Wochenrückblick – PCT Woche 4 – Stillstand und kleine Fortschritte

Leselaunen / Wochenrückblick

Die Aktion „Leselaunen“ ist ein wöchentlicher Bericht und Austausch unter Buchbloggern über das aktuell gelesene Buch, die Lesemotivation und andere Kleinigkeiten im Leben eines Buchbloggers. Der Leselaunen Bericht erscheint wöchentlich am Sonntag um 20:00 und jeder darf jederzeit mitmachen und seinen Link dann bei Trallafittibooks verlinken. Einfach einen Leselaunen-Beitrag schreiben, verlinken, andere Teilnehmer besuchen/kommentieren und genießen!

Da ich unten einige Markennamen erwähne, kennzeichne ich den Beitrag hiermit als Werbung.

Da ich ab Mitte April den Pacific Crest Trail (PCT) wandere (so lange nicht noch irgendwas dazwischen kommt – auf Holz klopf), habe ich mich entschlossen Wöchentlichen Post temporär anzupassen. Es geht hier also in näherer Zukunft kaum oder wenig um Bücher, sondern um Wandern und Reisen. Zudem werde ich mich aufgrund der Zeitverschiebung zu den USA und dem unregelmäßig verfügbaren Internet wohl auch nicht so genau an die Postzeiten halten.

Aktuelles Buch:

Auf dem Weg nach San Diego habe ich die H.O.M.E. Serie begonnen. Dank meiner ungeplanten Auszeit bin ich nun bei Teil 2 angelangt und habe diesen beendet.

Weiterhin habe ich die Izara Serie begonnen.

Momentane Lesestimmung:

Die Reise geht vor, somit richte ich mich nach zeitlicher Verfügbarkeit. Diese Woche hatte ich Zeit.

Zitat der Woche:

entfällt

Und sonst so:

Sonntag – Tag 20 – 05.05.2019

Stillstand. Meine Füße sind morgens mindestens genauso geschwollen, wie am Vorabend. Auch die Schmerzen Muskelbereich sind heftig. Ich recherchiere im Netz.

Wie üblich findet man im Internet viel aber oft auch Gegensätzliches. Einige empfehlen Ibuprofen zur Entzündungslinderung, andere schreiben, dass das Problem (geschwollene Extremitäten) durch Ibu erst verursacht werden kann. Ich entschließe mich heute kein Ibu zu nehmen, etwas den schmerzenden Muskelbereich zu kühlen und die Füße hoch zu lagern.

Bisher sind aber fast alle Schmerzen am nächsten Tag deutlich geringer gewesen. Das es jetzt nicht so ist, deutet auf ein langwierigeres Problem hin und macht mir Sorgen.

Für einen potentiellen Thru Hiker ist das somit der schlimmste Zustand. Man müsste Einkaufen und Dinge erledigen an ein Zero und dann schnellstmöglich auf den Trail zurück.

Momentan kann ich aber kaum laufen. Der Trail ist also gerade in weite Ferne gerückt.

Ich bewege mich heute so wenig wie möglich. Lediglich zum Frühstück, Mittag-, Abendessen laufe ich ein paar Meter und zur Reinigung.

Beim Frühstück treffe ich Hiker, die mit mir gestartet sind und die ich immer wieder entlang des Weges getroffen habe. Die sind nun auf und davon.

Heute lerne ich die amerikanische Laundry Variante kennen. Gut, dass ich Waschmittel dabei hatte. Es gab dort keins. Die Waschmaschinen haben vier Temperaturoptionen in Textform. Was die Einstellungen bedeuten kann man nur raten.

Weitere Optionen gibt es nicht (geschleudert wird irgendwie). Ich wähle die kalt Option und stehe ca. 25 Minuten vor der Maschine.

Im Gegensatz zu der seltsamen Wäsche in Idyllwild sieht mein Merino/Funktionsshirt nach der Wäsche normal aus und riecht auch gut. Sauber ist es sogar auch noch. Es hilft also deutlich Color Waschmittel zu nutzen (was auch immer für ein Zeug im Idyllwild in verwendet wurde, selbst Vollwaschmittel sollte keine so verheerenden Schäden anrichten).

Warum so viele Amerikaner keine eigene Waschmaschine haben verstehe ich aber nicht.

Man muss übrigens aufpassen was in der Maschine noch an Restmittelchen drin ist. In einigen waren Weichspülerreste, die auch hervorragend geeignet sind Sportbekleidung zu vernichten.

