Westaustralien 2015 [Reisebericht]

Yeah, cooler kann ein Roadtrain nicht aussehen (die Road Trains können bis 50m lang sein)

Westaustralien

Wenn man an Australien denkt, hat man für gewöhnlich einige Bilder und Orte im Kopf. Häufig sind das Sydney, der Ayers Rock oder auch Uluru, das Great Barrier Reef und diverse Bilder und Eindrücke, die man aus Filmen kennt. Interessanterweise fahren viele Touristen auf die Ostseite von Australien und erleben dort i.d.R. ein Australien, was sie so nicht erwartet haben. Das was man sich typischerweise unter Australien vorstellt, findet man im Westen von Australien und nicht im Osten, wo es die meisten Touristen hinzieht.

An dem Beispiel sieht man ganz gut wie weit Marketing und Vorstellung der Besucher ganz gewaltig auseinander driften. Der Tourismus auf der Westseite von Australien ist daher sehr überschaubar. es gibt ein paar Busunternehmen, die auf der Rute fahren, aber Massentourismus ist das wahrlich nicht.

Veranstalter und Tour

Wie auch andere Touren haben wir auch diese als organisierte Tour gebucht. Lt. Reisebeschreibung sollte die Tour in einer Kleingruppe stattfinden. Bei Busreisen stellt sich bei derartigen Touren immer die Frage was für ein Bus ausgewählt wurde. Die großen Tourveranstalter arbeiten oft mit Standardbussen. Kleine Busse sind oft nicht auf längere Reisen ausgelegt und sind daher oft sehr unbequem für längere Reisen. Wir waren also im Vorfeld relativ skeptisch.

Diese Skepsis hat sich aber zum Glück als unbegründet erwiesen.

Über 1000km Rundflüge (zwei Inlandsflüge und über 6000km mit dem Bus)

Die Tour kann man von Darwin nach Perth oder in die andere Richtung buchen. Vom Temperaturverlauf kommt es natürlich auf die Jahreszeit an aber im Darwin hatten wir über 30°C mit tropischer Luftfeuchtigkeit und in Perth noch so rund 20°C. Die Strecke beträgt ca. 6.500 km, die wir in knappen 3 Wochen zurückgelegt haben. Zusätzlich haben wir auf Inlandsrundflügen noch mal über 1000km zurückgelegt.

Stylisch

Den Hinflug hatten wir so ausgewählt, dass wir nachmittags in Darwin angekommen sind. Das mag ich ganz gerne so, weil ich im Flieger in der Economy in der Regel nicht schlafen kann. Wenn ich dann 20 Stunden Flug hinter mir habe + evtl. schon einen Tag in Deutschland (je nach Abflugzeit), dann bin ich am Ankunftsort immer ganz froh, wenn der Tag nicht mehr so lang ist und man direkt in der Zeitzone ankommen kann, indem man den Schlafrhythmus übernimmt. Theoretisch kann man auf einer Bustour zwar auch pennen aber ich will ja was sehen und zum Schlafen brauche ich nicht um die halbe Welt fliegen! 🙂

Erste Begnung mit dem Tourguide und der erste Eindruck vom Reisebus

Am Flughafen wurden wir direkt persönlich von unserem Tourguide in Empfang genommen und zwar direkt mit dem Tourbus. Urs (so heißt er) ist Schweizer und nach Australien ausgewandert. Er sah auch so richtig Aussi mäßig aus. Bart, Hut und irgendwie Outback mäßig. Ursprünglich hat er im IT-Sektor als Berater gearbeitet und nach mehreren Australienurlauben hat er den Schritt gewagt und dort zuerst Fahrradtouren organisiert (was ich in Australien nicht für so sonderlich sinnvoll halte bei den Entfernungen und dem Wenigen was es teilweise über lange Strecken zu sehen gibt).

Sieht nicht toll aus – war aber von innen Klasse und super ausgestattet

Später hat er dann einen Bus gekauft, den er dann so umgerüstet hat, dass er auch für längere Reisen sehr komfortabel ist. Der Bus wurde von 21 auf 13 Sitzplätze runter gerüstet. Da es in Australien keine eigene Auto oder Busproduktion gibt war das primäre Kaufkriterium wie gut sich später Ersatzteile beschaffen lassen.

Darwin

Unser Tourguide hat uns mitgeteilt, dass wir auf dieser Tour in Summe 5 Leute sind. Eine einzelreisende Journalistin, ein etwas älteres Ehepaar und wir. Besser kann es doch nicht laufen! 🙂

Nachdem wir beim Hotel abgesetzt worden sind, haben wir eine abendliche Erkundungstour gestartet. Bei tropischem Klima auf jeden Fall ein super Einstieg in den Urlaub. Wir sind dann ganz gemütlich auf einen größeren Rundgang durch Darwin gegangen und hätten dort auch im Halbschlaf schon fast den ersten Fehler gemacht. Bei uns ist es vollkommen undramatisch in Strandnähe durch Dünen oder Hügel zu wandern. In Australien wächst in Strandnähe teilweise diverses Grünzeug was dann auch mal einen Meter hoch ist. Wir hatten kurz überlegt da durch zu wandern, bis die Vernunft dann gesiegt hat. In derartiger Vegetation können Salzwasserkrokodile liegen und wenn die einen erwischen, hat man es ganz schnell hinter sich. 😉

Das ist übrigens eine wiederkehrende Erfahrung in Australien und unterscheidet Australien ganz stark z.B. von Neuseeland. In Australien sind die Lebensbedingungen sehr feindlich. Somit haben alle Arten Überlebensstrategien entwickelt und das bedeutet, dass sie jede Gelegenheit der Futterbeschaffung nutzen müssen. Wenn sich die Gelegenheit bietet, muss die Erfolgsaussicht hoch sein.

