Leselaunen – SciFi und Trails

 

Leselaunen

Die Aktion „Leselaunen“ ist ein wöchentlicher Bericht und Austausch unter Buchbloggern über das aktuell gelesene Buch, die Lesemotivation und andere Kleinigkeiten im Leben eines Buchbloggers. Der Leselaunen Bericht erscheint wöchentlich am Sonntag um 20:00 und jeder darf jederzeit mitmachen und seinen Link dann bei Trallafittibooks verlinken. Einfach einen Leselaunen-Beitrag schreiben, verlinken, andere Teilnehmer besuchen/kommentieren und genießen!

Aktuelles Buch?

Die Woche war lesetechnisch jetzt wieder ein wenig erfolgreicher als die davor. Ich habe es jetzt endlich geschafft Dignity Rising zu beenden und das Buch ist toll (4,5/5) eine Bewertung schreibe ich aber erst, wenn ich die Serie abgeschlossen habe. Ich bin gespannt wie es weitergeht. Mir hat bei dem Buch vor allem gefallen, dass man recht schnell in die Geschichte geschmissen wird. Die Einleitung wird quasi nachgeholt. Oft zieht sich gerade der Einstieg bei Büchern. Bei Dignity Rising nicht.

Kurz zur Geschichte: Es geht um eine dystopische Welt. Mächtige Telepathen haben die Macht. Gewaltenteilung gibt es nicht. Offiziell spielen sie die weiße Weste vor. Im Hintergrund gibt es aber große Ungerechtigkeiten. Die Telepathen haben weiterhin die Fähigkeit das Gedächtnis von Personen zu verändern und Teile daraus zu löschen oder sogar andere Gedanken einzupflanzen. Sie besitzen also quasi unbegrenzte Macht ohne Kontrolle. Eine tragische Lovestory gibt es natürlich auch…

Weiterhin habe ich das letzte Buch aus der SoulSystems Serie gelesen. Bei der Serie bin ich recht zwiegespalten. Einerseits ist der Schreibstil toll und die Serie liest sich echt gut. Andererseits sind doch ziemliche Untiefen in der Handlung. Leider ergibt die Geschichte und die Handlungen an vielen Stellen keinen Sinn. Das scheint aber die meisten Leute weniger zu stören. Meine Wertung ist somit deutlich unter der Durchschnittsbewertung. Aber man muss ja auch nicht immer die gleiche Meinung haben wie der Durchschnitt. 😉

Tja, wie sollte es anders sein, da mich die Reise und Trail Faszination weiterhin gepackt hat (ich hatte letzte Woche bereits darüber berichtet), habe ich noch schnell ein Buch über die drei großen Trails der USA verschlungen. Der Titel ist etwas lang und auch leicht irreführend Laufen, Essen, Schlafen – Eine Frau, Drei Trails und 12700 Kilometer Wildnis. Alles durch die Schönheit der amerikanischen Natur (Pacific Crest Trail, Central Dividing Trail, Appalachian Trail). Das Buch ist eine absolute Empfehlung auch nicht nicht Hiker. Wenn euch irgendwie das Fernweh innewohnt, dann ist das Buch was für euch. Es ist recht unterhaltsam geschrieben und auf dem Trails geht es eben auch oft um zwischenmenschliche Beziehungen. Es handelt also nicht nur von laufen, essen, schlafen.

Die Autorin hat drei ganz unterschiedliche Erlebnisse gehabt. Den ersten Trail hat sie mit wechselnden Partnern gelaufen. Den zweiten mit einem festen Partner, der dann während des Trails auch so was wie ihr Freund wurde. Wobei sie am Ende nicht wirklich freundschaftlich auseinander gehen und der letzte Trail war quasi eine Solowanderung der Autorin, die sie teilweise nicht genossen hat.

Das zeigt: Ein paar Tage früher später, den Trail in eine andere Richtung laufen oder eine Entscheidung entlang des Weges können zu komplett unterschiedlichen Erlebnissen führen.

Was auch recht interessant ist: Auf so einem Trail muss die richtige Anzahl an Leuten unterwegs sein. Zu wenig und man hat an schwierigen Stellen keinerlei Hilfe und ist komplett auf sich allein gestellt.

Zu viele Leute und die Campingplätze sind überfüllt und der Zusammenhalt geht verloren. Letzteres ist offenbar auf dem Appalachian Trail der Fall, der von sehr vielen Leuten gewandert wird und es kommt wohl sehr oft zu Alkohol und Drogenexzessen entlang des Trails. Das wäre so überhaupt nicht mein Ding.

Momentane Lesestimmung

Nach wie vor gut, aber in der Woche bin ich auch wieder etwas mehr dazu gekommen Bücher zu lesen als im Netz zum PCT zu recherchieren auch wenn ich das weiterhin getan habe.

Zitat der Woche:

Wenn ich wüsste, dass ich in zehn Jahren sterben werde, was würde ich in der mir verbleibenden Zeit machen? Arbeiten, Geld verdienen, Karriere? Nein, sicherlich nicht. Ich würde die Zeit nutzen, um meine Träume zu leben, etwas Ungewöhnliches zu tun. – Christine Thürmer – Laufen, Essen, Schlafen – Eine Frau, drei Trails und 12700km Wildnis

Das Zitat oben finde ich übrigens sehr spannend. Einen relativ gut bezahlten Job habe ich. Geld kommt rein, weitere Karriere aktuell nicht in Sicht. Aber ist das wirklich der Lebensinhalt für die nächsten 20 Jahre? 10,5 Monate Geld beschaffen und 1,5 Monate Urlaub mit einer 3 Wochen Reise pro Jahr zum Welt erkunden. Das ja auch nur im günstigsten Fall. Es kann auch viel schneller zu Ende gehen. Man sieht es ja oft genug um einen herum. ein Schlaganfall, Krebs, was auch immer. Dann hilft einem das Geld auf dem Konto überhaupt nichts mehr. Man kann nichts mitnehmen.

Wie würdet ihr die Frage oben beantworten? Lebt ihr gerade eure Träume? Ich glaube das können nur verdammt wenige Menschen mit einem uneingeschränkten ja beantworten, oder?

Und sonst so?

Endlich mal ein wenig kühler und auch mal Regen. Es war ja schon alles gelb im Garten. Ich kam mir schon vor wie im Herbst, weil die Bäume ihre Blätter verloren haben. Das soll nun nicht heißen, dass ich Dauerregen will aber einmal in zwei Wochen darf es schon einen Tag schütten. 😉

Auf der Arbeit ist es momentan total Irre aber zumindest hatte ich letzte Woche mal die Gelegenheit ein paar Stunden abzubauen und etwas Freizeit. Bei der Hitze war das auch angenehmer als im Büro zu brutzeln.

Das Thema Thru-Hike lässt mich nach wie vor nicht los. Den ersten Post zu dem Thema habe ich ja bereits veröffentlicht, bei dem ich das Buch Der große Trip mit der aktuellen Realiät im Thru-Hiken verglichen habe. Der zweite wird dann eine konkrete Ausrüstungsliste was man bei so einem Thru-Hike dabei hat. Vielleicht ist das auch für den einen oder anderen Außenstehenden mal interessant wie wenig das ist und auch was man so alles weglässt.

Aktuell teste ich sogar Ultraleichtmatratzen. Ihr seht also das Thema hat es mir wirklich angetan. Die erste Matratze war übrigens schon mal ein Reinfall. Auf dem Ding würde ich keine Woche durchstehen. Länger als 2 Stunden am Stück konnte ich auf dem Teil nicht pennen und nach 4 Stunden bin ich wieder ins Bett gewechselt. Die ist für mich also schon mal nicht empfehlenswert. Da ich aber Seitenschläfer bin, sind meine Anforderungen auch etwas anders als für Leute, die auf dem Rücken pennen. Aber das ist ja kein Grund aufzugeben. Es gibt ja durchaus Alternativen. Zumal die Matratze nur ca. 1,2m lang war. Warum so kurz? Gewicht ist eben alles bei Hikern. Unter die Beine kommt der Rucksack. Ich werde es jetzt mal mit einer dickeren und längeren Version versuchen. Die ist sogar leichter aber macht wohl recht starke Geräusche. Mal sehen wie das ist. 🙂

Da merkt man aber auch schon wieder das Alter. Früher konnte ich auf dem Boden ohne Matratze auf dem Teppich pennen und das hat mich nicht gestört. Mir war aber von Anfang an klar, dass das Thema etwas schwieriger wird.

