte von Sin und Miriam Der Wächter - Sabine Schulter  Die Geschichte von Sin und Miriam 3 Die Revolution - Sabine Schulter

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

Sabine Schulter

Teile der Serie:

Gelesenes Format:

eBook

Rezension und Inhalt:

Buch 1:

Irgendwie fühlte ich mich wie ein Hund, auf den keiner aufpassen wollte, aber ich konnte Sophie verstehen und freute mich für sie, dass Fire sich einverstanden erklärte sie mitzunehmen.

Miriam ist 22 Jahre alt und studiert in München Medizin. Sie hatte ihr ganzes Leben lang das Gefühl beobachtet werden. Bis es vor 3 Jahren plötzlich weg war. Nun ist das Gefühl zurück.

Sin hat gerade seine Ausbildung beendet und ist zum 1. Wächter für Miriam ernannt worden. Er war es der Miriam – mit magischer Hilfe unsichtbar – bis vor 3 Jahren beschützt hat, bevor er seine Ausbildung in Ägypten abgeschlossen hat. Nun ist er zurückgekommen. Die Wächter können ihre körperlichen Attribute mit Magie steigern und einen Schild um sich weben, der sie vor Suchenden oder Menschen die nicht erwacht sind beschützt.

Werde dir erst einmal über deine eigenen Gefühle klar, bevor du an seine denkst.« Ich lächelte schief. Damit hatte sie recht.

Miriam erlebt die Phase des Erwachens. Nach dieser Phase kann sie die Magie der Wächter durchdringen und diese sehen. Weiterhin ist sie danach für die Suchenden interessant, weil diese sich von Magie ernähren – besonders von der Magie der Erwachten.

Sin und Miriam finden sich beide direkt interessant und es prickelt zwischen den beiden. Da Miriam Magiefähigkeiten aber außerordentlich hoch sind, werden noch zwei zusätzliche Wächter angefordert. Das Team setzt sind in Summe aus 5 Wächtern zusammen. Eine davon ist nicht sehr umgänglich uns steht auf Sin, der aber ihre Gefühle nicht erwidert.

Er konnte es nicht mit ansehen, wie die sonst so starke Miriam litt. Und doch wusste er nicht, wie er ihr helfen konnte. Die Albträume musste jeder für sich überstehen.

Aufgrund ihres extrem hohen magischen Gespürs soll Miriam auf Wunsch der Anführerin der Wächter als Jägerin tätig werden, um die Population der Suchenden zu dezimieren.

Welchen Bedrohungen wird Miriam ausgesetzt sein? Kann sie ein normales Leben führen oder wird sie ständig in Lebensgefahr schweben?

Ich beschloss alles vorerst zu verdrängen, bis ich mit Sophie darüber gesprochen hatte. Oder mit meiner Mutter. Vielleicht half mir eine andere Sichtweise besser, mit alldem klarzukommen.

Wie bei Sabine Schulter üblich wechseln die Perspektiven. Bei dieser Serie zwischen Sin und Miriam. Das ist interessant und gut gemacht allerdings kann man aus dem Perspektivwechsel durchaus noch etwas mehr rausholen als Sabine Schulter das hier macht. Obwohl nicht aus der Ich Perspektive geschrieben, fühlt ich mich als Leser aber fast so, als wenn direkt aus der Perspektive der Person berichtet wird.

Die Beziehung ist Anfangs eine klassische Dreiecksbeziehung. Bzw. man kann eher sagen, dass Thunder (alle haben Decknamen) versucht in die Kennenlernphase von Sin & Miriam zu pfuschen aber er mag sie nicht.

Hoffentlich sehe ich ihn wieder, war mein erster Gedanke daraufhin. Dann fiel mir die Sache mit dem Erbrechen wieder ein und der herbeigesehnte Zeitpunkt verschob sich um einiges nach hinten.

Ich mochte die Charaktere bis auf Thunder von Anfang an. Der Schreibstil ist – wie ich es von der Autorin bereits gewöhnt bin – sehr natürlich.