Den Rest des Tages hänge ich auf dem Hotelzimmer rum, surfe etwas auf dem Handy im Internet und lese ein wenig.

Soll mein Hike hier schon zu Ende sein? Nach gerade mal knappen 10% der Strecke und nachdem es bisher verhältnismäßig gut gelaufen ist?

Edit 28.08.2020 Wenn man das so im nachhinein liest ist verhältnismäßig gut aber arg geschönt. Ich habe pro Echtem Hiketag verhältnismäß viel Strecke gemacht und bin noch auf dem Trail. Das war es aber auch schon. Es waren viel zu viele Zeros und viel zu viele Gesundheitsprobleme.

Edit Ende

Da fällt mir übrigens ein, dass meine Fitnesswatch mir nach den ersten Etappen 20h, dann 30 Stunden, dann 3 Tage und anschließend 5 Tage Ruhe verordnet hat. Jetzt bekommt sie ihren Willen.

Ansonsten sagt die Uhr ihr Sportalter entspricht einer ausgezeichneten 20 jährigen Person. Tja, mehr oder weniger. Ich fühle mich gerade nicht so. ^^

Montag – Tag 21 – 06.05.2019

Meine Füße sind nach wie vor ziemlich stark geschwollen. Ich beschließe zum Arzt zu gehen. Zum Glück weiß ich morgens noch nicht was mich erwartet.

Ich rufe im Rural Health Center an, um mir einen Termin geben zu lassen bzw. zu fragen, ob ich ohne Anmeldung vorbeikommen kann. Zuerst nimmt den Anruf jemand an und dann hänge ich in einer Endloswarteschlange.

Ich beschließe zum Krankenhaus zu fahren, stelle dann aber fest, dass in der Stadt keine Uber Fahrer verfügbar sind. D.h. also laufen (ca. 1 Meile). Am Krankenhaus stelle ich fest, dass das nur aus einer Notaufnahme und einigen Betten besteht, nebenan aber eine Niederlassung des Rural Health Center angesiedelt ist.

Die Dame am Anfang stellt mich vor die Wahl entweder eine unbestimmte Zeit warten oder um 1:00 einen Termin in der zweiten Niederlassung wahrnehmen. Ich nutze die zweite Option.

Da ich nun nur noch eine halbe Meile vom Supermarkt entfernt bin, kaufe ich gleich noch Trailfood für die nächste Etappe und gehe zurück zum Hotel. Jetzt habe ich schon mindestens 3 Meilen hinter mir.

Am Supermarkt treffe ich auf eine Gruppe, die mit mir zusammen begonnen hat und die wieder Richtung Trail loszieht.

Im Hotel lese ich ein wenig und obwohl ich den Arzttermin erst um 1:00 habe, versuche ich es um 12:00 mit Uber. Fehlanzeige. Ich stelle fest, dass ich bei der Fahrt nach Big Bear richtig Glück hatte. Das war wohl der einzige Uber Fahrer in Big Bear und der fährt nur am Wochenende.

Dann versuche ich es bei einem Trailangel, der aber abarbeiten muss und mich daher abwimmelt.

Anschließend rufe ich beim Taxiunternehmen an, bei dem ein Band läuft, dass mir mitteilt, dass niemand verfügbar ist.

Also bleibt mir nur die 2,5 Meilen in jede Richtung zu laufen. Genau das was meine Füße brauchen.

Die Ärztin hört sich meine Geschichte an und verschreibt mir vier Entwässerungspillen. Die Daten werden direkt elektronisch an die Pharmacy übertragen. Die 4 Pillen kosten 12$, der Arztbesuch pauschal 50$. Ansonsten ist der Rat Beine hoch legen und als Ausgleich zu den Entwässerungspillen eine Banane am Tag.

Ich bin gespannt. Wenn wirklich zu viel Wasser das Problem ist, kommt das Problem auf dem Trail vermutlich wieder. Was ich jetzt aber mal testen werde ist die Matratze bei Schräglage so auszurichten, dass die Beine oben sind.

Bach dem ganzen Laufen heute Schmerzen meine Muskeln wieder. Ich beschließe also bis einschließlich Donnerstag Pause zu machen. Der Thru Hike rückt in weite Ferne.

Auf dem Rückweg zum Hotel (im Burgerladen) treffe ich noch einen Hiker, der mit mir den Hike begonnen hat.