Ansonsten ein paar Impressionen:

Video zum Pacific Crest Trail (das ist recht lang, aber mir hat es trotzdem gefallen). Man bekommt einen recht guten Eindruck wie spektakulär die Landschaft entlang des Trails sind. Ich habe mich jetzt auch vollständig durch den Blog von Sommersprosse gearbeitet, der den kompletten PCT von Anfang bis Ende auf Tagesbasis beschreibt. Und was soll ich sagen – ich habe noch immer nicht genug.

Ungefährlich ist der Trail nicht. Speziell die Flussquerungen und die Gebirgspassagen sollte man wohl nicht alleine laufen. Es sterben jedes Jahr ein paar Leute auf dem Trail. Aber das passiert überall im Leben. Was ist schon ungefährlich? Es kann einen jeden Tag erwischen.

Weitere Leselaunen:

∗ Next Stop Scotland bei Piglet and her Books ∗ Berührende Geschichten bei Sarah Ricchizzi ∗ Buchpost ohne Ende bei Letterheart ∗ Probieren wir mal, wieder etwas Routine reinzukriegen bei Friedelchens Bücherstube ∗ Hitzefrei bei Nerd mit Nadel ∗ Raus aus dem Sommertief bei Jacquys Thoughts ∗ Endlich wieder lebensfähig bei Nessis Bücher ∗ Life goes on bei Umivankebookie ∗ HERE WE GO AGAIN bei The Book Dynasty ∗ Viel Recherchearbeit bei Valaraucos Buchstabenmeer ∗ Neuer Job und neuer Freund bei Beccas Leselichtung ∗ Urlaub, Marshmallows und Freunde bei zeilenschmiede ∗ LEIPZIG UND ZU VIELE BEGONNENE BÜCHER bei Reading Penguin ∗ Die Woche der Gönnungen bei Schwarzbuntgestreift ∗ VON AUTO-PROBLEMEN UND WICHTIGEN BÜCHERN bei Glimrende ∗

Laufen, Essen, Schlafen: Eine Frau, drei Trails und 12700km Wildnis [Buch]

Laufen, Essen, Schlafen: Eine Frau, drei Trails und 12700 Kilometer Wildnis - Christine Thürmer

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

Christine Thürmer

Teile der Serie:

  • Laufen, Essen, Schlafen – Eine Frau, drei Trails uns 12700 Kilometer Wildnis (288 Seiten – keine Serie)

Gelesenes Format:

eBook

Rezension und Inhalt:

»Weißt du, jeder von euch thruhikern hat seine eigene Geschichte. Euch zuzuhören, das ist für mich wie in einem Buch zu lesen. Nur dass ich in diesem Fall nicht in die Bibliothek gehen und mir ein Buch ausleihen muss – die Bücher kommen von ganz allein zu mir.«

Wie ihr meinem Blog entnehmen könnt, hat es mir die Idee einen Langstreckentrail zu wandern angetan. Daher hat mich auch interessiert was es neben dem Buch von Cheryl Strayed – das zur Hälfte um ihr Leben und Selbstfindung geht – weiterhin noch so an Büchern in dem Kontext gibt.

Dabei bin ich auf dieses gestoßen, das gleich alle drei Langstreckentrails der USA beschreibt. Den Pacific Crest Trail (Westen der USA von Mexiko bis Canada mit ca. 4300km), den Continental Divide Trail (Ostlich vom PCT mit knapp 4200-5000km – Stand 2007) und den Appalachian Trail (im Osten der USA mit 3500km).

»Ihr macht es genau richtig. Lebt euren Traum. Du weißt nie, wie viel Zeit dir dafür noch bleibt.«

Das Buch beginnt mit dem PCT. Die Autorin war körperlich nicht auf den Trail vorbereitet. Sie hat sich auf dem Papier vorbereitet. Ausrüstung geplant, optimiert und Planspiele gemacht (hey, das kommt mir sehr vertraut vor).

Da auf relativ wenigen Seiten drei Langstreckentrails untergebracht sind (mit ca. 13000km Strecke), sind sehr große Sprünge zwischen den Kapiteln. Es liegen oft mehrere hundert Kilometer zwischen den Kapiteln. Einigen gewissen Einblick bekommt man somit zwar aber der ist ziemlich lückenhaft.

Wie alle trail angels bieten die Andersons ihre Hilfe kostenlos an. Sie betrachten die thruhiker einfach als Freunde, die sie noch nicht kennengelernt haben, und freuen sich über deren Unterhaltung und Gesellschaft. Allerdings bezahlen sich das Bier, das Essen und das Benzin für die Wanderer nicht von selbst. Und so hinterlässt beim Abschied jeder der Wanderer eine kleine Spende im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten.

Ich musste an mehreren Stellen im Buch recht herzhaft lachen, weil ich mir die Situationen bildlich vorgestellt habe. Da zieht sich die Deutsche vor den prüfen Amerikanern aus und springt im Evaskostüm ins Wasser.

Die Hiker laufen durch ein Gebiet, in dem es einen Waldbrand gegeben hat. Durch die Asche sehen sie aus wie Schornsteinfeger, als sie im McDonalds einkehren.

Oder auch Striptease im Waschsalon (ich hab mich schon gefragt wie die Hiker das anders lösen).

Rein optisch unterscheidet man sich – abseits des High Tech Zeugs was man dabei hat als Thru Hiker oft nicht von einem Obdachlosen. Interessant ist auch, dass Vegetarier und notorische Fast Food Verweigerer auf dem Trail einfach nicht genug davon bekommen können. Es gibt keine Möglichkeit schneller Kalorien rein zu schaufeln, die man auf dem Trail ziemlich dringend braucht.

Now or Never als ehemaligem thruhiker war bewusst, dass die gemeinsame einmonatige Wanderung für seinen Freund Southpaw eine Belastung auf dem Weg nach Kanada gewesen wäre; etwas, was ihn von der Zielerreichung abgehalten oder ihn zumindest ausgebremst hätte. Und daher hat er abgebrochen, bevor es zur entscheidenden Belastungsprobe gekommen ist. Was ist dir wichtiger: der Trail oder unsere Freundschaft? Denn als echter thruhiker hätte sich Southpaw wohl für den Trail entschieden …

Wenn man sich allerdings Bilder vom Trail anschaue entschädigt das für einiges.

Desto mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto klarer wird einem, dass es nicht wirklich viel braucht um glücklich zu sein. Thru Hiken ist ja auch immer eine Form von aussteigen auch wenn es nur temporär ist.

Etwas deutlicher als im Buch werden hier die Gefahren deutlich. Die Sierras können aufgrund ihrer Schneepassagen in Kombination mit extremen Gefälle hochgradig gefährlich sein.

Was man im Buch auch sehr eindeutig sieht: Auch das schwächste Glied der Gruppe (was die Kondition angeht), kann auch schnell das stärkste werden, wenn es z.B. um die Querung eines Schneefeldes geht. Natürlich kann man einen derartigen Trail als Solokämpfer bestreiten aber viele tun sich gerade an den problematischen Stellen zusammen.

Der Flug von Seattle nach Los Angeles dauert gerade mal zweieinhalb Stunden. Fünf Monate und einen Tag habe ich gebraucht für diese Strecke, die ich jetzt einfach so überfliege.

Die Thru Hiker halten zwar oft zusammen – gerade in kritischen Passagen – aber es ist auch jeder Einzelkämpfer. Jeder hat das Ziel vor Augen und die Abbrecherquote ist hoch. Die Wahrscheinlichkeit, dass man den Trail erfolgreich beende und bis nach Kanada schafft ist gering. Und auch wenn es oft heißt, dass eine derartige Herausforderung zu einem Großteil eine Mentale Herausforderung ist, können einen körperliche Gebrechen schnell zur Aufgabe zwingen.

