Pacific Crest Trail – Teil 5 – Bounce Box und Resupply Boxen

Zur Resupply Strategie hatte ich in der Vergangenheit schon einen Beitrag geschrieben. In diesem Post geht es nun etwas detaillierter um das was und wie.

Einige Bereiche des Pacific Crest Trail (PCT) sind ziemlich abseits und somit gibt es teilweise nur kleine Geschäfte. Somit geht man an diesen Stellen immer das Risiko ein, dass man nicht die Nahrung bekommt, die man möchte oder noch schlimmer, wenn vorher diverse Hiker eingekauft haben, evtl. auch überhaupt nichts.

Resupply Box

Da die meisten Hiker beide Risiken nicht eingehen wollen, schickt man sich entlang des Trails i.d.R. einige Resupply Boxen. Das ist der Weg den die Ausländer in der Regel favorisieren. Das führt aber in einigen Orten (Tuolumne Meadows) leider dazu, dass das eh schon nur sehr bedingt auf Hiker ausgelegte Angebot, sogar noch schlechter wird.

Einige Amerikaner machen das auch für den ganzen Trail oder lassen sich die Boxen einfach von Verwandten schicken. Somit braucht man sich entlang des Trails nicht mehr um Resupply kümmern und sammelt lediglich die Pakete ein (was deutlich stressfreier ist – man stelle sich mal vor man arbeitet Montag bis Samstag und am einzigen freien Tag muss man den ganzen Tag shoppen).

Andererseits ist es aber sehr schwer vor dem Trail alles so genau zu planen. Das liegt schon daran, dass sich die Vorlieben oder Abneigungen während des Trails ändern können. Weiterhin kann man sich so getrocknetes Essen (selbst hergestellt) schicken, was natürlich gesünder und evtl. auch schmackhafter und günstiger ist als das Fertigessen ist. Ich kann also nur dringend davon abraten den ganzen Trail mit vorbereiteten Paketen zu arbeiten, außer wenn man das Essen selbst zubereitet hat und weiß, dass es einem schmeckt (z.B. gefriergetrocknetes Essen selbst gemacht).

Einige senden die Pakete auch um damit kosten zu sparen. Ich glaube aber, dass dieser Effekt nicht wirklich greift, weil das versenden ja auch kostet und USPS ist nicht gerade günstig und auch manchmal auch nicht zuverlässig. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass man einen Teil des Essens vielleicht in Hiker Boxen legt, weil man es nicht mehr sehen kann oder den Hike sogar abbricht und die Boxen nie abholt, dann dürfte das Argument der Kostenersparnis wohl eher weniger wichtig sein.

USPS Box

USPS Box für Resupply – für diese Pakete benötigt man keine Versandetiketten – einfach Quell- und Zieladresse eintragen (Quelladresse ggf. weglassen)

Dazu kommt noch, dass es durchaus hilfreich ist, wenn die Anwohner in den Städten den Hikern wohlgesonnen sind und das erreicht man eher dadurch, wenn man bei ihnen einkauft, als wenn man nur zur Post geht und dort ein Paket abholt. Beispielsweise hatte ich das auch in Kennedy Meadows. Ich habe dort einiges bei Tripple Crown Outfitters gekauft, die ziemlich gut ausgestattet waren aber auch nicht alles hatten was ich wollte. Man kann sich also nicht drauf verlassen, obwohl es dort z.B. das beste Angebot von gefriergetrocknetem Essen gab, dass ich am ganzen Trail gesehen habe.

Bei den Resupply Boxen gibt es einiges zu beachten. Je nach Versandart und Postamt (teilweise sind es auch Privatadressen) wo man die Pakete hinschickt, sind die Verweildauern sehr unterschiedlich. Ich habe schon an diversen Stellen gelesen, dass man die Pakete per USPS immer per Priority schicken soll, weil sie sonst i.d.R. zu spät kommen.  Das hat auch noch einen weiteren Vorteil. Wenn man die Box in einer Stadt nicht öffnen möchte, kann man sie einfach kostenlos weiterleiten (das machen aber auch nicht alle Postämter mit). Per Priority versendete Pakete sind auch Versichert (allerdings nur für 50$).

Ohne Priority werden die Pakete länger aufbewahrt. Einige Postämter legen die Regeln aber kreativ aus, wenn sie wissen, dass die Pakete für Thru-Hiker sind (die Aufbewahrungszeit liegt somit zwischen 7 und grob 30 Tagen – je nach Laune der Angestellten). Somit sollte immer gut sichtbar auf den Paketen drauf stehen, dass man Thru-Hiker ist. Genauso sollte der Name von allen Seiten sichtbar sein.