Wie üblich bei derartigen Büchern kommen Sin & Miriam, obwohl sie sich sehr mögen, lange Zeit nicht zusammen. In diesem Buch sind die Gründe dafür aber sogar sehr gut nachvollziehbar und selbst ohne Diesen sind die Gründe nicht von der Hand zu weisen. Können Sie diese Schwierigkeiten überwinden?

Ich stütze die Arme auf den Tisch und sah ihm in seine goldenen Augen. »Manche Wagnisse sind es wert, sie einzugehen. Und ich war schon immer der Meinung, dass man sich von Angst nicht abhalten lassen sollte.«

Das Buch erzeugt anfangs absolute Wohlfühlatmosphäre bei mir – zumindest bis zur Mitte des Buches. Danach wird es spannender und somit geht die Wohlfühlatmosphäre etwas dahin. Aber es soll ja auch nicht langweilig werden. 😉

Das Buch ist in sich abgeschlossen. Es gibt also keine bösen Cliffhanger.

Anders als in manchen Jugendbüchern findet hier nicht das hässliche oder zumindest unauffällige / erfolglose Entlein bzw. Enterich das perfekte Gegenstück, sondern beide stehen voll im Leben, sehen gut aus, sind erfolgreich und selbstbewusst (was wohl eindeutig öfter so vorkommt und somit realistischer ist).

Buch 2:

»Manche Dinge sind für einen so natürlich, dass man erst bei ihrem Verschwinden realisiert, dass man eigentlich keine Ahnung davon gehabt hat.«

Zwei Jahre sind nach den Ereignissen des ersten Buches vergangen. Miriam wird nach wie vor von ihren Wächtern beschützt und ist mit ihrem Medizinstudium beschäftigt. Zusätzlich unterstützt Miriam aufgrund ihrer extrem stark ausgeprägten magischen Fähigkeiten die Wächter bei der Arbeit.

Miriam schwebt ständig in der Gefahr, dass die Suchenden sie entführen.

Er sagte es auf solch eine entwaffnende Art, dass ich beinahe mit einem flotten Spruch geantwortet hätte, wenn Sins Stimmungswechsel von ruhiger Ausgeglichenheit zu einem flammenden Racheengel nicht beinahe greifbar gewesen wäre.

Dabei stoßen die Wächter in Frankfurt auf ein neues Verhalten der Suchenden aufmerksam, die schon wieder einen magischen Baum anzapfen und zu ihren Zwecken verwenden.

Und wie sich zeigt laufen die Spuren in Ägypten zusammen – also dort wo Sin seine Ausbildung beendet hat und Miriam ist ruck zuck wieder mitten im Geschehen.

Welchen Gefahren wird Miriam dieses Mal ausgesetzt sein, nachdem sie im ersten Band schon fast gestorben wäre?

Die Suchenden bekommen in diesem Band mehr Charakter. Scheinbar gibt es auch bei den Suchenden mehr Grautöne, als man es nach dem ersten Band denken könnte. In diesem Band kommen auch Suchende vor, die zumindest scheinbar oder vielleicht auch mit Überzeugung Frieden wollen.

»Keine Sorge, Schatz, einfach ist es an deiner Seite mit Sicherheit nicht«, versicherte mir Sin mit einem finsteren Blick. Ich seufzte und ließ es zu, dass er mir einen Arm um die Taille legte, um mich zu stützen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass seine gute Laune in den letzten beiden Wochen sehr gelitten hatte.

Sins Exfreundin und diverse andere Charaktere spielen auch eine Rolle.

Die Beziehung zwischen Sin und Miriam finde ich nach wie vor toll. Das Buch kommt wieder ohne Beziehungsdramen aus und ich mag die Chemie zwischen den Charakteren. Wie auch im ersten Teil fühlt sich das einfach gut an. Die im ersten Teil beschriebene Wohlfühlatmosphäre habe ich also auch hier. Mag sein, dass einigen das nicht genug Action ist, mir gefällt es.

Miri bringt sich durch ihre selbstlose und aufopfernde Art immer wieder in Gefahr und ihre Wächter zur Verzweiflung. Selbst mir als Leser geht das teilweise so.

Meine Wächter und die drei Jäger unterhielten sich den gesamten Flug hindurch über die Mission, aber ich brauchte meine ganze Willenskraft, um nicht zu hyperventilieren oder jemandem meinen Mageninhalt auf die Schuhe zu spucken.