Bernd gibt mir eine neue Perspektive. Was ist schon meine Kündigung im Verhältnis zu seinem Schicksal? Ich lerne hautnah zu verstehen, dass es Wichtigeres gibt als Karriere und Geld.

Auch wenn einige auf einem Langstreckentrail Freunde für’s Leben finden, ist das wohl eher die Ausnahme. Die meisten Begegnungen sind eher flüchtig (darin sind die Amerikaner ja eh sehr groß – man kann sich wunderbar eine Stunde mit einem Fremden unterhalten – unverbindlich und man sieht sich nie wieder). D.h. man trifft sich immer mal wieder aber sobald einer irgendwo ein paar Tage Pause einlegen muss (sei es wegen Krankheit, Verletzung oder familiärer Ereignisse), sieht man die anderen oft nicht wieder, obwohl sie vielleicht nur drei Tage hinter oder vor einem sind.

Statt einfach die Risiken abzuwägen, dann eine Entscheidung zu fällen und diese konsequent umzusetzen, habe ich viel zu viel Zeit und Energie auf sinnloses Grübeln verschwendet. Vielleicht sollte ich mehr Dinge im Leben nach diesem Motto angehen. Nicht alles endlos immer wieder infrage stellen – sondern einmal entscheiden und dann einfach handeln.

Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich mit dem PCT. Der CDT (grob 30%) und der Appalachian Trail werden dementsprechend kürzer behandelt.

Christine Thürmer gelingt dabei sogar noch der Karrieresprung zwischen dem PCT (vor dem Sie die Kündigung erhalten hat) und dem CDT wird sie sogar Geschäftsführerin.

Auch in diesem Buch geht es nicht nur um Laufen, Essen, Schlafen wie der Titel es vermuten lässt. Es geht auch sehr viel um die Leute, die man auf den Trails trifft. Zwischen Christine und dem Hikingpartner, den sie auf dem PCT getroffen hat, entwickelt sich auf dem CDT eine Beziehung, die allerdings Licht und Schattenseiten hat und am Ende nicht funktioniert.

Fazit:

Wenn ich wüsste, dass ich in zehn Jahren sterben werde, was würde ich in der mir verbleibenden Zeit machen? Arbeiten, Geld verdienen, Karriere? Nein, sicherlich nicht. Ich würde die Zeit nutzen, um meine Träume zu leben, etwas Ungewöhnliches zu tun.

Das Buch ist irgendwo zwischen unterhaltsam und lehrreich. Es werden irgendwelche Unterhaltungen und Begebenheiten entlang des Trails beschrieben. Aber teilweise sind dabei (ich vermute sehr bewusst) auch Hinweise auf Besonderheiten und Verhaltensweisen enthalten, die es entlang des Trails zu berücksichtigen gilt. Das Buch bewegt sich also recht gekonnt zwischen Unterhaltung und einigen grundlegenden Tipps. Wer sich für Langstrecken Hikes oder einfach mit der Idee einer temporären Auszeit interessiert, dem wird das Buch gefallen.

Seit Monaten muss ich meinen Proviantnachschub in stinknormalen amerikanischen Supermärkten kaufen oder, wenn es ganz schlimm kommt, sogar an Tankstellen. Gesunde und dabei bezahlbare Lebensmittel findet man da selten. Stattdessen ist das meiste völlig überzuckert und mit so vielen Konservierungsstoffen versetzt, dass es den nächsten Atomkrieg unbeschadet überstehen würde.

Oft konnte ich mir die beschriebenen Ereignisse bildlich sehr gut vorstellen und musste herzhaft lachen.

Was einem im Buch auch an mehreren Stellen klar wird: Lebe deinen Traum, wenn es irgendwie geht. Das Leben kann so schnell vorbei sein. Dann hilft alles Geld auf dem Konto nichts…

Die einzige Kritik die ich am Buch habe ist, dass es zu kurz ist. 😉

Wenn ihr weitere Beiträge zum Thema Reisen (und auch zum PCT) sucht, findet ihr sie hier.

Bewertung:

4,5/5

Vergleichbare Bücher / Serien:

Verwandte Bücher / Serien:

  • Wandern, Paddeln, Radeln
Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

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Pacific Crest Trail – Teil 1 – Buch vs. Realität

© Fox Searchlight Pictures

Da ich kürzlich das Buch “Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst” gelesen habe, haben mich die Hintergründe interessiert und ich habe recherchiert. Das ist mein erster Post zu dem Thema und es wird mindestens noch einer folgen.

Der Pacific Crest Trail (PCT) – was ist das?

Der PCT ist ein Trail von der mexikanischen Grenze bis kurz hinter die kanadische Grenze. Der PCT 4279km lang. Von den Wanderern die den Trail beginnen, schafft es nur ein geringer Teil ins Ziel (je nach Jahr mal mehr mal weniger 25-60% Ankunftsquote als grobe Größenordnung – das hängt ganz von den Wetterverhältnissen ab. Als Einflussfaktoren sind Hitze und trockene Wasserquellen in der Wüste, Schnee in den Sierras und in Washington zu nennen. Landschaftlich ist der Trail sehr Abwechslungsreich und bietet viele tolle Motive. Der Trail führt durch einig der schönsten Nationalparks der USA. Teilweise sieht man entlang des Trails tagelang keine Zivilisation. Der PCT ist also eine deutlich wildere Variante des Jakobswegs ohne den Pilgerhintergrund.

Fire Creek Pass on the Pacific Crest Trail. Photo by Ed Pabor.

Einstufung von Cheryls Leistung

Zuerst: Es geht hier nur um eine Einordnung auf Basis des angelesenen Wissens. Wirklich beurteilen kann man die Leistung erst, wenn man den Trail selbst gelaufen ist. Und selbst dann sind die Bedingungen nie gleich. Ich finde den Teil aber durchaus ganz interessant, weil Cheryl (meiner Meinung nach zu unrecht) teilweise sehr heftig kritisiert wird. Wenn man ihr etwas vorwerfen will, dann vielleicht, dass sie den Trail (zu) populär gemacht hat.

Im Buch legt Cheryl weniger als die Hälfte des Trails zurück. Allerdings beginnt sie im heißesten Teilstück und aufgrund ihres sehr schweren Rucksacks und den massiven Wanderschuhen ist ihre damalige Herangehensweise nicht wirklich vergleichbar mit der heutigen. Insofern muss man ihre Leistung anders einordnen, wenn man berücksichtigt, dass ihr Rucksack anfangs über 30kg gewogen hat und die Rucksäcke mit Vollbestückung heute eher halb so viel wiegen einschließlich Wasser und Nahrung.

Ganz nebenbei sei hier erwähnt dass der PCT von den zurückgelegten Höhenmetern vergleichbar mit 17! Everest Besteigungen ist. Das ist eine unglaublich hohe Hausnummer, oder?

Dazu kommt noch, dass es damals keine Smartphone Apps und Handy mit GPS gab. Cheryl ist ganz simpel mit Papierkarten gewandert was extrem schwierig werden kann, wenn man sich nur an Landmarken orientiert vor allem in Kombination mit Schnee.

Die Ausrüstung

Einige Ausrüstungsteile wurden mit Blick auf den PCT erst entwickelt – zumindest habe ich das über Tarps gelesen (eine Art Zeltdächer ohne Wand und Boden). Weiterhin wurden durch das zunehmende Interesse am Hiking die Ausrüstungsgegenstände deutlich optimiert.

Heute kommt man mit den Big 3 (Rucksack, Schlafen, Zelt) recht problemlos unter 3kg. Das Basisgewicht (Gewicht ohne Verbrauchsgegenstände wie Essen, Trinken, Gas für den Brenner und ohne das was man am Körper trägt) liegt dabei je nach Minimalismus im Bereich zwischen 5 und 8kg (einige Hiker rechnen sich das Basisgewicht auch schön, in dem z.B. die Kamera als “am Körper getragen” auslegen). Faktisch bringt das zwar auf dem Papier was aber tragen muss man das Gewicht eh.

Dazu kommen dann je nach Strecke noch mehrere Liter Wasser und einige kg Verpflegung dazu. Man liegt also in der Regel irgendwo zwischen 10 und 15kg Gewicht zu tragen – in Einzelfällen kann es sogar mal tageweise auch an die 20kg gehen. Das ist eine ganze Menge, wenn man damit im Schnitt auch noch ca. 30km pro Tag laufen muss. 30km pro Tag sind sogar ohne Gepäck nicht ohne, wenn man das nicht nur an einzelnen Tagen macht.