D.h. PCT-Hiker und ETA (estimated Time of arrival) sollte gut sichtbar sein (Monat vor Tag – 03/15). Die ETA sollte man immer so angeben, dass man etwas Reserve hat. Zu viel sollte es aber auch nicht sein, weil der Postmitarbeiter evtl. danach sortiert.

Es gibt auch die unterschiedlichsten Varianten, die dann im Tracking auftauchen. Einige Postämter scannen die Pakete als abgeholt, wenn die Verweildauer erreicht ist, andere scannen sie überhaupt nicht an, wenn sie ankommen. Somit steht im Tracking dauerhaft in Transit. Man kann sich also nie darauf verlassen, dass die Informationen im Tracking stimmen.

Wenn man das Paket sonst noch irgendwie hervorhebt, schadet das nicht. Man muss sich vorstellen, dass in den Minipostämtern zu Hochzeit hunderte Pakete lagern. Die muss der oder die Angestellte dann erst mal finden. Manchmal darf man auch selber suchen. Desto einfacher das ist, desto besser.

Bei Postämtern muss man auch die eingeschränkten Öffnungszeiten beachten. Wenn man später kommt, heißt es einen Tag warten. Am Wochenende werden da dann auch schnell mal zwei Tage draus.

Bounce Box

Bounce Box

Bounce Box

Zusätzlich zu den Resupply Paketen schicken einige Hiker eine Bounce Box immer ein Stück des Weges voraus. In der Bounce Box können z.B. Ersatzteile sein, ein Rasierapparat, Verbrauchsgegenstände wie Zahnbürsten oder Zahnpasta, Sonnencreme zum Nachfüllen evtl. kleinerer Packungen, die man dabei hat, Karten, Handdesinfektion, Shampoo, Schuhe, Ersatzblasenpflaster, Reservesocken, Ersatzmedikamente, Ersatzhikingstockspitzen, Ersatzkabel, Waschmittel, Kopien von Permits. Bei Permits muss man aber damit rechnen, dass man sie nie wieder sieht (siehe weiter unten). Ich würde also Sachen, die nicht entbehrlich sind, eher nicht in die Bounce Box Paken.

Es können auch Gegenstände sein, die man im aktuellen Abschnitt gerade nicht benötigt, später aber schon oder andersrum. Die Idee ist, dass man alles was man aktuell nicht benötigt auslagert. Desto weniger man schleppen muss, desto besser. Auch Dinge, die man evtl. nicht so einfach bekommt aber auf die man nicht verzichten möchte, sollte man in die Bounce Box packen (Spezialbatterien, Medikamente, bestimmte Zahnpasta oder Bürste usw.). Randnotiz: Batterien darf man eigentlich nicht verschicken aber man muss es den Postangestellten ja nicht erzählen.

Die Bounce Boxen sollten stabil sein, damit sich ein mehrfaches Versenden überstehen. Da man an einige Stellen des Trails eh nur Kunststoffbehälter schicken darf (Pappe wird dort einfach von Nagern durchgekaut), macht es aus meiner Sicht Sinn einen Eimer mit 5 Gallonen (also 18l) zu benutzen. Zu beachten ist, dass es auch Gewichtsrestriktionen (z.B. max 25 Libs) gibt. Da man aber eh leicht unterwegs ist, sollte das Gewicht kein Problem darstellen.

Die Kunst bei der Bounce Box ist sie nicht zu nah (dann braucht die Box länger als man selbst und man muss im Extremfall sogar auf die Box warten) und auch nicht zu weit voraus zu schicken. In dem Fall nützt sie nur wenig, wenn man irgendetwas benötigt aber die Box erst in 10 Tagen erreicht, weil man sie 20 Tage voraus geschickt hat.

Nach meiner Erfahrung dauert es in der Regel nur wenige Tage, bis die Box am Ziel ist. Wenn sie dann nicht da ist, kommt sie nie an.

Damit das ganze auch nicht zu einfach wird, gibt es diverse Besonderheiten zu beachten. An einige Stellen kann man nicht per USPS (wie die Post bei uns) schicken, sondern muss per UPS versenden. Wenn man an diese Stellen mit UPS schickt, kommt das Paket im schlimmsten Fall nicht an. Bei der Bounce Box wäre das sehr schlecht. Ich bin aber überall – wo ich war – per USPS zurecht gekommen.

Für die Bounce Box benötigt man einen kleinen (ca. A6) roten Priority Aufkleber auf den man die Adressdaten schreibt. Die kann man sich in jedem Postamt aus den Ständern holen. Somit kann man es sich etwas Bequemer machen, wenn man immer einen in Reserve hat. Dann braucht man die nicht im Postamt ausfüllen. Generell sind die Postämter oft gut besucht. Eine halbe Stunde Wartezeit ist ungeachtet der Tageszeit keine Seltenheit. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob man sich in einer Großstadt oder einer Kleinstadt befindet.