Die Idee wie die Bäume und die Suchenden in unsere Welt gelangt sind, ist übrigens wirklich gut. Die Erklärung ist nicht angreifbar und einerseits simpel, andererseit komplex und plausibel. Tolle Idee!

Ganz nebenbei werden Themen wie der Hass auf Minderheiten angesprochen. Irgendwer muss ja am eigenen Scheitern oder den eigenen Problemen schuld sein. Das ist aber sehr unterhaltsam und ohne den erhobenen Zeigefinger verpackt.

Der zweite Teil geht wie auch der erste recht geruhsam los, endet aber ziemlich fulminant.

Buch 3:

Und wenn ich mich in dieser Sache schon weltweit stark machen wollte, wo sollte ich dann aufhören? Überall auf der Welt litten Unschuldige. Alles Leid zu lindern war ein utopischer Wunsch. Es musste für mich vorerst genügen, dass ich meine Zukunft als Ärztin plante und derweil die Jäger gegen die Suchenden unterstützte.

Das dritte Buch beginnt zwar mit einem zeitlichen Versatz aber inhaltlich nahtlos dort wo der zweite Teil geendet hat. Die Bedrohung durch die Suchenden in Ägypten ist geringer geworden, da die Wächter einen Angriff führen konnten, der die Rudel zersprengt und ohne Führung zurückgelassen hat.

Allerdings gibt es offenbar weitere Wächter, die sich der Meinung anschließen, dass es einfacher ist, die Erwachten zu töten, als sie zu schützen. Somit würde den Suchenden die Möglichkeit genommen sich schnell zu vermehren.

Direkt zu Beginn des Buches wird ein Erwachter von seinem Wächter in Deutschland getötet. Die Gefahr für Miriam ist also mal wieder groß und wie sich in dem weiteren Verlauf zeigt, nicht nur für sie.

Wie klingt das für dich?« Leise musste ich lachen. »Als ob mein Hund gestorben wäre und du mir deswegen einen schönen Tag machen möchtest.«

Es scheint zumindest so, als wenn die fanatischen Ideologien das Motiv der Angreifer sind, oder steckt vielleicht noch viel mehr dahinter?

Mir hat beim zweiten Buch schon gefallen, dass eine Zeitspanne zwischen den Büchern liegt und der Leser nicht genau die Umstände und Rahmenbedingungen vorfindet, mit denen der vorherige Teil beendet wurde. Damit wird der Start direkt interessanter.

Man bekommt als Leser eben nicht genau die Situation vorgesetzt, die man erwartet hat. Das ist auch in diesem Band der Fall.

»Nein, das meinte ich nicht, sondern dass du meine Welt so bereicherst. Dass du alles dafür tun würdest, um mir ein Zuhause zu geben, und dass du mich so sehr liebst, dass du sogar daran zerbrechen würdest, wenn du mich verlieren solltest. Du hast keine Ahnung, was du mit deiner Art, deinem ganzen Wesen in mir auslöst. Aber ich genieße es so sehr!«

Die Geschichte erweckt anfangs den Eindruck, als wenn der Handlungsstrang aus dem zweiten Teil einfach fortgeführt wird. Als Leser tappt man lange Zeit im Dunkeln welche Motive und Akteure hinter den Aktionen stecken.

Der Schreibstil ist nach wie vor toll und ich bin diesbezüglich ziemlich begeistert von den Büchern von Sabine Schulter.

Sin und Miriam sind als Charaktere nach wie vor toll und auch die Chemie zwischen den Wächtern und ihr ist super. Einige Charaktere, die man im zweiten Teil liebgewonnen hat, tauchen auch in diesem Buch wieder auf. Somit findet man in diesem Buch also eine Mischung aus den Charakteren von Teil eins und zwei.

Lediglich am Ende ist man als Leser den Akteuren voraus und erkennt den Verräter schon etwas vorher, obwohl man nicht mehr Informationen hat als sie selbst. Das Ende ist leider insgesamt etwas schwach und nicht realistisch. Das kann den Eindruck einer ansonsten überragenden Buchserie aber nur leicht trüben.