Dabei müssen durchaus viele Entscheidungen bei der Wahl der Ausrüstung getroffen werden: Will man in einem geschlossenen Zelt schlafen, nur einen Schutz von oben haben (Tarp – Zeltdach ohne Wände und Boden) oder schlicht nur im Schlafsack auf dem Boden schlafen (Cowboycamping mit einem Bivy – das ist ein Wetterschutzsack um den Schlafsack)? Will man eine Luftmatratze (die ist recht empfindlich) oder eine Matte (unbequemer aber robuster)? Will man kochen oder nicht? Zieht man lieber Trailrunner (leicht, hoher Verschleiß und schnelltrocknend) oder Wanderschuhe (stabil, schwer und gute Knöchelstabilisierung) an? Die Liste lässt sich endlos fortsetzen.

Ich habe mich recht detailliert mit der Ausrüstungsthematik auseinander gesetzt und interessehalber ein eigenen Setup zusammengestellt. Ich wollte wissen auf welches Gewicht ich kommen würde, wenn ich mir selbst eine Ausrüstung zusammenstelle und auch ein Gefühl dafür bekommen, ob ich mir eine derartige Tour vorstellen kann.

Ich bin im üblichen Rahmen von ca. 7kg gelandet. Es geht leichter aber auch schwerer. Dabei muss man sich immer gewaltig am Riemen reißen. Einerseits darf man nicht so viel raus schmeißen, dass man zu ernsthafte Einschränkungen auf dem Trail hat. Andererseits bringt einen der Reserve / Sicherheitsgedanke ganz Schnell in Gewichtsregionen, die nicht gut sind. In Sofern hört loslassen zu der Trailerfahrung dazu. Man braucht nicht alles doppelt und bei vielen Fragen lässt sich die Frage, ob man auch mal drei Tage ohne auskommt ganz leicht mit ja beantworten.

Cheryls Ausrüstung war also viel zu schwer und sie hatte sehr viel unnützes Zeug dabei. Aber den Fehler kann man heute auch noch leicht machen, wenn auch nicht mehr in dem Ausmaß.

Pollen paints the glassy surface of Wanda Lake on a clear, brilliant July day. Photo by: Melody Shah

Die Kosten

Bei einigen Gegenständen (Daunenjacke, Zelt, Rucksack, Schlafsack) können die letzten paar Gramm auch sehr ins Geld gehen und den Preis verdoppeln. Die Ausrüstung liegt je nachdem was man schon hat irgendwo im Bereich zwischen 0 und 5000 Euro. Das kommt ganz drauf an wie sehr man auf Markenware und High Tech setzt oder auf günstige Sachen.

Dazu kommen dann die Lebenshaltungskosten auf dem Trail und die ein oder andere Übernachtung + Reiseversicherung und Visum 150€ + Flug und natürlich die Kosten zu Hause. Die Kunst liegt also darin die Kosten zu Hause zu minimieren. Die sind in kürzester Zeit locker teurer als die Kosten für den gesamten Trail! Für Amerikaner ist das ganze natürlich günstiger. Für den gesamten Trail liegen die Kosten irgendwo zwischen 2000 und 8000€. Der Schnitt liegt wohl irgendwo um 4000 oder 5000€.

Nicht umsonst gilt aber der Spruch “Hike your own hike”. Man kann noch so viel lesen was andere Leute wie machen. Das muss für einen selbst aber nicht richtig sein. Was für einen selbst gut und richtig ist, muss jeder für sich rausfinden.

Cheryl hat den Trail mit verhältnismäßig wenig Geld angegangen und war danach vollkommen Pleite. Da sie den Trail nicht komplett gelaufen ist, ist das also durchaus so machbar.

Im zweiten Post werde ich noch einiges zum Thema Ausrüstung berichten.

Gestern vs. heute

Als Cheryl den Trail gelaufen ist, war der Trail noch extrem wenig frequentiert. Dafür ist sie damals sogar recht vielen Leuten begegnet.

Das hat sich heute deutlich geändert (durch Film, Buch und leichtere Materialien und GPS). Heute sind so viele Hiker unterwegs, dass es an vielen Zeltplätzen schon schwierig ist noch einen Platz zu bekommen.

Vollkommen überlaufen ist der Trail nur deswegen nicht, weil die Permits (die benötigt man, um den PCT laufen zu dürfen) sehr limitiert sind. Pro Jahr werden nur 50 Permits pro Tag ausgegeben (für den Start im Süden nach Norden – das ist die von den meisten Hikern bevorzugte Route). Wenn man zusätzlich den recht eingeschränkten Startkorridier um Ende April berücksichtigt, die Zahl der Leute, die eine offizielle PCT Thru-Hike Erlaubnis haben überschaubar. Nach allem was ich bisher so gelesen habe, vermute ich aber, dass viele auch ohne Permit auf dem Trail sind. Es wird halt nicht wirklich kontrolliert, wenn aber doch wird es ziemlich teuer, wenn man kein Permit hat.

Der optimale Startzeitpunkt liegt im Bereich um Ende April. Früher starten macht i.d.R. keinen Sinn, weil dann die Sierras wegen Schnee nicht durchquerbar sind (dort sollte man Mitte Juni ankommen und hoffentlich ein schneearmes Jahr haben – ansonsten klappt es selbst im Juni nicht). Wenn man später loszieht, dann hat man schon Schnee im Endteil des Tracks. Am Ende des Trails kommt man irgendwo im Bereich September an. Wenn man Pech hat und das ist nicht so selten, sind die Sierras nicht passierbar, wenn man keine entsprechende Schnee / Eiserfahrung hat. Das ist Cheryl im Buch auch so gegangen und bereitet sehr vielen Hikern auch heute noch Probleme.

Gesundheit und Hygiene

Cheryl beschreibt im Buch, dass sie Zehennägel wegen zu kleiner Schuhe verliert. Das ist normal und entspricht auch heute noch der Realität. Das heißt nicht, dass es jedem passiert aber selten ist es auch nicht.

Die extremen Blasen, die Cheryl sind gelaufen hat, treten nicht bei jedem auf. Einige Leute haben mehr Probleme, andere weniger. Das wird wohl mit verschiedenen Umständen zusammenhängen. Wie gut passen die Schuhe? Was für Socken hat man und wie starkt neigt man dazu Blasen zu bekommen. In schweren Schuhen ist die Gefahr wohl größer, dass man sich Blasen läuft. Dafür sind die Gelenke besser geschützt und die Schuhe halten länger. Wenn man sich etwas bricht, ist der Trail auch zu Ende.

Die Verletzungen, die Cheryl durch den Rucksack hatte treten so wohl heute nicht mehr auf. Ich habe Bilder von Hikern gesehen, die eine leichte Rötung hatten dort wo der Bauch bzw. Hüftgurt aufliegt und die das schon als problematisch gesehen haben. Insofern stellt das wohl heute eher die Ausnahme dar und zeigt eher, dass der Rucksack nicht passt oder falsch eingestellt ist.

Mit der Hygiene auf dem Trail sieht es nicht so doll aus. Man duscht sich nur alle paar Tage und Waschen kann man sich zwischendurch auch nicht groß. Seife ist erstens schwer und zweitens sind viele Mittel alles andere als biologisch und somit ungeeignet für den Trail. Zumal man als Hiker das Wasser auch trinkt. Es liegt also im eigenen Interesse es sauber zu halten.

Nicht umsonst heißt es “Hikertrash”. Man stinkt schlicht und ergreifend und wird somit auch gerne mal mit Obdachlosen verwechselt. Gerade Jungs haben es oft auch schwer vom Trail in die umliegenden Orte mitgenommen zu werden. Es kommt des öfteren vor, dass man vom Trail in Städte Trampen muss.