Ich war heute den ganzen Tag unterwegs ohne viel erreicht zuhaben. Aber zumindest habe ich etwas Einblick in das amerikanische Gesundheitssystem bekommen.

Dienstag – Tag 22 – 07.05.2019

Die Schwellung hat wieder etwas abgenommen aber es geht leider recht langsam.

Die Schmerzen sind leider immer noch vorhanden. Vermutlich gehen die nicht so schnell weg.

Ich bereits heute die Ausrüstung auf die nächste Etappe vor, schone mich, kühle, lege die Füße hoch und lese.

Da ich heute sonst nichts zu schreiben habe, möchte ich ein paar Gedanken zu der Beziehung unter den Hikern loswerden.

Als Hiker erkennt man sich auch abseits des Trails recht einfach, man grüßt sich, wechselt ein paar Worte und oft wird man gefragt wie es einem geht (das ist aber eine reine Höflichkeitsfloskel, eine ehrliche Antwort erwartet niemand).

Es gibt auch Gruppen die zusammen laufen. Da muss dann die Geschwindigkeit von allen zueinander passen. In den Gruppen entwickelt sich natürlich eine andere Beziehung, wenn sie über längere Zeit bestehen bleiben (oft ist das nicht der Fall).

Oft sind auch Pärchen zusammen unterwegs.

Die vielbeschworenen tiefen Freundschaften, die teilweise in Büchern über den PCT beschrieben werden, konnte ich bisher nicht ausmachen. Aber es sind ja auch erst knappe 10% der Strecke geschafft.

Für fast alle hat der Trail bzw. das Weiterkommen oberste Priorität.

Auch die Trailmagic (Essen / Getränke) am Trail scheint mir etwas weniger geworden zu sein, als ich den Eindruck in Büchern hatte. Aber das ist auch immer eine Frage vom richtigen Timing. In Julien hatte ich ja wirklich Glück.

Vermutlich hat beides etwas mit der stark erhöhten Zahl der Hiker zu tun.

Heute habe ich ein ganzes Buch gelesen. Ganz unerwartet kam die Situation ja nicht. Man liest schließlich in genügend PCT Blogs von Verletzungsgedingten Ausfällen und Problemen. Trotzdem hofft man natürlich, dass einem das erspart bleibt. Ich hoffe auf jeden Fall das es danach wieder besser läuft. 5 Tage Auszeit sind potentiell 100 fehlende Meilen.

Mittwoch – Tag 23 – 08.05.2019

Die Schwellung ist jetzt fast weg . Die Schmerzen im Sehnen / Muskelbereich noch vorhanden aber nicht mehr so schlimm wie vorher. Der Körper benötigt halt einige Zeit zur Regeneration. Ich hoffe das war nun genug.

Neben Uber habe ich jetzt noch Lyft entdeckt. Dort kann man Fahrten vorausplanen. Das hilft aber auch nur, wenn in der Region Fahrer sind und die Fahrten akzeptieren. Hier in Big Bear scheint das echt schwer zu sein. Ergo kein Bus, kein Taxi, meist keine privaten Alternativen. Hitchhikern von der Stadt aus kann man quasi vergessen, weil eine vierspurige Straße mitten durch die Stadt geht. Da hält niemand an.

Heute war ich im Hostel in Big Bear, weil ich dahin neue Schuhe und Socken geschickt habe. So richtig sympathisch es mir der Laden nicht. Alle Türen sind zu und überall sind Codeschlösser.

Links nach 250 Meilen, rechts neu

Hinweisschilder auf Cameraüberwachung gab es auch und die Post gab es nur per Ausweis. So richtig un-hiker-mäßig. Der Besitzer hat mich auch erstmal auflaufen lassen. Er saß in der Raucherecke und hat mich schön vor die verschlossenen Türen laufen lassen. Erst auf meinen Anruf kam er dann mit Verzögerung: Die Botschaft – du schläfst nicht bei uns, also wirst du entsprechend behandelt. Für den Service habe ich dann 5$ bezahlt.

Man könnte die Pakete auch kostenlos zum Postamt schicken. Das Problem ist nur, dass man normalerweise schnell weiter möchte. Da können einem die Öffnungszeiten einen ordentlichen Strich durch die Rechnung machen.

Manchmal wird mit den Hikern einfach nur Geld gemacht.

Donnerstag – Tag 24 – 252,1 – 266,1 – 09.05.2019