Fazit:

Die Serie ist insgesamt herausragend.

Die Autorin hat einen wirklich angenehmen Schreibstil, der sich absolut natürlich anfühlt.

Im ersten Teil kommt über weite Teile eine Wohlfühlatmosphäre auf. Die Beziehung zwischen Sind und Miriam ist wirklich klasse. Besser kann eine Partnerschaft nicht sein.

Der zweite Teil führt diverse neue Charaktere ein und liest sich genauso gut wie der erste.

Und im dritten überschlagen sich die Ereignisse.

Bewertung:

4.5 out of 5 stars 4,5/5

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Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

  • Eine Person wird seit ihrem 10. Lebensjahr jeden Tag bewacht und dann als es für die Person durch das Erwachen gefährlich wird, bewacht sie keiner und stattdessen hinterlässt man ihr eine Nachricht, dass sie doch bitte zu Hause bleiben soll und zwar ohne Grund?! Das macht überhaupt keinen Sinn.
  • Ein Viertel der Weltbevölkerung sind Limare (ok und das hat sich bis zu den Menschen nicht rumgesprochen?) und die meisten davon sind Wächter. Also sind wir im Milliardenbereich.
  • Was hilft einem als Wächter eine Hellebarde? Die kann man doch eh nirgends mitnehmen
  • Wenn angeblich so wenig wie möglich Wächter von den Erwachten wissen sollen ist es nicht so schlau sie ins Rathaus zu bringen, wo diverse Limare sind. Auch später lernt Miriam so viele Limare kennen, dass von Geheimnis keine Rede sein kann. Im zweiten Buch weiß sogar ein ganzer Stützpunkt über Miri bescheid.
  • Wie soll die Existenz der Limare vor den Menschen verborgen werden, wenn die Limare mit ihren Wächtern, Trainingsräumen und Waffenkammern das halbe Rathaus belegen?
  • Wenn die Suchenden wissen wo Miris Wohnung ist und sie umzieht, dann sollten sie danach auch wissen wo Sins Wohnung ist.
  • Wie sollen denn die magischen Bäume sterben können, wenn sie automatisch dort entstehen, wo sich größere Menschenansammlungen befinden?
  • Den Drachen, der Miri ständig begleitet kann jeder sehen?! Ich war davon ausgegangen, dass der für nicht Magiebegabte unsichtbar ist. Es ergibt nicht viel Sinn, wenn den Drachen jeder sehen kann, weil das an zig Stellen in der Geschichte zu Problemen führen würde.
  • Der Tausch der Fähigkeiten ist aufgrund der geringen Blutmenge unlogisch. Eher wäre es zu erwarten, dass man zusätzlich für einen kurzen Zeitraum auf beide Fähigkeiten zugreifen kann.
  • Die Wächter sind ein durch und durch militärischer und disziplinierter Haufen und nach dem Mordanschlag wird ernsthaft darüber diskutiert, ob die Schüler noch Wächter werden können?!
  • Den Ansatz die Erwachten zusammen zu ziehen finde ich nicht logisch. Die Angreifer haben alle Zeit der Welt. Warum soll man angreifen, wenn man den Feind viel leichter aushungern kann?
  • Die offenen Kämpfe der Drachen, Wächter und Suchenden sind nicht so ganz logisch. Wie soll dass denn die Bevölkerung nicht mitbekommen?
  • Die Argumentation, dass die Jäger nur Befehle befolgen ist ziemlich schwach aus meiner Sicht. Mag ja sein, dass man beim Militär so tickt, dass man nur die Befehle des direkten Vorgesetzten zu befolgen hat, auch wenn man weiß, dass man denen des nächsthöheren Vorgesetzten genau zuwider handelt.
  • Das sich eine Anführerin der Jäger und Wächter auf einen Kampf um die Führung einlässt, obwohl es dazu weder Regelungen, noch einen Grund gibt, halte ich für reichlich unrealistisch. Das Ende vom letzten Band wirkt somit etwas gekünstelt. Bei der Auswahl des Führers der Jäger & Wächter ist es vollkommen irrelevant, ob derjenige am besten kämpfen kann.

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