Für den Stuhlgang buddelt man sich ein Loch (ca. 15cm Tief), das man später wieder zubuddelt. Das benutzt Toilettenpapier nimmt man im Optimalfall wieder mit. Wobei sich daran die Geister scheiden. Einige Hiker machen das (Leave No Trace), andere nicht. Es gibt auch welche die sich mit ein kleinen Sprühflasche mit Wasser helfen – was sicherlich nicht die schlechteste Variante ist, wenn man den Dreh mal raus hat. Daraus entstehen dann aber andere Probleme – a) man benötigt mehr Wasser und b) der Hintern ist ständig feucht was schnell zu Hautreizungen oder Entzündungen führt.

Fakt ist, dass man entlang des Trails teilweise recht viel Müll und auch Toilettenpapier findet (gerade an Campingplätzen oder im Startbereich des Trails) und das ist alles andere als toll. Das versaut einem den schönsten Naturtrip. Insofern sollte man sich an die Regel mit dem Loch für das große Geschäft halten.

© Fox Searchlight Pictures

Fragen zum PCT:

  • Was isst man auf so einem Trail? Im Prinzip ganz normale Sachen. Wichtig ist, dass sie ein paar Tage ohne Kühlung halten (z.B. abgepackter Käse, abgepackte Wurst, Trockennahrung wie getrocknetes Fleisch, Tütennahrung, Chips, Donuts usw). Gekocht werden kann nur was sehr schnell fertig ist – also zum Beispiel Fertignudeln aus der Tüte, Kartoffelpüree aus der Tüte usw. Wichtig ist, dass man sich klar machen muss, dass man auf dem Trail um 5000-6000 Kalorien pro Tag benötigt. Das heißt man kann und muss quasi jede Kalorienbombe mitnehmen, die sich bietet. Das sind somit oft auch Dinge, die man im normalen Alltag als ungesund einstuft. Aufgrund der Kombinatorik von leicht, kompakt, kalorienreich und schnell in der Zubereitung ist die Auswahl dann doch recht eingeschränkt. Sobald die Hiker auch nur in die nähe einer Stadt kommen, haben sie Hunger auf Burger, Cola und alles was ungesund ist und auf dem Trail nicht konsumiert werden kann. Teilweise sogar auf Dinge, die sie sonst höchstens  ausnahmsweise essen oder trinken.
  • Was sind Trail Angel? Freiwillige Helfer, die Hiker transportieren, sie mit Wasser / Essen versorgen, Unterkunft gewähren usw.
  • Was ist Trail Magic? Ein Trail Angel tut einem etwas Gutes. Das können Essen oder Getränke sein die bereitgestellt werden. Es kann auch sein, dass man von jemanden mitgenommen wird oder auch dass man bei jemanden übernachten darf. Magie halt.
  • Was ist eine Hiker Box? Eine Box in der Hiker Dinge zurücklassen, die sie nicht mehr benötigen und sie jeder andere Hiker mitnehmen darf. Es passiert sehr häufig, dass Dinge an derartigen Boxen zurückgelassen werden. Sei es weil Gewicht gespart werden soll, weil man meint man benötigt die Dinge nicht mehr oder bei Schuhen z.B. weil sie nicht passen (man benötigt gerade auf dem ersten Teil des Trails größere Schuhe, weil diese anschwellen)
  • Welche Permits benötigt man? Das Permit für den Trail selbst was sehr begehrt und ruck zuck weg ist. Die Seiten sind i.d.R. sofort überlastet, wenn die Permits vergeben werden. Das ist ähnlich einer Konzertticketbuchung. Permits für den PCT werden nur 2x im Jahr ausgegeben (aktuell November und Januar). Wenn man den Trail bis zum Ende wandern will (das offizielle Ende des Trails ist der Abschlussstein in den USA aber es wurde eine Verbindung nach Kanada rein geschaffen, die an einen anderen Trail anbindet), benötigt man ein Permit für die Einreise nach Kanada. Weitere Permits für das Campen in speziellen Regionen des Trails sind optional. Die Permits sind limitiert (siehe auch weiter oben).
  • Welchen Tieren begegnet man? Schwarzbären, Klapperschlangen und Moskitos ohne Ende (letztere wären für mich wohl die größte Herausforderung) und natürlich zig anderen aber das sind zumindest die nervigsten. Zu den Moskitos gesellen sich teilweise auch noch Fliegen, die einem in jede Körperöffnung fliegen. Dazu kommen auch noch andere Tiere, denen man nicht unbedingt begegnen möchte, wie zum Beispiel Zecken, Skorpione (die aber in der Region offenbar nicht so gefährlich sind, aber der Stich verursacht offenbar extreme Schmerzen). In der Regel werden Hiker nicht von Bären oder Klapperschlangen verletzt. Wenn einen eine Klapperschlange beißt, dann braucht man sofort einen Hubschrauber ins nächste Krankenhaus (je nach Sorte der Schlange bzw. deren Alter – junge Schlangen können ihren Giftausstoß nicht kontrollieren und hauen alles raus). Wenn einen ein Bär erwischt (die sollte man vorher vertreiben und das funktioniert in der Regel gut), dann hat man ein echtes Problem.
  • Was passiert, wenn man sich verletzt? Der PCT ist nicht ungefährlich. Man kann stürzen (besonders in den Sierras in Kombination mit Eisflächen) oder auch in reißenden Flüssen kann es schnell lebensgefährlich werden, besonders wenn man allein unterwegs ist. Es gibt GPS Geräte, mit denen man im Falle des Falles einen Hubschrauber rufen kann. Viele Hiker haben solche Geräte. Die helfen aber auch nur, wenn man noch in der Lage ist den Notruf abzusetzen. Es sterben auch Leute auf dem PCT – z.B. auch an Dehydrierung / Unterkühlung. Es ist nicht selten, dass Hiker ausgeflogen werden.
  • Was ist eine Bounce Box? Auf dem PCT gibt es Strecken wo es mehrere Tage keinen Ort und somit auch keine Nahrung gibt. In einigen Orten gibt es auch kaum Geschäfte. Dazu kommt, dass man manche Sachen zwar ab und zu oder nur in geringeren Mengen benötigt als sie normalerweise abgepackt sind (z.B. einen Rasierer – nicht benötigt, Shampoo – nicht benötigt, Große Tube Sonnencreme – zu groß, große Pulle Desinfektionsgel – zu groß, Große Tube Zahnpasta – zu schwer usw.) aber zum mitschleppen sind die einfach zu schwer. Manche Sachen muss man auch nur auf Teilabschnitten haben wie z.B. einen 1kg schweren Essensbehälter, der sicher gegen Bären geschützt ist. In den Sierras benötigt man mindestens Mikroeisspikes. In der Wüste ist ein spezieller sonnenreflektierender Schirm hilfreich und spätestens im zweiten Teil des Trails Regenklamotten. Nach dem ersten drittel benötigt man ein Moskitonetz um den Kopf und auch Moskitospray. Man kann bei der amerikanischen Post eine Art Flatrate abschließen und sich einen Eimer oder eine Kiste immer wieder an Orte schicken wo man noch hinwandert. Die Minimalentfernung damit man auf sein Paket nicht warten muss liegt wohl im Bereich von 5 Tagen (das kommt aber sehr drauf an wo man sich befindet – es kann auch mal deutlich länger dauern bis die Box ankommt). Mehr als 15 Tage sollte man es auch nicht vorausschicken, weil die Box nur 2 Wochen aufbewahrt wird (an einigen Stellen auch bis 4 Wochen). Als US-Amerikaner kann man auch einfach Freunde bitten einem Pakete zu schicken aber als Europäer macht das wenig Sinn.
  • Wie steht es mit Internet und der Erreichbarkeit? In einem Wort: Schlecht. Alle paar Tage ist man mal in kleinen Orten, in denen es freies Internet gibt aber die meiste Zeit ist man nicht erreichbar und hat auch keinen Internetzugang. Es gibt Satellitenkommunikationsgeräte, die sowohl die Position übertragen als auch den Versand von SMS ermöglichen.
  • Nimmt man auf dem Trail ab? Pauschal lässt sich das nicht sagen aber wenn was zum Abnehmen vorhanden ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß. 15kg sind keine Seltenheit. Das hängt aber auch davon ab wie gut man Essen verwertet. Schlechte Essensverwerter werden wohl eher abnehmen.
  • Was ist das Basisgewicht? Das Gewicht des Rucksacks ohne Essen, Wasser und Treibstoff für den Kocher und allem was man direkt am Körper trägt. Über das Thema kann man Romane schreiben. Es geht immer darum möglichst wenig Basisgewicht zu schleppen aber anderseits auch so viel mitzunehmen, dass man zurecht kommt. Da das Basisgewicht durch die Einschränkungen (nichts was am Körper getragen wird und keine Verbrauchsgüter) etwas schwammig definiert ist, rechnen sich das einige Hiker gerne schön und protzen dann damit rum.
  • Was ist ein Zero / Nero? Ein Tag ohne bzw. ein Tag mit wenig zurückgelegten Kilometern auf dem Trail. Quasi vergleichbar mit einem Wochenende, nur das es auf dem Trail viel seltener vorkommt.
  • Wie lange dauert es den PCT zu hiken? Normal sind 140-160 Tage. Der Rekord liegt um 60 Tage. Die 60 Tage sind aber unter unrealistischen Bedingungen entstanden, weil die Personen von außerhalb mit Getränken und Lebensmitteln versorgt wurden. Die brauchten sich also um Themen wie resupply und Trampen nicht kümmern. Das soll die sportliche und mentale Leistung nicht schmälern aber ich finde man sollte den Trail auch genießen.
  • Was ist Resupply? Das Auffüllen der Vorräte. Die Nahrungsmittel, die man mit sich trägt sind begrenzt und bedeuten viel Gewicht, desto mehr man dabei hat. D.h. desto weiter man ohne Resupply laufen will, desto mehr muss man mitschleppen. Viele Dinge halten sich bei den teilweise sehr hohen Temperaturen auch nur sehr begrenzt. Resupply ist teilweise sehr aufwendig, weil die Städte nicht immer am Treil liegen. Man auch manchmal 10km trampen, um in die Stadt zu kommen. Wenn man stinkt und wie ein Landstreicher aussieht vergrößert das gerade als Mann aber die Chancen nicht gerade mitgenommen zu werden (ich würde sogar sagen, die sind dann unterirdisch schlecht). Wobei man sich ja auch einfach ein Taxi bestellen könnte, wenn es sowas in den Kleinstädten gibt. Das ist zwar Hiker untypisch, aber bevor man stundenlang rumsteht. Das mit dem Taxi geht natürlich nur, wenn ein Handynetz verfügbar ist.
  • Was ist ein Tripple Crowner? Neben dem PCT gibt es in den USA noch zwei richtig große Trails. Der Appalachian Trail (ca. 3500km), der auf der Ostseite der USA liegt und den Central Deviding Trail (ca. 5000km), der in einigen Aspekten noch anspruchsvoller als der PCT ist. Zuerst ist er länger, er geht durch Grizzly Gebiet und er ist am schlechtesten ausgezeichnet. Wer alle drei gelaufen ist, darf sich tripple crowner nennen.