Zu Adressieren ist wie folgt:

First Lastname, ETA: 6/20

c/o General Delivery

Sierra City, CA 96125

Oder:

First Lastname, ETA: 6/20

c/o Sierra City Country Store

213 Main Street

Sierra City, CA 96125

Das c/o bedeutet care of

Was ich in meiner Bounce Box habe:

  • Medikamente (Ibus, Magentabletten, was gegen Durchfall, Anti Enzündungssalbe)
  • Blasenpflaster
  • Ersatzzahnpata (Minituben wie es sie beim Zahnarzt zum Testen gibt), Zahnbürsten
  • Ein langärmeliges Sweatshirt und eine kurze Hose (Ersatz und oder Town Kleidung)
  • Ersatzschuhe
  • Sonnencreme zum Auffüllen
  • Penatencreme
  • Einige Ersatzdrybags
  • Ziplocks
  • mehrere paar Ersatzsocken (Injinji / Darntough)
  • Elektrischer Rasierer
  • einfaches leichtes Notebook (ja, das ist Luxus und eigentlich nicht nötig)
  • Zweite Stirnlampe
  • Ersatzkabel zum Laden Micro USB / USB
  • Ersatzladegerät USB
  • Adapter für US Steckdosen (für Rasierer)
  • Permit Kopien, sowie Ausweis- und Visakopien (alles laminiert)
  • Handdesinfektionsmittel Ersatz (Stichwort Toilettengang)
  • Reinigungstücher (die sind Getränkt mit Desinfektionsmittel)
  • Ersatz Reparaturmaterial
  • Ersatzheringe für das Zelt
  • Größere Teller für die Hikingstöcke (für Schnee
  • Klebeband
  • Ersatzmesser

Update 01.01.2019 Nun ist mein PCT Hike vorbei und ich habe einige Erfahrungen gemacht. Würde ich noch mal eine Bounce Box mitnehmen? Ja, aber ich würde nicht mehr alles mitnehmen. Die Erfahrungen mit der amerikanischen Post sind eher schlecht gewesen.

Zwischendurch ist meine Box lt. Tracking verschwunden, stand aber im Zielpostamt Mojave (sie war dort angescannt worden und USPS war nicht in der Lage das Paket mit einem Nachforschungsauftrag zu finden). Dort wurde es ausgescannt, ist aber nie wieder im USPS Tracking aufgetaucht. Selbst heute bekomme ich noch regelmäßig Infos, dass USPS danach sucht. Na klar!

Später hatte ich den Fall, dass in einem Hotel in Mammoth Lakes der Manager gewechselt hat und die Pakete nicht mehr angenommen wurden, wenn man nicht schon eine Zimmerbuchung hat.

Das in Kombination mit einem Postamt, dass die Pakete nur eine Woche aufbewahrt und einer Deutschen Rücksendeadresse hat dann dazu geführt, dass die die Bounce Box trotz Riesenaufdruck mit Datum und für PCT Hiker allen ernstes nach Deutschland zurück geschickt haben. Lustigerweise ohne Bezahlung und ohne Zollerklärung.

Mir ist nach wie vor ein Rätsel wie / warum der Eimer überhaupt in Deutschland angekommen ist, weil er offenbar am Zoll vorbei gegangen ist. Ich durfte 20€ nachzahlen. Das Zweite Paket ist nach wie vor verschollen. Insgesamt habe ich nun 4 Nachverfolgungsaufträge. Ein vollständig verschollenes Paket und USPS hat selber nichts davon gefunden.

Somit kann ich nur dringend davon abraten wertvolle Gegenstände mit USPS zu verschicken. Die Versicherung beträgt nur 50$, der Versand ist aber bereits ziemlich teuer. D.h. je nach Häufigkeit des Zugriffs auf die Bounce Box zahlt man entlang des PCT selbst ohne Versicherung schon um die 150-200$. Zusätzlich benötigt man eh an diversen Orten Pakete mit Lebensmitteln. Somit ist man in Summe schnell bei 300$ oder mehr.

Weites Infos zum Thema Pacific Crest Trail Hike:

Pacific Crest Trail – Teil 1 – Buch vs. Realität
Pacific Crest Trail – Teil 2 – Die Ausrüstung
Pacific Crest Trail – Teil 3 – Resupply Strategie
Pacific Crest Trail – Teil 4 – Nahrung
Pacific Crest Trail – Teil 6 – Unterhaltung mit Hörbüchern
Pacific Crest Trail – Teil 7 – Navigation
Pacific Crest Trail – Teil 8 – Links & Guides

Sonstiges Links zum Thema:

Anatomy of a PCT resupply box
Anatomy of a Bounce box
Bounce Box and bounding a box

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