Dementsprechend gibt es hochgradig giftige Spinnen, Frösche, Schlangen, Muscheln, Quallen und dann noch Krokodile, Haie usw. die zwar nicht giftig aber auch nicht weniger tödlich sind. Teilweise sind die genannten Tiere auch noch aggressiv – bewegen sich also nicht weg, wenn sie Menschen sichten, sondern greifen sogar an. Es ist also Vorsicht angesagt. Was die Tierwelt angeht gehört Australien sicherlich zu einem der gefährlichsten Länder der Welt.

Toll oder?

Zum Sonnenuntergang sind wir dann zum Cable Beach gewandert und ganz ehrlich  – so etwas habe ich vorher noch nicht erlebt. An dem Strand waren hunderte Menschen, die sich den Sonnenuntergang angeschaut haben. Man sollte ja meinen, dass das für die Einheimischen nichts besonderes ist aber offenbar gibt es auch dort das Ritual sich am Strand den Sonnenuntergang anzusehen.

Und nicht so toll 😉

Die Menschen sind wirklich alle für den Sonnenuntergang zum Strand gewandert. Schon auf dem Weg in Richtung Strand haben wir uns gefragt, ob da noch irgend ein anderes Event stattfindet und ja am Strand war auch noch eine art Markt, sofern man das so nennen kann. Es gab Buden für alles einschließlich gemeinsam musizieren, singen tanzen, Kunsthandwerk, alle möglichen Wagen für Essen. So kommt man gerne im Urlaub an, auch wenn ich mich über den immensen Andrang gewundert habe. Der Markt war wirklich richtig voll und richtig groß. 🙂

Sunset Market

Wenn man durch Australien fährt, dann entsprechen unsere Rasthöfe an den Autobahnen am ehesten den Roadhäusern. Oft gibt es auf den recht einsamen Straßen nur alle paar hundert km ein größeres Roadhouse. Teilweise sind diese Roadhäuser sehr urig oder kultig.

Kultiges Roadhouse

Im Ernst mal, oder? 🙂

Wildman Wilderness Lodge

Das war nach Darwin direkt das erste Higlicht. Ein Hotel im Nationalpark. Wobei der Begriff Hotel etwas irreführend ist. Man muss eher sagen Luxuszelte (wobei das auch irreführend ist) aber seht einfach selbst auf den Bildern. Jeder Gast hat eine eigene Lodge mit festen Wänden und einem Zeltdach. Zwischen Wänden und dach ist eine Öffnung. Der Wind zieht also immer durchs zimmer und das ist quasi die Luxusvariante von unter freiem Himmel schlafen.

Das Luxuriöseste “Zelt” das ich bisher kennenlernen durfte

Neben den Lodges gab es auch noch einen zentralen Bereich in dem wir von mit einem Willkommensdrink begrüsst wurden. Hier gab es auch Internet.

Eilitär 😉 Ein Cocktail, Satelliteninternet und irgendwo im nirgendwo im Nationalpark, wo ein paar Meter weiter die Tiere vorbeihüpfen

Kleine Anekdote am Rande: Ich habe von aus der Lodge zu Hause angerufen und zwar nicht über das Telefonnetz, sondern ich habe mich einfach mit meinem Handy im per VPN in meine Fritzbox eingewählt und dann telefoniert per IP Telefonie. Das ging super und war sogar relativ verzögerungsfrei. Wenn ich mir überlege, dass ich irgendwo im nirgendwo in Australien war und da die Internet Verbindung besser und schneller ist als in teilen von Deutschland, kann ich über die Ausreden der Telekom wirklich nur lachen.

Man hat zwar nicht überall Internet und Mobilfunknetz aber Australien ist diesbezüglich sehr gut erschlossen (Richtfunkmasten). Selbst kleine Ortschaften bieten Mobilfunkzugang. Man muss sich lediglich eine Monatskarte beim lokalen Mobilfunkanbieter kaufen und dann die Sim in sein Handy schieben. Damit bekommt man mehrere GB Freivolumen, was für den Urlaub reichen sollte.

Termitenhügel

Um die Lodge gab es Termitenhügel, Kakadus, Kangaroos und diverse andere Tiere. Da die Lodge offen war hatten wir abends am Zeltdach auch einen Besucher mit Tarnfähigkeiten (der hat seine Farbe mal an die Zeltplane angepasst). Sehr cooler kleiner Gefährte der direkt über unserer halb offenen Toilette hing (da war nur eine Trennwand mit ca. 1,5m höhe. Der ganze Badezimmerbereich war offen im hinteren Bereich des Zeltes. Unser Tourguide hatte uns auch vorgewarnt, dass in den Toiletten teilweise Frösche sitzen. Wir hatten aber keinen – ich habe sicherheitshalber immer nachgeschaut.

Unser kleiner tarnfarbiger Freund

Abends habe ich um die Lodge den beeindruckendsten Sternenhimmel gesehen, den ich bisher in meinem Leben erlebt habe. Das sah mindestens so toll aus wie im Planetarium. In Deutschland gibt es fast überall Lichtsmog. D.h. in der Regel sieht man selbst bei klarem Himmel nur die hellsten Sterne.