Weiterführende Links:

  • Deutschprachiger Blog zu einem Thru-Hike des PCT von der Planung bis zum Ende:
    https://sommersprossegoeswest.com/2017/01/
  • Englischsprachige Site zum PCT (Dixie hat sowohl den Appalachian Trail als auch den PCT gelaufen und läuft aktuell den Central Dividing Trail):
    http://homemadewanderlust.com/
  • Bei Dixie sind aber die Videos viel Interessanter als die Seite:
    https://www.youtube.com/channel/UCQhqmV26773qZhzqJz4VFcw
    Ich muss euch allerdings ein wenig vorwarnen. Ich finde sie sehr sympatisch aber die “arme Hikerin” kaufe ich ihr nicht so ganz ab. Wenn ich das in den Videos richtig verstanden habe, dann hat sie studiert und kurz danach mit dem Hiken angefangen (in den USA hat man nach dem Studium normalerweise recht hohe Schulden). Sie hat ein eigenes Haus und wenn man sich so die Abozahlen / Views / professionell organisiertes Sponsoring über Abomodelle mit Gegenleistung / Spendenwunschlisten und ihr Equipment anschaut (z.B. die mitgeführte Drohne), dann muss man wohl eher schon einer Berufshikerin sprechen. Davon abgesehen finde ich ihre Videos aber sehr cool. 😉
  • Ein paar Statistiken:
    https://www.halfwayanywhere.com/trails/pacific-crest-trail/pct-thru-hiker-survey-2017/
  • Offizielle Seite zum PCT:
    https://www.pcta.org/

Ihr findet massenhaft Seiten zu dem Thema mit Ausrüstungslisten, Tipps zur Ausrüstung, Ausrüstungslisten, Berichten usw.

Wenn ihr Fragen habt, immer her damit. Ich kann natürlich aktuell nur die Theorie beantworten. Es gibt aber zig Blogs von Leuten, die den PCT oder andere Teils gelaufen sind und die auch Praxistipps geben können. Aber Achtung: Ihr bekommt immer mehrere Meinungen, wenn ihr mehr als eine Person fragt.

Ich hoffe für auch war das Thema auch wenigstens etwas interessant. Ich finde das Thema total spannend. 🙂

Den zweiten Teil findet ihr hier:

Pacific Crest Trail – Teil 2 – Die Ausrüstung
Pacific Crest Trail – Teil 3 – Resupply Strategie
Pacific Crest Trail – Teil 4 – Nahrung
Pacific Crest Trail – Teil 5 – Bounce Box und Resupply Boxen

 

Leselaunen – Hitze & Thru-Hike Auszeitträume

 

Leselaunen

Die Aktion „Leselaunen“ ist ein wöchentlicher Bericht und Austausch unter Buchbloggern über das aktuell gelesene Buch, die Lesemotivation und andere Kleinigkeiten im Leben eines Buchbloggers. Der Leselaunen Bericht erscheint wöchentlich am Sonntag um 20:00 und jeder darf jederzeit mitmachen und seinen Link dann bei Trallafittibooks verlinken. Einfach einen Leselaunen-Beitrag schreiben, verlinken, andere Teilnehmer besuchen/kommentieren und genießen!

Aktuelles Buch?

Ich hänge – für meine Verhältnisse – schon ungewöhnlich lange an Dignity Rising fest. Ich mag es eigentlich überhaupt nicht ein Buch über längere Zeit zu lesen, weil man dann einfach Details vergisst und ich dann nicht so tief in die Geschichte und die Charaktere abtauche.

Das liegt nicht daran, dass das Buch schlecht ist. Ganz im Gegenteil. Mich hat aber gerade ein anderes Fieber gepackt, mit dem ich mich schon zwei Wochen rumschlage (mehr unter und sonst so).

Und dabei hätte ich gerade sogar zwei Bücher, die ich gerne kurzfristig lesen würde. Das sind Soul Systems Teil 5 und Die Geschichte von Sin und Miriam Teil 2.

  

Mal sehen wann ich dafür Zeit finde.

Momentane Lesestimmung

Gut, nur das ich gerade mehr im Netz als in Büchern lese. Dazu kommt, dass ich leider aktuell aufgrund meiner Arbeit sehr wenig Zeit habe.

Zitat der Woche:

“Never quit on a bad day” – Zitat von Thru-Hikern, das sich aber auf jeden Lebensbereich übertragen lässt

Und sonst so?

Boah ist das heiß. Aber wir dürfen und ja eigentlich nicht beschweren. Nach dem regelmäßigen “das war vermutlich schon wieder der Sommer” haben wir es vermutlich nicht anders verdient, oder?

Ihr habt euch vielleicht gefragt, wieso in den letzten Tagen so überhaupt kein Lesefortschritt mehr bei mir zu finden ist. Das hat zwei Gründe.

Der erste Grund ist, dass ich gerade verdammt viel Zeit in der Firma verbringe und kaum Freizeit habe (ja, eine Runde Mitleid bitte). Manchmal frage ich mich ja, ob nicht gleich hätte Politiker werden sollen. In der Stellenausschreibung stand nicht, dass diese Fähigkeiten sehr zuträglich oder sogar erforderlich sind.

Der Zweite Grund ist, dass mich das Buch: Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst total angefixt hat und ich einfach Interesse hatte wie es heute ist den Pacific Crest Trail zu wandern und ob das Buch ein realistisches Bild zeichnet. Der PCT ist ein knapp 4300km langer Wanderweg quer durch die schönsten Teile der Natur in den USA von Mexiko bis Kanada.

Eigentlich (so dachte ich zumindest), wollte ich nur mal ein wenig Googeln. Daraus ist dann im nächsten Schritt eine ausführliche Hintergrundrecherche geworden, weil ich so viele Fragen zu einem sogenannten Thru-Hike (vollständiger Hike des PCT) im Kopf hatte und sich aus den Antworten bzw. der Suche weitere Fragen ergeben haben. Tja, und schon war aus der Hintergrundrecherche ernsthaftes Interesse geworden.

Ich kann mir wirklich vorstellen das selber zu machen. Da ich auch gerne rumtüftele habe ich mir dann auch mal eine Ausrüstungsliste zusammengestellt, nachdem ich wirklich auf zig Blogs zu dem Thema gelesen habe. Ich bin jetzt sozusagen Experte für die Theorie, aber das ich es nicht selbst gemacht habe, natürlich auch nur das. Das sind in der Regel die schlimmsten oder? Theoretisch voll im Bild aber keine Ahnung von der Praxis. *g*

Auf jeden Fall lese ich jetzt seit knapp zwei Woche fast nur noch Blogs und Ausrüstungslisten zum PCT und aktuell ist noch kein Ende in Sicht. Ich werde in den nächsten Tagen zwei Blogeinträge zum Thema verfassen. Einen Beitrag mit etwas allgemeineren Informationen, bei dem ich das Buch und die Realität vergleiche und einen weiteren, der etwas mehr ins Detail geht. Man findet im Netz übrigens diverse Blogs, die teilweise die komplette Reise mit Tagesberichten beschreiben. Seid aber vorgewarnt. Damit kann man sich über Wochen beschäftigen, vor allem wenn man sich dann noch in das Ausrüstungsthema vertieft.

Selbst wenn ich den PCT nicht wandern sollte, so habe ich von den ganzen Blogs doch so einiges mitgenommen und gelernt. Ist doch toll, wenn man auch von seinem Zimmer irgendwo in Deutschland ein wenig die Welt entdecken kann, oder?

Und davon abgesehen ist es doch auch toll Träume zu haben. In der letzten Zeit sind mir irgendwie etwas die Ziele ausgegangen (und das ist jetzt nicht auf das Reisen bezogen).

Könnt ihr euch auch so in Themen reinsteigern? 🙂 Wäre das was für euch mal ein halbes Jahr weg von allem und quer durch die Natur mit traumhaften Kulissen aber auch mit körperlichen und Mentalen Herausforderungen, die ihr so noch nie hattet?

Passend zum Reisekontext habe ich auch einen Beitrag über zwei Segeltörns auf der Thor Heyerdahl veröffentlicht.

Gestern war ich im aktuellen Mission Impossible Film: “Mission Impossible – Fallout” (ich musste gerade erst mal nachschlagen – es ist Teil 6). Der Film hat mir ganz gut gefallen. Vielleicht schreibe ich später noch einen kleinen Bericht dazu. Das wurde aber auch mal wieder Zeit. Ich war früher leidenschaftlicher Kinogänger aber in der letzten Zeit fand ich es ziemlich mau was so lief.

Weitere Leselaunen:

Lesenacht und Urlaubsende bei Letterheart ∗ Viel Action bei unglaublicher Hitze bei Stars, stripes and books ∗ Festival Fieber bei Sarah Ricchizzi ∗ Wochentrallafitti: Leseflow und Buddyreads bei Trallafittibooks ∗ Schlimmer geht immer! bei Simones Bücherzimmer ∗ Mein erster Wochenrückblick bei Liveyourlifewithbooks ∗ Von Hitzewellen und Bergweh bei glimrende ∗ Funkstille bei Schwarzbuntgestreift ∗ mit einem unglaublich wichtigen Buch bei Nessis Bücher ∗ LESEN AM STRAND UND ANDERE HITZEMASSNAHMEN bei Reading Penguin ∗ VON GEBURTSTAGEN, ANASTASIA UND FITNESS bei Nerdahoi ∗ 72 STUNDEN LESEN UND ZURÜCK IN DER HEIMAT bei The Book Dynasty ∗ Die Hitzewelle lässt sogar die Leselust abebben bei ChaosMariechen ∗

Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst [Buch]

Der große Trip Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst - Cheryl Strayed

Mehrfach gelesen:

Nein

Autor(in):

Cheryl Strayed

Titel:

  • Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst (449 Seiten)

Gelesenes Format:

eBook

Rezension und Inhalt:

Ein Liter Wasser, so lernte ich später, wiegt ein Kilogramm. Ich weiß nicht, wie viel mein Rucksack an diesem ersten Tag wog, aber ich weiß, dass allein das Wasser zwölf Kilo ausmachte.

Die Geschichte ist vermutlich bereits hinreichend bekannt, da sie auch verfilmt wurde. Die Handlung basiert auf wahren Begebenheiten, ist also nicht erfunden.

Falls nicht, nur mal in kurz:

Cheryl Strayed hat ihre Mutter verloren mit 22 und ihr Vater ist schon verschwunden als sie 6 war bzw. ihre Mutter hat ihn verlassen (er hat ihre Mutter regelmäßig geschlagen und getrunken). Seit ihre Mutter gestorben ist versucht sie den Rest der Familie zusammen zu halten. Ihre Geschwister trauern auf ihre eigene Art.

Dass mir dazu die Kraft fehlen könnte, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Ich war wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass, wenn ich alles, was ich zum Wandern brauchte, zusammenpackte, ein Gewicht herauskam, das ich tragen konnte.

Cheryl hat eine sehr enge Beziehung zu ihrer Mutter gehabt und kommt mit dem Verlust nicht klar.

Cheryl nimmt Drogen hat Sex mit diversen Männern und Ihre Ehe geht den Bach runter und sie wird Schwanger. Sie ist zu dieser Zeit ein ziemlich leichtes Mädchen und setzt ihre Weiblichkeit sehr bewust ein.

Mit 26 ist sie am Ende und beschließt den Pacific Crest Trail zu wandern. 1000 Meilen Luftlinie (rund 4300km zu Fuß) von der mexikanischen Grenze bis zur kanadischen Grenze. Quer durch die Natur und teilweise weit abseits der Zivilisation (auch wenn sie nie vor hatte den ganzen Trail zu wandern).

Angst erwächst zu einem großen Teil aus einer Geschichte, die wir uns selbst erzählen

Die Geschichte springt zuerst zu einem Erlebnis im ersten Teil des Trails und fängt mit der Diagnose im Krankenhaus an, bei der ihre Mutter vom Arzt mitgeteilt bekommt, dass sie Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium hat.

Gut finde ich, dass im Gegensatz zum Jakobsweg der religiöse Ansatz bei den amerikanischen Trails nicht im Vordergrund steht.

»Ah!«, schrie ich, als wie aus dem Nichts plötzlich ein zottiges Tier auf dem Pfad stand, so dicht vor mir, dass ich es riechen konnte. Ein Bär, wie ich in der nächsten Sekunde begriff. Seine Augen streiften mich mit einem nichts sagenden Blick, bevor er schnaubend herumwirbelte und in Richtung Norden den Trail entlangtrabte. Wieso mussten sie immer in die Richtung rennen, in die ich wollte?

Cheryl schreibt sehr schonungslos ihre Emotionen und Gedanken nieder. Das macht sie nicht immer syphatisch aber absolut authentisch. Ob wirklich alles genau so passiert ist (die Erinnerungen sind teilweise extrem detailliert), weiß ich nicht.

Im Netz findet man teilweise heftige Kritik – ob das einfach Neid ist oder wirklich begründet, sei dahingestellt.

Einige kritisieren wie unvorbereitet sie war und das sie sich auf andere Verlassen hat. Die Kritik halte ich für nur für bedingt berechtigt – klar muss man zu einem gewissen Grad naiv sein um so eine Tour zu machen aber dass sie jemand rettet ist oder sie unterstützt ist nun wirklich nicht zu erwarten bei der geringen Anzahl von Leuten, denen sie damals begegnet ist. Das sie nicht besonders gut vorbereitet war stimmt natürlich – aber hey, es ist ihr Leben.

Niemand kann wissen, warum das eine geschieht und das andere nicht. Was zu was führt. Was was zerstört. Was der Grund dafür ist, dass etwas erblüht, etwas anderes zugrunde geht oder einen anderen Verlauf nimmt.

Andere kritisieren, dass sie nicht den kompletten Trail gelaufen ist (sie fängt in Mojave an, der Teil beginnt aber an der mexikanischen Grenze und hört auch deutlich früher auf als an der kanadischen Grenze und zwischendurch überspringt sie ein ziemlich großen Stück wegen Schnee – letztlich sind das alles nur willkürliche Landmarken). Ich glaube ehrlich gesagt darum geht es in ihrem Fall nicht. Es geht eher darum, dass sie sich selbst gefunden hat auch wenn sie weniger als die Hälfte des Trails zurückgelegt hat. Wobei mir das vor dem Lesen des Buches auch nicht bewusst war.

Zwei Wochen später rief Paul an. Er wollte mich sehen. Auf der Stelle. Lisa hatte ihm von Joe und meinem Heroinkonsum erzählt, darauf hatte er sich sofort ins Auto gesetzt und war die 2700 Kilometer von Minneapolis nonstop durchgefahren, um mit mir zu reden.

Wieder andere regen sich darüber auf, dass sie alleine gewandert ist. Mit Verlaub, dass ist der Sinn bei einer derartigen Wanderung. Klar trifft man auf Leute und wandert auch mal zusammen aber der Sinn ist es ja eben auch mal allein seinen Gedanken nachzuhängen und neue Leute kennen zu lernen und wenn man schon in einer Gruppe los läuft ist beides eher schwierig.

Natürlich war ihr Buch sehr erfolgreich und wurde dann später auch verfilmt. Das passiert anderen Wanderern nicht, obwohl sie den ganzen Trail gelaufen sind. Aber wie so oft im Leben ist eben nicht alles gerecht. Somit ist klar, dass es auch Neider gibt.

ich begriff, dass das, was ich mit meinem Geständnis in Gang gesetzt hatte, nicht nur zu meiner Scheidung geführt hatte, sondern auch dazu, dass ich jetzt allein in Old Station, Kalifornien, unter einem großartigen Himmel an einem Picknicktisch saß. Ich war weder traurig noch glücklich.

Mittlerweile hat die Anzahl der Wanderer, die den kompletten Trail begehen deutlich zugenommen. Von rund 20, die sich 1995 gemeldet haben zu über 700 im Jahr 2016. Da das freiwillige Meldungen sind, können die realen Zahlen deutlich höher sein. Und das sind nur die, die den kompletten Trail gelaufen sind und sich registriert haben. Jetzt denkt ihr vielleicht 700 Leute im Jahr ist doch nicht viel. Die laufen aber alle ziemlich genau zur gleichen Zeit los, weil das Zeitfenster für den Start aufgrund der Jahreszeiten und des Wetters recht begrenzt ist.

So abenteuerlich wie früher ist der Trail somit nicht mehr, weil man doch wohl recht regelmäßig Leuten begegnet, sofern man nicht vom Weg abweicht.

»Ein Vater hat die Aufgabe, seinen Kindern beizubringen, Krieger zu werden, ihnen das Selbstvertrauen zu geben, aufs Pferd zu steigen und in die Schlacht zu reiten, wenn es notwendig ist. Wenn Sie es von Ihrem Vater nicht gelernt haben, müssen Sie sich es selbst beibringen.«

Die Schreibweise des Buches empfand ich anfangs etwas anstrengend, was sich aber recht gegeben hat. Ab und an neigt Cheryl oder die Übersetzerin zu etwas komplexen Satzmonstern.

Die Geschichte handelt nur zu einem Teil von der eigentlichen Reise. Der andere Teil der Geschichte beschäftigt sich mit Cheryls Vergangenheit und ihrer Selbstfindung. Also ja es geht um eine Reise aber eben nur der Reise von einem Ort zu einem anderen. Wer hier also auf eine reine Beschreibung der Reise hofft, wird enttäuscht sein. Andererseits wäre die reine Reisebeschreibung bei über 400 Seiten vermutlich auch ziemlich schnell langweilig.

Keine Stunde später trat ich beinahe wieder auf eine Klapperschlange, obwohl auch sie mich höflich mit ihrer Rassel gewarnt hatte.

Dementsprechend ist man über weite Strecken des Buches in den Gedanken von Cheryl unterwegs. Ab und an trifft sie auf Leute und die Geschichte wechselt immer weider zwischen aktuell erlebten Dingen und Rückblicken.

Auch diese Reise lebt von Begegnungen mit anderen Menschen, wenn es auch viel weniger sind, als zum Beispiel bei einer Reise durch besiedelte Gebiete. Oft sind es Menschen, die man danach nie wieder sieht (bei Cheryl mag das durch Buch und Film etwas anders gelaufen sein als bei den meisten anderen PCT Wanderern). Der Trip besteht also auch aus einem Kennenlernen und verlassen von Leuten, die man liebgewonnen hat (damals vermutlich mehr als heute, weil man heute aufgrund der Menge der Leute um einen rum kaum noch intensive Beziehungen aufbauen wird).

Fazit:

Es war tatsächlich vorbei, dachte ich. Es gab kein Zurück, keine Möglichkeit, den Augenblick festzuhalten. Die gab es nie.

In dem Buch geht es zwar auch um den Pacific Crest Trail aber ganz wesentlich um die Verarbeitung des Todes von Cheryls Mutter. Zusätzlich erhält der Leser in den vielen Rückblicken einen Eindruck was für eine Person Cheryls Mutter war, wie Cheryls Kindheit verlaufen ist und ihr bisheriges Leben. Das Buch ist also eine Mischung von Reiselektüre und Selbstfindung. Ich finde das Buch sehr lesenswert.

Am späten Nachmittag gelangte ich an einen schattigen Platz, auf dem ein Picknicktisch stand – ein seltener Luxus auf dem Trail. Im Näherkommen sah ich, dass auf dem Tisch ein Pfirsich lag, unter dem ein Zettel klemmte.

Zu dem Buch gibt es auch einen Film “Wild – der große Trip”. Der Film greift diverse Ereignisse aus dem Buch auf und gibt diese recht Originalgetreu wieder. Einiges fehlt auch im Film. Wie üblich ist der Film also detaillierter aber der Kern der Erzählung ist sehr gut beibehalten worden. Dazu kommt noch, dass man im Film einige tolle Aufnahmen vom Trail zu sehen bekommt. Ich kann also sowohl den Film als auch das Buch empfehlen. Das Abenteuer wie es Cheryl 1995 erlebt hat gibt es aber in der Form heute so nicht mehr, weil der Trail nun zu bekannt ist. Das ist also ein Fall, wo sich das Buch und vor allem der Film nicht als vorteilhaft für die Region erwiesen hat.

Wenn ihr weitere Beiträge zum Thema Reisen (und auch zum PCT) sucht, findet ihr sie hier.

Bewertung:

4/5

Vergleichbare Bücher / Serien:

Verwandte Bücher / Serien:

Offene Fragen / Ideen / Diskussionsstoff (Spoilerwarnung):

  • Ich war wirklich überrascht, dass Cheryl weniger als die Hälfte des Trails gelaufen ist (das wird sonst nicht so eindeutig erwähnt – da wird sie ja fast als Heldin dargestellt, obwohl viele auch den ganzen Trail laufen – wobei sich wohl auch zwei Fraktionen unterscheiden. Die Einen, die den Trail einfach abhaken wollen auf der Liste der Errungenschaften und die anderen, die ihn einfach wandern wollen.
  • Ich bin etwas erstaunt darüber, dass Cheryl so detailliert Tagebuch geführt hat, da sie nach dem Wandern lt. Buch sehr oft kaputt war und nicht mal mehr gegessen hat.
  • Ich hätte ja echt Lust mal so eine Wanderung zu machen. Alles hinter sich lassen und mal ein halbes Jahr weg von allem. Allerdings scheint der PCT jetzt leider auch überfüllt zu sein (der Appalachian Trail war es vorher schon).

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